Heute, zwölf Jahre später, ist von dieser Hoffnung wenig geblieben. Es gab starke Gesten: Franziskus wusch Geflüchteten die Füße, reiste an die Ränder der Welt, prangerte Klimawandel und Kapitalismus an. Aber im Innersten ist die katholische Kirche fast dieselbe geblieben – patriarchal, hierarchisch, auf Machterhalt bedacht.
Franziskus war nicht der moderne Papst, den sich viele erhofft hatten. Er war lediglich weniger konservativ als sein Vorgänger Benedikt XVI. Die großen Reformen – Gleichstellung von Frauen, wirkliche Aufarbeitung sexualisierter Gewalt, echte Beteiligung der Gläubigen – sind ausgeblieben oder stecken im Sand vatikanischer Trägheit. Der Papst hat Türen geöffnet, aber kaum eine durchschritten.
Dabei ist die Geschichte des Papsttums nicht nur eine spirituelle Chronik – sie ist immer auch die Geschichte des Umgangs mit Krisen. Seit fast 2.000 Jahren prägen die Päpste den Lauf der Welt, rangen mit Königen, stemmten sich gegen Revolutionen, formulierten soziale Antworten auf den Kapitalismus. Wer das Papstamt unterschätzt, verkennt seine historische Wirkkraft – zum Guten wie zum Schlechten. Die Kirche steht vor einer Zeitenwende. In Europa ist sie in rasantem Bedeutungsverlust begriffen. Missbrauchsskandale, leere Kirchen, ein dramatischer Verlust an Vertrauen. Die nächste Papstwahl wird daher zur Weichenstellung – doch es darf stark bezweifelt werden, ob die Kirche überhaupt fähig ist, sich aus sich selbst heraus zu erneuern. Zu verkrustet sind die Strukturen, zu groß der Widerstand der alten Männer in Purpur.
Franziskus wollte ein Konzil vermeiden – wohl in der Hoffnung, schrittweise zu modernisieren. Doch das hat nicht funktioniert. Was es bräuchte, ist ein Aufbruch wie 1959, als Johannes XXIII. das Zweite Vatikanische Konzil einberief. „Ich will die Fenster der Kirche öffnen, damit frischer Wind hineinkommt“, sagte er. Johannes war beliebt, weil er den Menschen zuhörte – und nicht nur sprach. Weil er Mut hatte, wo andere zauderten.
Franziskus war ein Papst der Symbolik. Der nächste Papst muss mehr sein. Er muss sich entscheiden: Kirche als Mahnerin in einer zerrissenen Welt – oder als Relikt einer untergehenden Ordnung. Dazwischen gibt es kaum noch Platz.

Kommentare
Sehr geehrter Herr Schmitz,
Franziskus war das Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken, Tendenz steigend, kann man da von einem "Relikt einer untergehenden Ordnung" schreiben.
Ein treffender Kommentar, Christian Schmitz!
Zu den fragwürdigen „Worten“ des verstorbenen Papstes gehören auch seine peinlichen, beim Belgienbesuch letztes Jahr gemachten Ausführungen zur Rolle der Frau generell und zum Thema Abtreibung.
Die Frau sei „fruchtbare Aufnahme, Fürsorge, lebendige Hingabe“. Es sei hässlich, wenn die Frau sich zum Mann machen wolle. „Die Frau ist Frau, und das ist wichtig.“
Ärzte, die Abtreibungen durchführten seien Auftragskiller meinte Franziskus und die belgische Abtreibungsgesetzgebung sei „mörderisch“.
Zum Thema Ukraine-Krieg hat der Papst versagt, da er trotz zahlreicher anderer Reisen in den letzten 3 Jahren, den Weg nach Kiev oder Butcha nicht gefunden hat.
Noch verwerflicher ist, dass er es nicht geschafft hat, zwischen Täter und Opfer zu unterscheiden und den Aggressor Putin zur Verantwortung zu ziehen. Stattdessen Antiamerikanismus und Schulterschluss mit dem Putin-Stiefellecker und orthodoxen Patriarch Kirill I., den er als „Bündnispartner in der Verteidigung der Werte des Abendlandes“ bezeichnete.
Ziemlich erbärmlich, das Ganze.
Hallo,
wo bleiben die Kommentare ?
Danke!
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