CSP will nach 20 Jahren Opposition zurück in die Mehrheit

<p>Die Kandidaten der CSP für die anstehenden Gemeinschaftswahlen beim Gruppenfoto am Donnerstagabend im Eupener Pavillon.</p>
Die Kandidaten der CSP für die anstehenden Gemeinschaftswahlen beim Gruppenfoto am Donnerstagabend im Eupener Pavillon. | Foto: David Hagemann

Am Donnerstagabend stellten die Christlich-Sozialen ihre komplette Liste für die PDG-Wahlen vor. Angeführt wird die Liste der 25 Kandidaten von dem 35-jährigen Eupener Colin Kraft, der bereits Ende Februar 2018 zum Spitzenkandidaten gekürt worden war. Unterstützt wird Kraft auf den Plätzen zwei und drei von Patricia Creutz-Vilvoye und Pascal Arimont. Auf den Plätzen fünf bis zehn kandidieren die aktuellen PDG-Abgeordneten Robert Nelles, Jérôme Franssen, Sandra Houben-Meessen, Patrick Knops, Steffi Pauels und Gerd Völl. Mit Etienne Simar auf Platz 11 – er ist Gemeinderatsmitglied in Lontzen und gebürtig französischsprachig – möchte die Partei ein Zeichen für Mehrsprachigkeit setzen.

Frédéric Marenne, Chefarzt des Eupener St.Nikolaus-Hospitals, möchte dabei helfen, eine Versorgung der Patienten in deutscher Sprache zu gewährleisten.

Bemerkenswert ist darüber hinaus die Kandidatur von Elena Theissen aus Manderfeld. Die 30-jährige ist Biolandwirtin und Präsidentin des „Grünen Kreises - Eifel“. Die ehemalige Leistungsturnerin Cindy Rauw (26) steht auf Platz 15. Ebenfalls Signalwirkung soll von der Kandidatur von Frédéric Marenne, Chefarzt des Eupener St.Nikolaus-Hospitals, auf Platz 22 ausgehen. Die CSP setzt sich bekanntlich für eine vernünftige Nachfolgeregelung des IZOM-Abkommens zur grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung ein und möchte die hiesigen Krankenhäuser dabei mit im Boot haben. Marenne will dabei helfen, eine Versorgung der Patienten in deutscher Sprache zu gewährleisten, versprach er. Als „Listendrücker“ auf Platz 25 fungiert der Kelmiser Schöffe Marcel Henn. Vorgestellt wurden alle Kandidaten in fünf Teams mit verschiedenen Prioritäten der Partei: Gesundheit und Pflege, Soziales, Sport und Vereine, Bildung sowie Nachhaltigkeit und Grenzen abbauen.

Colin Kraft ist als Spitzenkandidat nicht vom Himmel gefallen: Die Suche nach der geeigneten Person startete bereits vor knapp drei Jahren und sollte eigentlich mindestens drei Kandidaten nach vorne spülen, aus denen die Partei dann hätte auswählen können. „Auch ich hatte mich für die Kandidatur beworben und bin letztlich durch die Mitglieder der Partei zum Spitzenkandidaten bestimmt worden. Diese Verantwortung übernehme ich jetzt“, erläutert er dem GrenzEcho. Colin Kraft ist verheiratet, Familienvater und wohnt in Eupen. Beruflich ist der Sekundarschullehrer seit dem Jahr 2015 als Fraktionssekretär der CSP im Parlament tätig und in der Öffentlichkeit auch als Bierbrauer (“Damian Bier“) bekannt. „Ich kann es kaum erwarten, mit meiner Mannschaft in den Wahlkampf zu ziehen“, sagte Colin Kraft im Rahmen der Listenvorstellung im Pavillon, dem „Ideenhaus“ der CSP in der Eupener Innenstadt. In den vergangenen Wochen hatte die CSP gegen den „Regierungsblock“ aus ProDG, SP und PFF mobil gemacht, der unabhängig vom Wahlergebnis weitermachen wolle. Die CSP sei eine echte Alternative und stehe für neue Prioritäten, vor allem in der Familienpolitik, ist der Spitzenkandidat überzeugt. „Wir sprechen bei unserer Zuhör-Tour seit 14 Monaten mit den Menschen, Vereinen und Institutionen und haben festgestellt, dass in allen sozialen Bereichen der Druck in der DG enorm hoch ist.“ Pflegeheime, Krankenhäuser und Schulen brauchten mehr Personal, um allen Herausforderungen wirklich gerecht werden zu können. Auch Krippenplätze, Französisch, grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung und ein faires Kindergeld liegen Colin Kraft besonders am Herzen.

„Wichtig sind familienpolitische Veränderungen, die wir durchsetzen wollen. Wir haben ein klares Angebot.“

Die CSP sei immer schon Familienpartei gewesen und habe ihre Prioritäten in den letzten 20 Jahren nicht geändert, betont er und reagiert damit auch auf die Kritik von Sozialminister Antonios Antoniadis (SP), der erklärt hatte, die Christlich-Sozialen hätten die Sozialpolitik plötzlich als Schwerpunkt entdeckt. Über die politischen Gegner möchte Colin Kraft aber nur ungern sprechen. Auch was das Wahlziel angeht, hält er sich zurück: „Klar, wir wollen zulegen. Aber wir reden erst mal nicht über Sitze. Wichtig sind familienpolitische Veränderungen, die wir durchsetzen wollen. Wir haben ein klares Angebot.“ Er fordert auch eine andere politische Kultur im Parlament: „Wenn wir eine Alternative haben, sind wir eben anderer Meinung. Der politische Gegner sagt dann aber, dass unsere Meinung falsch ist. Davon müssen wir wegkommen.“ Colin Kraft hielt auch fest: „Wir sind nicht gegen, sondern für etwas.“

Bei den Gemeinschaftswahlen 2014 hatte die CSP den siebten Sitz ganz knapp halten können und war damit stärkste Fraktion im DG-Parlament geblieben. Kraft hatte schon lange vor seiner Kür einen innerparteilichen Reformprozess angestoßen, der eine neue Dynamik entfacht habe. Im Internet wird die Kandidatenliste der CSP unter dem Hashtag „Kraftclub“ geführt, doch Kraft stellt vor allem das Team in den Mittelpunkt. Nicht nur der Spitzenkandidat ist ein Quereinsteiger. Er hat zahlreiche Kandidaten um sich versammelt, die vorher noch nie auf einer Liste standen. „Jeder hat hier was zu sagen und etwas, wofür er sich einsetzt. Alle haben großes Potenzial“, erklärt Colin Kraft stolz. Dazu gehöre auch die Junge Mitte, die Jugendorganisation der CSP. Deutliches Zeichen dafür sei die Kandidatur von Jolyn Huppertz auf Platz vier. Die junge Kelmiserin ist seit 2015 Präsidentin der Jungen Mitte.

Dass Pascal Arimont auf Platz drei kandidiert, obschon dieser EU-Abgeordneter bleiben möchte und nur ein beratendes Mandat im DG-Parlament anvisiert, ist für Colin Kraft kein Problem. „Pascal ist Präsident, und ich habe mit ihm das gesamte Konzept gemeinsam gestaltet. Er ist ein enger Partner und steht für viel mehr als nur für die Europapolitik. Wir machen Politik aus einer Hand machen. Allein deshalb ist es wichtig, ein Zeichen zu setzen und ihn oben auf der Liste antreten zu lassen.“

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