[Media and Me] „Skinny Tok“: gefährlicher Abnehmtrend auf Social Media

<p>Das Logo von TikTok</p>
Das Logo von TikTok | Illustration: Photo News

Mit dem Comeback der 2000er-Jahre sind nicht nur Leoparden-Print und Low-Rise-Hosen wieder auf dem Vormarsch, auch das äußerst bedenkliche Körperideal der sogenannten „Size Zero“ ist wieder zurückgekehrt. Die Entwicklung der letzten Jahre, in denen vielfältige Körperformen gezeigt wurden, ist rückläufig – und unter dem Hashtag #SkinnyTok sieht man sehr dünne, meist weibliche Personen, die einem zeigen, was sie innerhalb eines Tages essen oder den Betrachter darauf hinweisen, was dünne Personen niemals machen würden. Auch das berühmte Zitat von Kate Moss, dass sich nichts so gut anfühlt, wie dünn zu sein, wird häufig benutzt und verbreitet. Die Kernaussage des Trends: Dünn sein oder dünn werden – dafür braucht es bloß mentale Disziplin. Das Hashtag ist zwar mittlerweile gesperrt, jedoch kursieren unter anderen Stichworten weiterhin die gleichen Inhalte.

Die Menge der geposteten Videos und die hohe Anzahl von Klicks belegen: Der Trend extrem dünner Frauenkörper ist endgültig zurück. Solche Onlinephänomene können jedoch schwerwiegende Folgen, gerade für jüngere Personen, haben. Denn vor allem in der sensiblen Phase der Pubertät sind Menschen besonders anfällig für Trends, die bewusst den Selbstwert mit dem Aussehen gleichsetzen. Seit der Corona-Pandemie haben die Fälle von Essstörungen stark zugenommen. Laut Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit ist einer der Gründe auch ein vermehrter Social-Media-Konsum. Die Besonderheit der sozialen Medien liegt hauptsächlich in der veränderten Art des Konsumverhaltens.

Durch Algorithmen gerät man schnell in eine Spirale aus ähnlichen Inhalten, die immer und immer wieder die gleiche Aussage haben: „Dünn sein ist das Ideal. Wenn du dünn bist, bist du gut.“ Wenn man also ein paar dieser Videos und Inhalte gesehen oder sogar gelikt hat, bekommt man immer mehr solcher Inhalte zu sehen. Durch diese ständige Präsenz von idealisierten und vielleicht sogar bearbeiteten Körperbildern kann es schnell zu einer negativen Bewertung des eigenen Aussehens kommen. Dies zieht häufig auch ein geringes Selbstwertgefühl nach sich, was auch zu psychischen Problemen führen kann. Auch die Besonderheit der parasozialen Beziehungen trägt zum Erfolg von Social Media bei. Sieht man zum Beispiel einen Influencer, zu dem man eine angebliche Nähe hat, steigt die Bereitschaft, das Gesagte oder Getane eher zu glauben oder nachzuahmen. Gerade bei Jugendlichen und Heranwachsenden kann dies schnell gefährlich werden.

Doch was kann man nun tun, um sich oder seine Angehörigen vor solchen Trends zu schützen? Experten empfehlen zunächst einmal, im privaten wie im institutionellen Bereich Medienkompetenz zu fördern. Jugendliche und Erwachsene sollten lernen, solche Inhalte kritisch zu hinterfragen und Bildbearbeitung oder unrealistische Bilder und Videos zu erkennen. Auch im privaten Umfeld sollte man offene Gespräche über Körperbilder und Mediennutzungen fördern. Wenn Eltern oder Lehrpersonen ein bereits verändertes (Ess-)Verhalten bemerken, sollte man das Gespräch mit den Betroffenen suchen. Hierbei ist es jedoch wichtig, sehr behutsam und feinfühlig mit dem Thema umzugehen. Der Sender WDR und das Gesundheitsportal „Apotheken Gesundheit“ empfehlen, mit Ich-Botschaften zu arbeiten und die Situation aus der eigenen Perspektive zu beschreiben. Hierbei können Formulierungen wie „Ich habe das Gefühl, dass etwas anders ist – gibt es etwas, was dich belastet?“ hilfreich sein. Wichtig ist zudem, keine Vorwürfe oder Schuldzuweisungen zu machen. Abschließend lässt sich feststellen, dass man zwar Trends wie „Skinny Tok“ nicht verhindern kann, man jedoch – im Gegensatz zu den 2000er-Jahren – reflektierter und kritischer im Umgang mit Körperidealen umgehen kann.


Dieser Beitrag erscheint im Rahmen des Projektes „Media and Me“. Während drei Tagen erhalten Teilnehmer ab 16 Jahren unter anderem Einblicke in die Abläufe der GrenzEcho-Redaktion und erstellen journalistische Texte zu aktuellen gesellschaftlichen Themen.

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