Jonathan Milan hat die 17. Etappe der Tour de France gewonnen. Der 24 Jahre alte Italiener siegte nach 160,4 Kilometern von Bollène nach Valence im Massensprint vor Jordi Meeus aus Lommel und dem Dänen Tobias Lund Andresen. Der Sprinter feierte im strömenden Regen damit seinen zweiten Tagessieg bei der 112. Frankreich-Rundfahrt und holte wichtige Punkte im Kampf um das Grüne Trikot. Arnaud De Lie (Libramont) folgte auf dem vierten Rang.
Einen Tag nach der harten Etappe hinauf zum legendären Tour-Berg Mont Ventoux kamen die Klassementfahrer um das Toptrio Tadej Pogacar, Jonas Vingegaard und Florian Lipowitz zusammen ins Ziel. Der Slowene führt die Tour weiter mit 4:15 Minuten Vorsprung auf den Dänen und 9:03 Minuten auf den Deutschen an.
Intermarché gibt Entwarnung bei Rex-Kollegen um Biniam Girmay.
Für die schnellen Radprofis könnte es angesichts der Montmartre-Überquerungen beim Finale am Sonntag in Paris schon die letzte Chance auf einen Tageserfolg gewesen sein. Ab Donnerstag stehen erst einmal die von ihnen ungeliebten Kletter-Etappen in den Alpen auf dem Programm. Wout van Aert versuchte, den Sprint Royal zu verhindern, attackierte am Col de Tartaiguille (vierte Kategorie) und zog 45 Kilometer vor dem Ziel als Solist davon – der Mut des Topstars mit dem Red-Bull-Helm wurde nicht belohnt.

Das Finale wurde von einem Sturz auf dem letzten Kilometer überschattet. Direkt an der Flamme Rouge hatte der Kampf um die Positionen auf der nassen Fahrbahn schwere Folgen, ein Dutzend Fahrer ging zu Boden – darunter Biniam Girmay, Kapitän des Raerener Laurenz Rex bei Intermarché-Wanty. Der zweifache Etappensieger Tim Merlier blieb zwar verschont, wurde jedoch ausgebremst und verpasste den Sprint um den Tagessieg. „Ich habe gar nicht mitbekommen, dass es einen Sturz gab. Hoffentlich ist niemand schwer verletzt.“, gestand Milan.
Im Laufe des Abends gab Intermarché-Wanty Entwarnung: Weder Biniam Girmay, noch seine mitverwickelten Mitstreiter Hugo Page und Louis Barré haben sich ernstere Blessuren zugezogen. „Es handelt sich um oberflächliche Verletzungen“, so das belgische Team.
Für Tim Merlier, neben Jonathan Milan der große Favorit auf den Etappensieg, verlief der Schlusskilometer ebenfalls ernüchternd. Bereits zuvor hatte er in einem Kreisverkehr die falsche Seite gewählt, dadurch einige Plätze verloren. „Ich wusste, dass ich schnell wieder nach vorne kommen musste. Aber genau in dem Moment passierte vor meiner Nase der Sturz. Da habe ich wirklich all mein Cyclocross-Talent aufbringen müssen, um auf dem Rad zu bleiben“, rekapitulierte der Europameister die Szene.

Zwei Etappensiege stehen bereits auf Merliers Konto, ein dritter wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr hinzukommen: „Es war meine letzte Chance. Ich habe nur zweimal bei dieser Tour sprinten können, und auch wenn ich beide Male gewonnen habe, ist das schade“, bedauerte der 32-Jährige von Soudal Quick-Step, das noch am Dienstag den Triumph seines französischen Fahrers Valentin Paret-Peintre auf dem Mont Ventoux hatte bejubeln dürfen.
Einen Tag später kletterte Jonathan Milan zum zweiten Mal bei dieser Tour ganz oben aufs Treppchen. Bereits der achten Etappe nach Laval hatte der Italiener seinen Stempel aufgedrückt, führt die Punktewertung nun mit 72 Zählern Vorsprung auf Tadej Pogacar an. „Der Regen hat den Endspurt ziemlich erschwert. Wir haben probiert, ganz vorne in die Kreisverkehre zu fahren, und ich muss gestehen: Ich hatte ein bisschen Angst. Aber ich muss meinen Teamkollegen von ganzemHerzen danken, sie haben mich in die beste Position gebracht.“
Ab Donnerstag warten die Alpen
Am Donnerstag steht mit dem 18. Teilstück die spektakuläre Königsetappe der Tour auf dem Programm. Die Strecke in den Alpen führt von Vif über 171,5 Kilometer und 5.450 Höhenmetern hinauf zur zum Dach der Tour, dem 2.304 Meter hohen Col de la Loze. (dpa/tf)

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