Thomas Bach lächelte selig mit dem Olympischen Orden in Gold um den Hals, Kirsty Coventry erhielt neben einem goldenen Schlüssel für die IOC-Zentrale auch die Verantwortung für die olympische Bewegung. Gold war die Farbe der Feierstunde, als am Montag in Lausanne der Machtwechsel beim Internationalen Olympischen Komitee vollzogen wurde. Doch Coventry, 41 Jahre alt und die erste Frau an der Spitze der Organisation, machte schnell deutlich, dass sich das IOC unter ihr kaum verändern dürfte.
Die von Bach protegierte Simbabwerin dankte ihrem Vorgänger für „Leidenschaft und Hingabe über zwölf Jahre“, der 71-Jährige habe „uns“ durch „äußerst turbulente Zeiten navigiert“. Und sie machte deutlich, dass sie den Kurs des Würzburgers für den richtigen hält: Die olympische Bewegung sei „eine Plattform, die es den Menschen erlaubt, ihre Träume zu erreichen“. Als IOC-Präsidentin wolle sie „weiterhin inspirieren und Leben verändern“. Coventry rief, so wie es auch Bach stets getan hat, die IOC-Mitglieder zum Zusammenhalt auf: „Unsere Bewegung ist wie ein Spinnennetz. Es ist komplex, wunderschön und stark. Aber es funktioniert nur, wenn wir zusammenarbeiten.“
Bach, der den im Auftrag seines Vorvorgängers Juan Antonio Samaranch (1980 bis 2001) angefertigten Schlüssel um 11.30 Uhr an Coventry übergab, erntete noch einmal Standing Ovations. Der IOC-Ehrenpräsident griff sich gerührt ans Herz und dankte den Mitgliedern, die ihm seit 2013 unbeirrt gefolgt waren und erklärte pathetisch: „Ich habe der olympischen Bewegung alles gegeben, was ich hatte.“
Bei seiner Wunsch-Nachfolgerin Coventry werde diese „in besten Händen sein, deswegen bin ich heute zufrieden, dankbar und voller Freude“, sagte er. Coventry werde „immer unsere Werte an die erste Stelle setzen“.
Bach hinterlässt das IOC auf den ersten Blick in gutem Zustand: Die Spiele sind bis einschließlich 2034 vergeben, große TV-Verträge unterzeichnet. Auf Coventry warten dennoch heikle Aufgaben, etwa: Wie geht siemit dem kaum berechenbaren US-Präsidenten Donald Trump um, der mit Los Angeles Gastgeber der Sommerspiele 2028 ist? Wann und unter welchen Umständen kann Russland nach dem Staatsdopingskandal und angesichts des Angriffskriegs gegen die Ukraine in den Weltsport zurückkehren? Wie ist Coventrys Zugang zu den drängenden Themen Transgender und Klimawandel? Wie kann die Finanzierung der olympischen Bewegung sichergestellt werden, nachdem sich zuletzt mehr IOC-Großsponsoren zurückzogen als hinzukamen?
Immerhin: Die Rede der ersten Präsidentin enthielt auch einen betont weiblichen Zungenschlag. Coventry, die am 20. März gewählt worden war und symbolträchtig am 131. Jahrestag der IOC-Gründung an die Spitze rückte, dankte den Frauen, die sie auf ihrem Weg begleitet hatten, angefangen bei ihrer Mutter. Ihr Ehemann Tyrone und die Töchter Ella und Lily seien für sie „Fels und Inspiration“ – derart persönliche Töne sind neu in diesem Amt. Doch vieles war eben altbekannt: In einem vierminütigen Video wurden „Highlights“ der zwölfjährigen Bach-Präsidentschaft zusammengeschnitten, untermalt von Musik und mit Lobeshymnen von Olympiasiegern wie Katarina Witt, Eileen Gu oder Tony Estanguet. Den Schlusspunkt der Zeremonie bildete die Friedenshymne „Imagine“ von John Lennon – eines von Bachs Lieblingsliedern. (sid/kupo)

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