Der große FC Bayern gegen einen deutschen Konkurrenten nur Außenseiter? Karl-Heinz Rummenigge nervt das Gerede vor dem Showdown in der Königsklasse gegen Bayer Leverkusen gewaltig. „Wissen Sie, was mich optimistisch macht?“, fragte der ehemalige Münchner Vorstandschef zuletzt bei einer Medienrunde: „Dass alle Bayer Leverkusen zum Favoriten erklärt haben. Ich kenne unsere Mannschaft. Das stinkt unserer Mannschaft bis zum Gehtnichtmehr.“
Wenn der erfolgsverwöhnte Rekordmeister am Mittwoch (21 Uhr) zum mit Spannung erwarteten Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League den aufmüpfigen Konkurrenten empfängt, geht es für die Bayern nicht nur um den Traum vom begehrten „Titel dahoam“ – es geht auch um die Vormachtstellung im deutschen Fußball, nachdem die Werkself unter Xabi Alonso den jahrelang übermächtigen FC Bayern zuletzt mächtig geärgert und sogar das Double geholt hatte.
In sechs Spielen unter Meistermacher Alonso entwickelte sich das einstige „Vizekusen“ für die Bayern zum Angstgegner. Der letzte Münchner Erfolg liegt schon zweieinhalb Jahre zurück. In dieser Saison beendete Bayer bereits die Reise der Bayern im DFB-Pokal.
Dennoch hält sich Alonso vor dem brisanten Duell, in dem auch die beiden „Zauberfüße“ Florian Wirtz und Jamal Musiala im Mittelpunkt stehen, gewohnt zurück. „Die letzten sechs Spiele sind egal. Wir wissen: Sie sind in der Tabelle Erster, das Finale ist in München“, sagte Alonso. Man sei zwar „in einem guten Moment“, fügte der Spanier an: Aber man sei „nicht dumm zu denken, dass wir der Favorit sind. Wir wissen, dass wir gegen den FC Bayern spielen, sie haben die Champions League fünfmal gewonnen. Wir müssen großen Respekt haben, es sind zwei Spiele, aber wir bleiben cool.“
Bei den Bayern dagegen ist die Anspannung deutlich spürbar. Zwar stellte der mächtige Aufsichtsrat um Rummenigge und Uli Hoeneß dem jungen Trainer Vincent Kompany angeblich bei einem frühzeitigen K.o. in der Königsklasse eine Jobgarantie aus. Doch ein Scheitern im Achtelfinale, gerade gegen Leverkusen, würde den Klub erschüttern. Zumal das Finale am 31. Mai in der heimischen Allianz Arena stattfindet.
Doch so weit wollen es die Münchner, die wohl wieder auf den zuletzt angeschlagenen Mittelfeldstrategen Joshua Kimmich bauen können, nicht kommen lassen. Der FC Bayern, betonte Kapitän Manuel Neuer, habe in der Liga die Topspiele gegen Frankfurt (4:0) und in Stuttgart (3:1) souverän gemeistert. Und das bedeute: „Etwas Besseres kann uns nicht passieren. Wir gehen gut vorbereitet ins Spiel gegen Leverkusen.“
Auch Ehrenpräsident Hoeneß hatte jüngst einen Umschwung ausgemacht. Beim Sieg gegen die Eintracht sei dies wieder der FC Bayern gewesen, „den ich mir vorstelle und der auch in der Lage ist, jede Mannschaft der Welt zu schlagen“. Da sei bei ihm auch wieder „die Hoffnung auf das Champions-League-Finale größer geworden“.
Gerüchte um Wirtz-Wechsel nach München? „Nichts, was mich tangiert“
Um die Chance gegen Leverkusen zu vergrößern, bemühten sich Hoeneß und Rummenigge nach Kräften, beim Gegner mit ihren öffentlichen Avancen für den Ausnahmekönner Wirtz für Unruhe zu sorgen. Schon vor dem jüngsten Ligagipfel (0:0) hatten sie das versucht, bei Bayer damit aber nichts ausgelöst. „Das interessiert mich überhaupt nicht. Das ist nichts, was uns tangiert“, so Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes gelassen. Als er mit zehn Jahren den kicker gelesen habe, „haben die Bayern das schon gemacht vor Spielen, von daher ist das vielleicht keine neue Taktik“.
Neu ist dagegen, dass Leverkusen auf Augenhöhe mit den Bayern agiert. Dies erkennt selbst Rummenigge an. Bayer habe Borussia Dortmund „inzwischen abgelöst, ganz klar. Das wird die Mannschaft sein, die uns wahrscheinlich auch in den nächsten Jahren am meisten fordert national“, sagte der 69-Jährige. Bei acht Punkten Vorsprung in der Liga sei er „optimistisch“, dass Bayern die Meisterschaft wieder nach München hole. Und in der Champions League „könnte uns ein Weiterkommen gegen Leverkusen den entscheidenden Schub Richtung Finale geben“. (sid/tf)

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