Pro & Contra: Ausstieg aus dem Atomausstieg: Der richtige Weg?
Meinung
Von Nico Conrath und Christian Schmitz
Lesedauer: 3 min
An dieser Stelle beleuchtet die GrenzEcho-Redaktion das aktuelle Zeitgeschehen aus zwei gegensätzlichen Blickwinkeln. Diesmal geht es um den in der vergangenen Woche beschlossenen Ausstieg aus dem Atomausstieg, der einen radikalen Richtungswechsel in der belgischen Energiepolitik bedeutet. Eine gute Sache? GrenzEcho-Redakteur Nico Conrath (Pro) begrüßt diesen Schritt, GrenzEcho-Chefredakteur Christian Schmitz (Contra) hält dagegen.
Luftaufnahme des Atomkraftwerks Tihange bei Huy entlang der Maas
| Archivfoto: belga
Pro – Nico Conrath:
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Von Dieter Leonard - Donnerstag 22 Mai 2025, 09:27
Teile den Standpunkt des GE-Chefredakteurs.
Weder meine noch die folgende Generation wird erleben, dass ein Land, das weder in der Lage ist… ein nationales Fußballstadion zu bauen noch imstande ist, in einem überschaubaren zeitlichen Rahmen Gaskraftwerke zu errichten, neue Atomkraftwerke in welche Landschaft auch immer stellt.
Es sei denn „Ostbelgien“ nimmt sich der Sache nach dem bekannten Motto an, „Wenn wir das nicht machen, macht es kein anderer“. (Ironie aus)
Zu glauben, dass Belgien „Vorreiter“ bei der Entwicklung, beim Bau oder der Nutzung von „technisch fortschrittlichen“ SMR-Reaktoren sein kann, ist hingegen Realsatire, nachdem entsprechende Vorhaben in den USA u.a. wegen der Baukosten und der fehlenden Wirtschaftlichkeit gescheitert sind.
Innovativ ist an dieser Technologie übrigens gar nichts, da sie aus den 50ger Jahren des vergangenen Jahrhunderts stammt.
Innovativ wäre es, in die Forschung und Entwicklung von Speichertechnologie zu investieren, die im Verbund mit regenerativer und günstiger (!) Energieerzeugung für strahlenfreie Zukunft Zukunft stünde.
Die Entscheidung der Regierung vom Ausstieg aus dem Ausstieg ist nicht nur Augenwischerei und rückwärtsgewandte Symbolpolitik, sie wird verhindern, dass die wenigen vorhandenen Mittel in unwirtschaftliche und nicht finanzierbare Projekte mit unabsehbaren Folgekosten fließen, die für die weitere Entwicklung einer nachhaltigen Energieerzeugung fehlen.
Dies ist allerdings keine Echternacher Springprozession, bei der es immerhin - wenn auch nur langsam - vorwärts geht, sondern mit „Blick in den Rückspiegel“ das beherzte Einlegen des Rückwärtsgangs. Darin Vorreiter zu sein sollte unser Land wahrlich nicht anstreben.
Von Gerhard Schmitz - Donnerstag 22 Mai 2025, 17:41
Um fortschrittliche Technologien, wie Kerfusion, Stromspeicher, usw. zu entwickeln, braucht es Wohlstand. Ohne bezahlbare Energie, keine florierende Wirtschaft, ...also kein Wohlstand. Und ohne Wohlstand befassen sich die Menschen eher mit der Gegenwart, als mit der Zukunft. Das sollte nicht vergessen werden.
Von Norbert Schleck - Freitag 23 Mai 2025, 11:36
"Zudem würden Investitionen in technisch fortschrittliche Atomkraftwerke – Stichwort Small Modular Reactors – Belgien zu einem europäischen Vorreiter machen und darüber hinaus viele neue Arbeitsplätze schaffen."
Wo gibt es denn in Belgien ein Unternehmen, dass solche SMR entwickeln, bauen, installieren und betreiben könnte? Und sie darüber hinaus zu einem Exportschlager machen könnte?
Wo gibt es überhaupt weltweit unter den zahlreichen Konzepten und Studien ein Projekt, das bis zur Serienreife entwickelt worden wäre, die Testphase im Dauerbetrieb erfolgreich absolviert hätte und reif für die viel beschworenen Serienproduktion wäre?
Wo gibt es Finanzinstitute, die mit Krediten in Vorleistung gehen könnten, um das ja dann doch wohl hochprofitable Projekt vorzufinanzieren?
Soll da etwa der klamme belgische Staat einspringen, der sich gerade erst von der EU die Erlaubnis erbettelt hat, die Laufzeit von zwei seiner Reaktoren für weitere zehn Jahre subventionieren zu dürfen?
Was die Technik dieser so harmlos klingenden “Kleinen Modularreaktoren“ betrifft, so ist das doch etwas anderes, als mal eben in Küchelscheid ein Transformatorenhäuschen vom Tieflader zu heben und ein paar Kabel anzuschließen.
