Gleich mal zum Start unseres Gesprächs die Hand aufs Herz. Wie steht es aktuell um den Immobilienmarkt in Ostbelgien?
Bruno Creutz: Der Immobilienmarkt in unserer Region ist weiterhin ein guter und stabiler Markt, der auch nicht nachlässt. Wenn ich auf unsere Statistiken schaue, dann kann ich erkennen, dass es im Verlauf eines Jahres starke und schwache Monate gibt, aber der Jahresdurchschnitt doch immer gut ausfällt.
Kaufen die Ostbelgier tatsächlich ihre Immobilien „saisonal“? Oder anders ausgedrückt: Gibt es Jahreszeiten, in denen sich der Hauskauf eher lohnt als in anderen?
Bruno Creutz: Ganz so eindeutig ist es dann doch nicht, aber es gibt Jahre, da ist es im Sommer recht ruhig, in anderen fällt der Winter eher bescheiden aus. 2025 ist es bislang so gewesen, dass wir einen überschaubaren Januar erlebt haben und der Februar war dann ein Knaller. Die jeweilige Entwicklung ist da nicht immer so klar abzusehen. Aber klar, auch Kunden stellen uns häufig die Frage, wann denn der beste Augenblick ist, um eine Immobilie zu verkaufen.
Und was antworten Sie ihnen?
Bruno Creutz: Der beste Moment ist natürlich dann, wenn die Sonne scheint und das Wetter stimmt. Aber Spaß beiseite, da gibt es keine allgemeingültige Regel.
Wer nicht selber bauen kann oder möchte, muss kaufen. Wie präsentiert sich da die Marktlage?
Bruno Creutz: Der Gebrauchtimmobilienmarkt ist in Ostbelgien weiterhin sehr stabil. Das liegt zum einen an der neuen Gesetzgebung, die „nur noch“ Einregistrierungsgebühren in Höhe von drei Prozent beim Erstkauf vorsieht. Zum anderen spielt eine wesentliche Rolle, dass der Neubau schlichtweg so teuer geworden ist, dass viele Leute da nicht mehr mithalten können und sich dementsprechend eine Gebrauchtimmobilie suchen.
Sie sprachen es gerade an: Wer heutzutage neu bauen will, braucht schon ein dickes finanzielles Polster. Ist ein Neubau damit überhaupt noch etwas für Normalverdiener?
Es gibt in der Region definitiv noch Leute, die sich einen Neubau leisten können. Aber ja, Sie haben recht: Insbesondere für jüngere Familien, die gerne ein Eigenheim haben möchten, wird es schon schwieriger. Wenn man da nicht gerade eine kräftige Finanzspritze von den Eltern bekommt, dann wird es natürlich ungemein schwierig, einige Hunderttausend Euro zu überbrücken. Nichtsdestotrotz steht der Neubau bei uns weiterhin hoch im Kurs.
Merlin Creutz: Die Ansprüche der Kunden sind vielfältig, ihr Bedarf steht immer auch in Relation zu ihrer aktuellen Lebenssituation. Und man darf auch nicht vergessen, dass für viele ein Immobilienkauf eine Wertanlage ist.
Nehmen wir das Beispiel der Neubau-Appartements: Im Eupener Stadtzentrum sprießen sie buchstäblich wie Pilze aus dem Boden. Als Renditeobjekt können Sie bei den veranschlagten Kaufpreisen aber kaum dienen, oder?
Bruno Creutz: Der Erwerb eines Neubaus eignet sich nicht wirklich, um sein Geld zu vermehren. Aber es gibt nach wie vor Leute, die kaufen diese Appartements und vermieten sie mit einer kleinen Rendite, weil sie es als sichere Geldanlage betrachten und sich sagen „Bei der Bank kriege ich auch nicht mehr“. Wie mein Sohn schon richtig sagte: Alles hängt von den Ansprüchen und der jeweiligen Lebenssituation ab. Nicht selten wird ein Neubau gekauft, weil man eine zentrumsnahe Lage für das Alter interessant findet, die Immobilie aber zunächst dann noch vermietet. Oder es gibt diejenigen, die ihr bisheriges Haus verkaufen und etwas Neues, aber Kleineres haben möchten. Kurzum: Der Bedarf im Neubausektor ist aus unterschiedlichen Gründen nach wie vor da, wenn auch vielleicht etwas weniger als noch vor einigen Jahren, weil in der Zwischenzeit viele Großprojekte in Eupen und Umgebung realisiert worden sind.
