Zu schade für die Tonne: Belgien wirft zu viel Potenzial in den Müll

<p>Jeder Zehnte wirft hierzulande noch Brauchbares weg.</p>
Jeder Zehnte wirft hierzulande noch Brauchbares weg. | Foto: belga

Die Zahlen wurden anlässlich des „Earth Overshoot Day“ (24. Juli) veröffentlicht – jenem symbolischen Datum, an dem die Menschheit weltweit mehr natürliche Ressourcen verbraucht hat, als die Erde innerhalb eines Jahres regenerieren kann.

Junge Menschen handeln nachhaltiger.

Die Umfrage, durchgeführt im Auftrag von Herw!n (Kringwinkel), 2dehands.be, HappyTroc und Cash Converters, zeigt ein deutliches Altersgefälle: Fast zwei Drittel der unter 34-Jährigen haben im vergangenen Jahr gebrauchte Gegenstände verkauft, bei den über 55-Jährigen war es nur gut ein Viertel. Ähnlich sieht es beim Einkauf aus: Mehr als die Hälfte der jungen Menschen kaufte 2024 Secondhand, während dieser Anteil bei älteren Personen unter 30 Prozent lag. Besonders Kleidung, Bücher und Spielzeug wurden weiterverkauft oder gespendet. Ältere Menschen neigen dabei etwas stärker dazu, ihre Sachen kostenlos weiterzugeben.

Bei den Motiven für den Weiterverkauf steht laut der Umfrage in erster Linie der finanzielle Aspekt im Vordergrund – 64 Prozent nannten den Gewinn als Hauptgrund. Für viele ist aber auch die emotionale Entlastung wichtig: 36 Prozent schätzen das Gefühl, weniger Besitz anzuhäufen. Ein Drittel der Befragten gab an, aus Umweltbewusstsein heraus gebrauchte Dinge weiterzugeben oder zu verkaufen.

Trotz des Trends zum Wiederverwenden bleibt der Anteil jener, die brauchbare Dinge einfach wegwerfen, hoch – und er ist sogar gestiegen: 9,5 Prozent der Befragten gaben an, im vergangenen Jahr verwertbare Gegenstände in den Müll geworfen zu haben. Vor zwei Jahren waren es noch 7,3 Prozent. Die Initiatoren der Umfrage kritisieren diese Entwicklung deutlich: Es seien verpasste Chancen – für den Geldbeutel ebenso wie für die Umwelt. Dass über ein Viertel der Nicht-Verkäufer angibt, schlicht „nichts zum Weggeben“ zu haben, sei ein schwaches Argument. „Jeder hat etwas, das ein zweites Leben verdient“, so der Tenor aus der Branche.

Klare Erwartungen an Politik und Hersteller

Auch die Erwartungen an Politik und Wirtschaft sind klar. Drei Viertel der Befragten wünschen sich steuerliche Anreize, um Wiederverwendung attraktiver zu machen. Fast 90 Prozent fordern, dass Produkte leichter reparierbar sein sollten, und 86 Prozent sehen die Hersteller in der Pflicht, Verantwortung für den gesamten Lebenszyklus ihrer Produkte zu übernehmen.

Die Online-Befragung wurde vom Meinungsforschungsinstitut iVOX zwischen dem 16. April und dem 5. Mai 2025 unter 2.000 Belgierinnen und Belgiern durchgeführt. Die maximale statistische Abweichung beträgt 2,1 Prozent. (belga/calü)

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