Interessierte und kompetente Leute könnten das hier mal durcharbeiten: „Analyse von Konzepten von SMR“ von 2022 (108 Seiten, erstellt von ENCO für das Österreichische „Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie“ (sic).
Wir Laien könnten uns mit einem Beitrag von Christian Stöcker auf SPON vom 19.01.2025 begnügen: „Energiepolitik - Die ‚Renaissance der Atomkraft‘ bleibt ein Wunschtraum“
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Teile den Standpunkt des GE-Chefredakteurs.
Weder meine noch die folgende Generation wird erleben, dass ein Land, das weder in der Lage ist… ein nationales Fußballstadion zu bauen noch imstande ist, in einem überschaubaren zeitlichen Rahmen Gaskraftwerke zu errichten, neue Atomkraftwerke in welche Landschaft auch immer stellt.
Es sei denn „Ostbelgien“ nimmt sich der Sache nach dem bekannten Motto an, „Wenn wir das nicht machen, macht es kein anderer“. (Ironie aus)
Zu glauben, dass Belgien „Vorreiter“ bei der Entwicklung, beim Bau oder der Nutzung von „technisch fortschrittlichen“ SMR-Reaktoren sein kann, ist hingegen Realsatire, nachdem entsprechende Vorhaben in den USA u.a. wegen der Baukosten und der fehlenden Wirtschaftlichkeit gescheitert sind.
Innovativ ist an dieser Technologie übrigens gar nichts, da sie aus den 50ger Jahren des vergangenen Jahrhunderts stammt.
Innovativ wäre es, in die Forschung und Entwicklung von Speichertechnologie zu investieren, die im Verbund mit regenerativer und günstiger (!) Energieerzeugung für strahlenfreie Zukunft Zukunft stünde.
Die Entscheidung der Regierung vom Ausstieg aus dem Ausstieg ist nicht nur Augenwischerei und rückwärtsgewandte Symbolpolitik, sie wird verhindern, dass die wenigen vorhandenen Mittel in unwirtschaftliche und nicht finanzierbare Projekte mit unabsehbaren Folgekosten fließen, die für die weitere Entwicklung einer nachhaltigen Energieerzeugung fehlen.
Dies ist allerdings keine Echternacher Springprozession, bei der es immerhin - wenn auch nur langsam - vorwärts geht, sondern mit „Blick in den Rückspiegel“ das beherzte Einlegen des Rückwärtsgangs. Darin Vorreiter zu sein sollte unser Land wahrlich nicht anstreben.
Um fortschrittliche Technologien, wie Kerfusion, Stromspeicher, usw. zu entwickeln, braucht es Wohlstand. Ohne bezahlbare Energie, keine florierende Wirtschaft, ...also kein Wohlstand. Und ohne Wohlstand befassen sich die Menschen eher mit der Gegenwart, als mit der Zukunft. Das sollte nicht vergessen werden.
"Zudem würden Investitionen in technisch fortschrittliche Atomkraftwerke – Stichwort Small Modular Reactors – Belgien zu einem europäischen Vorreiter machen und darüber hinaus viele neue Arbeitsplätze schaffen."
Wo gibt es denn in Belgien ein Unternehmen, dass solche SMR entwickeln, bauen, installieren und betreiben könnte? Und sie darüber hinaus zu einem Exportschlager machen könnte?
Wo gibt es überhaupt weltweit unter den zahlreichen Konzepten und Studien ein Projekt, das bis zur Serienreife entwickelt worden wäre, die Testphase im Dauerbetrieb erfolgreich absolviert hätte und reif für die viel beschworenen Serienproduktion wäre?
Wo gibt es Finanzinstitute, die mit Krediten in Vorleistung gehen könnten, um das ja dann doch wohl hochprofitable Projekt vorzufinanzieren?
Soll da etwa der klamme belgische Staat einspringen, der sich gerade erst von der EU die Erlaubnis erbettelt hat, die Laufzeit von zwei seiner Reaktoren für weitere zehn Jahre subventionieren zu dürfen?
Was die Technik dieser so harmlos klingenden “Kleinen Modularreaktoren“ betrifft, so ist das doch etwas anderes, als mal eben in Küchelscheid ein Transformatorenhäuschen vom Tieflader zu heben und ein paar Kabel anzuschließen.
Interessierte und kompetente Leute könnten das hier mal durcharbeiten: „Analyse von Konzepten von SMR“ von 2022 (108 Seiten, erstellt von ENCO für das Österreichische „Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie“ (sic).
Wir Laien könnten uns mit einem Beitrag von Christian Stöcker auf SPON vom 19.01.2025 begnügen: „Energiepolitik - Die ‚Renaissance der Atomkraft‘ bleibt ein Wunschtraum“
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