Die Ansprüche der Kunden sind vielfältig. Gibt es dennoch Punkte, über die man sich grundsätzlich im Klaren sein sollte, bevor man mit einem Immobilienmakler Kontakt aufnimmt?
Bruno Creutz: Wenn die Leute uns kontaktieren, dann schlagen wir ihnen zuerst einmal vor, sich auf unserer Webseite umzuschauen. So wird ihnen im besten Fall klar, wo die Reise hingehen soll. Suche ich eine Wohnung, suche ich ein Haus? Altbau oder Neubau? In welcher Lage? Solche Fragen sollte man schon vorab für sich beantwortet haben. Anders ist es natürlich, wenn es um einen Verkauf geht und wir den Wert einer Immobilie einschätzen sollen.
Merlin Creutz: Wir können jedem Immobiliensuchenden nur ans Herz legen, im Vorfeld schon das Gespräch mit Banken zu suchen, um die möglichen Konditionen abzuklären und den eigenen finanziellen Rahmen abzustecken. Oft werden interessante Immobilien wirklich schnell verkauft, da kann man dann häufig nicht allzu lange warten, wenn man den Zuschlag erhalten möchte.
Was heißt in diesem Fall „schnell“? Morgens wird ein Haus angeboten und abends ist es schon verkauft?
Bruno Creutz: Nein, so schnell geht es dann auch wieder nicht. Schnell heißt, dass innerhalb von zwei Wochen nach der Publikmachung die erste Besichtigung stattfindet. Und wenn bei Preis und Qualität alles passt, dann kann der Verkauf – insbesondere, wenn es mehrere Interessenten gibt – auch mitunter schon nach diesem ersten Termin besiegelt werden.
Zum Verkauf stehende Immobilien werden mittlerweile über alle möglichen Kanäle angeboten, sie fallen somit unzähligen Leuten zeitgleich ins Auge. Ist es unter diesen Voraussetzungen überhaupt noch möglich, ein „Schnäppchen“ zu machen?
Bruno Creutz: Nein, Schnäppchen gibt es heute eigentlich nicht mehr. Als erfahrener Makler werde ich einem Kunden auch nicht einfach irgendeinen Preis nennen, sondern genau den Preis, den ich für absolut realistisch auf dem Markt halte. Es kommt hin und wieder vor, dass Privatleute den Preis für ihre Immobilie zu hoch ansetzen und sie in der Folge auch auf ihr sitzenbleiben – dann landen sie früher oder später aber auch bei mir oder einem Kollegen. Auf der anderen Seite: Ein Haus, das zu niedrig angeboten wird – und damit ein Schnäppchen ist –, findet man nur sehr selten.
Apropos Preise: Die gingen auf dem Immobilienmarkt in den vergangenen Jahren eigentlich nur nach oben. Bleibt es dabei?
Bruno Creutz: Die Preise im Gebrauchtimmobiliensektor präsentieren sich eigentlich stabil. Das liegt vor allem daran, dass häufig im Zuge eines Besitzerwechsels Nachbesserungen nötig sind bzw. Umbaumaßnahmen anfallen, die nochmal zu Buche schlagen. Viele Banken verlangen mittlerweile auch Energiemaßnahmen bei der Kreditvergabe. Die Preise sind also stabil. Sie sind nicht nach unten gegangen, aber eben auch nicht so extrem gestiegen, wie das im Neubausektor der Fall ist. Dort gab es in den letzten Jahren eine Steigerung von rund 30 Prozent.
Das korrekte Einschätzen einer Immobilie ist ein wichtiger Punkt, der für das Heranziehen eines Maklers bei einem Immobiliengeschäft spricht. Welche Gründe gibt es noch?
Merlin Creutz: Ein guter Makler kann einem Kunden ein Gesamtpaket bei seinem Immobiliengeschäft liefern, er kümmert sich um alles von A bis Z. Er übernimmt auch die Dinge, mit der sich eine Privatperson vielleicht nicht so gerne beschäftigt: die Bewerbung des Angebots, die gesetzlichen Auflagen, administrative Hürden, den Kontakt mit den Interessenten und natürlich am Schluss auch die Verhandlungen.
Bruno Creutz: Wir haben die nötige Distanz zu einem Objekt, kennen aber die Vor- und Nachteile einer Immobilie. Wir lassen uns ein Haus nicht schlechtreden, können aber stattdessen die Maßnahmen aufzeigen, die beispielsweise bei einer Sanierung nötig wären. Wir können also für eine Betreuung sorgen, wie sie ein Privatmann eigentlich nicht gewährleisten kann.

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