Die Geschichte der heutigen KAS Eupen beginnt offiziell am 9. Juli 1945 mit der Gründung der „Alliance Sportive“. Doch schon zuvor wurde in Eupen organisiert Fußball gespielt: Bereits 1908 gründete sich der FC Fortuna auf dem Spitzberg in der Unterstadt. Seit 1928 ist der Kehrweg die Heimat der heutigen KAS. Diese Episoden werden im Jubiläumsbuch ebenso aufgegriffen wie die ersten 50 Jahre nach der Gründung – von 1945 bis 1995. Dazu gehören auch die glorreichen 1970er Jahre, als die Schwarz-Weißen erstmals vor dem Aufstieg in die 1. Division standen – ein Erfolg, der ihnen erst Jahrzehnte später gelingen sollte.
Im Mittelpunkt des Buches stehen vor allem die letzten 30 Jahre: „Man muss die Veröffentlichung im Kontext mit den bisherigen Büchern sehen, die sich mit dem Eupener Fußball und insbesondere der AS Eupen beschäftigen. Wir nehmen den Faden eigentlich dort auf, wo die letzte Publikation, die 1995 zum 50-jährigen Bestehen des Vereins erschien, endete. Redaktionsschluss war damals wenige Wochen vor der Rückkehr in die 3. Division, und genau dort steigen wir ausführlicher ein, ohne die Zeit davor zu vergessen“, erläutert Autor Heinz Gensterblum, der insgesamt 34 Jahre für das GrenzEcho arbeitete – davon sieben Jahre als freier Mitarbeiter und von 1996 bis 2023 als Redakteur in unterschiedlichen Funktionen. Vor einem guten Jahr suchte er eine neue berufliche Herausforderung und wechselte als Geschäftsführer zum Sozialbetrieb „Die Alternative“.
Wenn es um die AS Eupen geht, die 1995 zum 50-jährigen Bestehen den Titel „königlich“ (seitdem KAS Eupen) erhielt, weiß Heinz Gensterblum, wovon er spricht: Rund zwei Jahrzehnte hat er für das GrenzEcho die Spiele der „Pandas“ begleitet und sich danach noch mehrere Jahre um das AS-Journal gekümmert, das nach dem ersten Aufstieg in die 1. Division ab 2010 in Form eines Magazins als Beilage zum GrenzEcho erschien. „Mein erster AS-Artikel datiert aus dem August 1989. Es war ein Pokalspiel bei Turkania Faymonville, das die AS im Elfmeterschießen gewann“, schaut der 53-Jährige zurück. Von seinem Erfahrungsschatz profitierte Heinz Gensterblum natürlich auch beim Erstellen des aktuellen Buches. „Zudem habe ich viel gelesen und mit Zeitzeugen gesprochen. Stützen konnte ich mich auf mehrere Archive, so auf die Dokumentation, die Ingrid Heeren über Jahrzehnte zusammengetragen hat. Und natürlich ist das Archiv des GrenzEcho eine grandios Fundgrube, wenn man sich mit der Geschichte der Region auseinandersetzt.“
Positiv in der Zeit als AS-Berichterstatter ist ihm vor allem die erste Saison nach dem Wiederaufstieg in die 2. Division in Erinnerung geblieben, als die die Mannschaft als Neuling in der Saison 2002/2003 mit einem bescheidenen Budget sogar an die Tür zur 1. Division klopfte. „Zu diesem Zeitpunkt war Profitum noch ein Fremdwort am Kehrweg. Der Traum vom erstmaligen Aufstieg platzte erst in der letzten Sekunde.“ Für ihn unvergessen bleibt ebenfalls der 23. Mai 2010, als die Schwarz-Weißen mit einem 2:1-Sieg über Mons erstmals den Aufstieg ins Fußball-Oberhaus perfekt machten. „Negativ sind mir die Randale nach dem Spiel Ende April 2016 in Antwerpen in Erinnerung, als ich mich zusammen mit Fotograf David Hagemann in allerletzter Sekunde in den Kabinen in Sicherheit bringen konnte. Wir standen vor dem Eupener Block, als Antwerpener Fans auf die Eupener Anhänger losgingen. Wir mussten lange in den Katakomben warten, ehe sich die Situation beruhigt hatte und wir das Bosuil-Stadion verlassen konnten.“
Gerade in den letzten 30 Jahren hat sich viel getan in der Historie der AS Eupen: Diese Etappen zeichnet das Buch nach. Dem deutschen Text ist eine Übersetzung auf Französisch gegenübergestellt. Neben dem Blick auf das sportliche Abschneiden kommen ebenfalls zahlreiche Zeitzeugen zu Wort, die die Geschichte der AS mitbestimmt haben. „Wir hatten im Vorfeld mehrere Konzepte besprochen und uns schlussendlich für diesen Mix entschieden. Eine Idee war, nur mit Zeitzeugen zu sprechen und anhand von Porträts die Geschichte aufzuarbeiten. In diesem Fall wären aber sicherlich viele Informationen nicht festgehalten worden, was wir aber wollten. Es handelt sich um eine Vereinschronik, die nie vollständig sein kann, aber möglichst umfangreich sein sollte.“ Das Projekt sei ohnehin eine „Schwergeburt“, denn eigentlich sollte die Publikation bereits zum 75. Geburtstag des Vereins erscheinen, doch wurde dieses Vorhaben durch den Ausbruch der Corona-Pandemie ausgebremst.
