[Video] Zwischen Krise und Umbruch: Sorgen der Bauern auf der Messe in Libramont

<p>Die Landwirtschaftsmesse von Libramont gilt als Schaufenster des Agrarsektors – und als Ort, an dem Sorgen und Forderungen laut werden.</p>
Die Landwirtschaftsmesse von Libramont gilt als Schaufenster des Agrarsektors – und als Ort, an dem Sorgen und Forderungen laut werden. | Fotos: belga

Der jüngste Vorschlag der Europäischen Kommission für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) 2028–2034 wird die Diskussionen auf dem Gelände der Messe von Libramont, die am Freitag gestartet ist und bis Montag dauert, zweifellos anheizen. Und es ist nicht übertrieben zu sagen, dass der Vorschlag für den Agrarsektor wie eine kalte Dusche wirkte.

Denn: Die vorgeschlagenen 300 Milliarden Euro für Einkommensbeihilfen und Krisenmanagement, die 80 Prozent des aktuellen Budgets der GAP für die Jahre 2023 bis 2027 ausmachen, lassen einen Rückgang der Hilfen für Landwirte befürchten. Die EU-Mitgliedstaaten werden aber wohl die Möglichkeit behalten, auf andere Fonds zurückzugreifen, um den Sektor zu unterstützen. Die größere Freiheit, die den Mitgliedstaaten eingeräumt werden soll, hat jedoch die Sorge vor einer „Renationalisierung“ der GAP und vor einem Wettbewerb zwischen europäischen Landwirten geweckt. „Wir sind enttäuscht, sowohl inhaltlich als auch in der Form. Dieser Vorschlag der Kommission geht nicht in die richtige Richtung. Es ist eine totale Enttäuschung“, meint Daniel Coulonval. Er ist Präsident des wallonischen Landwirtschaftsverbandes FWA. „Die Ankündigungen der Europäischen Kommission werden den Herausforderungen nicht gerecht und werden von unseren Mitgliedern als Verrat empfunden“, erklärt auch Philippe Duvivier, der Vorsitzende des wallonischen Bauernverbandes Fugea, der sich fragt, was im Jahr 2028 noch „gemeinsam“ in der GAP entschieden werden soll.

<p>Philippe Duvivier, der Vorsitzende des wallonischen Bauernverbandes Fugea, am Freitag in Libramont</p>
Philippe Duvivier, der Vorsitzende des wallonischen Bauernverbandes Fugea, am Freitag in Libramont

Die landwirtschaftlichen Berufsverbände in der Wallonie nutzten die Eröffnung der „Foire“ am Freitagmorgen, um ihrem „tiefen Unmut“ über die letzte Woche von der EU-Kommission vorgestellten Budgetvorschläge Ausdruck zu verleihen. Oft als „Schaufenster“ der Landwirtschaft bezeichnet, dürfte die Messe in Libramont auch dieses Jahr wieder eines ihrer wichtigsten Sprachrohre sein.

Die Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union ist allerdings nicht das einzige Problem des Agrarsektors, der – seit jeher, aber mehr denn je – den Launen von Wetter und Klima, Tierkrankheiten sowie den Turbulenzen der internationalen Märkte ausgesetzt ist. Ganz zu schweigen vom geplanten EU-Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten, das Europa und Belgien weiterhin spaltet. Auch die Frage des Einkommens bleibt für Landwirte wichtig – nach mageren Jahren und trotz der zuletzt guten Lage in der Viehzucht mit Rekordpreisen für Rindfleisch und Butter. Die Frage lautet jedoch: Werden diese Preise anhalten?

Ebenso drängend bleiben der Zugang zu landwirtschaftlichen Flächen und die Frage der Nachfolge – in einem Beruf mit immer älter werdenden Betriebsleitern und hohen Anforderungen. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Betriebe sowohl in Flandern als auch in der Wallonischen Region weiter zurückgegangen. Gleichzeitig wachsen die Höfe, erfordern immer größere Investitionen, während die Rentabilität sinkt. Droht damit langfristig das Modell der Familienlandwirtschaft zu verschwinden? Für FWA-Präsident Daniel Coulonval ist die Lage eindeutig: „Wir erleben eine Transformation des Berufsbildes des Landwirts, mit immer größeren Betrieben und dem Einstieg von Finanz- und Verwaltungsgesellschaften. Wir entfernen uns vom Familienmodell, das die DNA der wallonischen Landwirtschaft ausmacht“, bedauert er. Die 89. Ausgabe der Landwirtschaftsmesse steht unter dem Motto „Unsere Landwirtschaft: Alle betroffen! Alle engagiert!“ und rückt die lokale Landwirtschaft sowie das Genossenschaftsmodell in den Vordergrund, das im Agrarsektor immer präsenter wird. 2025 wurde zum internationalen Jahr der Genossenschaften erklärt. Rund 700 Aussteller und 200.000 Besucher werden erwartet. (belga/sc)

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