Mit Blick auf die letzten 30 Jahre spricht der Autor von einem „Wechselbad der Gefühle“: „Ich habe die AS erlebt, als sie unmittelbar vor dem Abstieg in die 1. Provinzklasse stand und anschließend an der Spitze in der 1. Division, auch wenn dies nur eine ganz kurze Momentaufnahme war“, erklärt Heinz Gensterblum. Die 1990er Jahre bezeichnet er als eine „bewegte Zeit“, geprägt von wiederholten Herausforderungen rund um die finanzielle Situation des Vereins. „Dieter Steffens mit seinem unermüdlichen Einsatz und seiner Großzügigkeit, Ralph Lentz, Manfred Theissen und viele andere mehr haben es aber immer wieder geschafft, den Verein auf die Gleise zu setzen, wenn die AS drohte, diese zu verlassen.“
Der Einstieg von Sponsor Rolf Nütten habe im Jahr 2002 die Rückkehr in die 2. Division ermöglicht. Die Ära Imborgia brachte dann Ende 2008 den Profifußball nach Eupen, doch seien damit die finanziellen Sorgen noch immer nicht vorbei gewesen. „Dies passierte erst mit dem Einstieg der Aspire Foundation im Juni 2012. Diese neuen Möglichkeiten sorgten dafür, dauerhaft eine Struktur zu schaffen, die der 1. Division angemessen war“, so Heinz Gensterblum. Das Engagement der „Kataris“ vor zwölf Jahren hat tatsächlich für ganze neue Dimensionen am Kehrweg gesorgt, allerdings auch die Debatte um die Identität des Vereins befördert.
Wie steht Heinz Gensterblum zu dieser Diskussion? „Die Identität eines Vereins ist ein ständig veränderndes Konzept, das sich über die Jahre entwickelt und von vielen Faktoren beeinflusst wird – Geschichte, Fans, Erfolge und auch den Veränderungen im Umfeld. Die Zusammenarbeit mit der Aspire Foundation hat neue Möglichkeiten eröffnet, sportlich, strukturell und infrastrukturell zu wachsen. Das ist ein wichtiger Teil der aktuellen AS-Realität. Es ist natürlich richtig, dass es seit Jahren kaum noch ostbelgische Spieler gibt, aber Identität entsteht nicht nur durch Herkunft, sondern auch durch Werte wie Teamgeist, Leidenschaft und Loyalität“, antwortet er. Längst habe die AS Eupen die regionale Talentförderung stärker in den Fokus gerückt. „Die Balance zwischen Tradition und Innovation ist nicht immer einfach, aber ich habe den Eindruck, dass die AS kontinuierlich daran arbeitet, beide Aspekte miteinander zu verbinden.“
„Für mich war der eindrucksvollste Spieler zweifelsohne Luis Garcia.“
In einer so langen Zeit als Berichterstatter hat Heinz Gensterblum viele Menschen kennengelernt und Trainer sowie Spieler kommen und gehen sehen. Besonders gerne spricht er aber über die Kontakte zu Frank Neumann, der als Pressesprecher und auch als Trainer bei der AS fungierte, sowie zu den ehemaligen Übungsleitern Claudy Chauveheid und Danny Ost. Die Frage, wer denn der beste Spieler in der Geschichte der AS Eupen ist, wird in dem Jubiläumsbuch mehrfach thematisiert. Was denkt der Autor? „Meine persönliche Zeitrechnung beginnt ja eigentlich erst in den 1980er Jahren, da ich – Jahrgang 1971 – die Zeit von Brüll, Gebauer und Co. nur aus Medien und Erzählungen kenne“, erklärt Heinz Gensterblum. „Für mich war der eindrucksvollste Spieler zweifelsohne Luis Garcia, weil dessen Impakt auf die Mannschaft einzigartig war. Er erfüllte die erhoffte Führungsrolle, und trotz seiner Vergangenheit als ehemaliger spanischer Nationalspieler war er völlig geerdet. Seine spielerische Klasse war zudem über jeden Zweifel erhaben. Beeindruckt hat mich aber auch der spätere belgische Nationalspieler Guillaume Gillet, der nur eine Saison in Eupen verbracht hat, was aber von Anfang an so geplant war. Er hatte dank seines Beraters Yves Baré eine umsichtige Karriereplanung und schloss sich der AS nur für eine Spielzeit an, weil er sein Sportstudium zuerst beenden wollte, bevor er in den Profibereich wechselte.“
Heinz Gensterblum: 80 Jahre KAS Eupen 1945 - 2025, 152 Seiten, erschienen im Grenz-Echo Verlag (GEV); ISBN 978-3-86712-157-6; www.gev.be
HINTERGRUND
Vorstellung am Montag, 2. Dezember
Das neue GEV-Buch zum 80. Geburtstag der KAS Eupen von Heinz Gensterblum ist ab dem kommenden Montag, 2. Dezember, im Buchhandel, in den GE-Media-Geschäftsstellen sowie in der Geschäftsstelle der KAS Eupen erhältlich. Am gleichen Tag, um 20 Uhr, findet im Kulturzentrum Alter Schlachthof in Eupen die feierliche Buchvorstellung statt. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Geschichte populär“ laden das Zentrum für Ostbelgische Geschichte und das Stadtmuseum Eupen zu einer Podiumsdiskussion ein. Unter dem Thema „Wie Fußball prägt – die Bedeutung der KAS Eupen für Stadt und Region“ wird die Rolle des Vereins für das sportliche Image, die Entwicklung von Fankulturen und seine identitätsstiftende sowie wirtschaftliche Bedeutung beleuchtet. Einlass ist ab 19 Uhr - Eintritt 5 Euro (nur Abendkasse)

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