Handballer Youri Denert zu Gast bei „SportGEflüster: „Ich bin ein Lebemann“

<p>Am 14. September steht Youri Denert erstmals wieder bei einem Pflichtspiel in der Halle am Stockbergerweg – dann aber im Trikot der KTSV Eupen.</p>
Am 14. September steht Youri Denert erstmals wieder bei einem Pflichtspiel in der Halle am Stockbergerweg – dann aber im Trikot der KTSV Eupen. | Foto: Bernd Rosskamp

Am Sonntagnachmittag (16.15 Uhr) startet die KTSV Eupen auswärts in Hasselt in die neue Handballsaison, das erste Heimspiel steht am 14. September (20.15 Uhr) gegen den niederländischen Supercup-Gewinner Aalsmeer an. Es sind die ersten beiden Spiele für Youri Denert im Dress der KTSV Eupen, nachdem es ihn zu Beginn seiner Karriere im Seniorenbereich aus der Weserstadt raus und sogar bis nach Ostfriesland gezogen hatte.

In der „SportGEflüster“-Folge, die ab sofort bei Radio Contact Ostbelgien NOW und auf Spotify zu hören ist, spricht er unter anderem über...

1
... seine Form eine halbe Woche vor dem Saisonstart.

„Ich würde sagen, ich stehe bei 85 Prozent. In den vergangenen Monaten hatte ich bei Pelt nicht viel Spielpraxis. Aber es sollte für den Saisonstart reichen, wobei die Topform natürlich im Laufe der nächsten Monate kommen wird.“

2
... seine Rituale vor einem Spiel.

„Eigentlich spreche ich da viel mit den Leuten in der Halle und mache mich nicht verrückt. Beim Aufwärmen selbst will ich aber meine Ruhe haben. Viele Spieler treffen sich vorher zum Kaffeetrinken, ich hab oft mit meinem Bruder samstagnachmittags Bundesliga geschaut. Und ich lasse mir zuerst meinen linken und dann meinen rechten Fuß tapen.“

3
... seine ersten Schritte im Handball.

„Angefangen habe ich mit vier, fünf Jahren für nur ganz kurze Zeit mit meinem Bruder. Da hatte ich aber schnell keine Lust mehr und bin zum Taekwondo gewechselt. Irgendwann verlor ich da ebenfalls den Spaß dran, und mein Bruder meinte, dass seine Mannschaft einen Torhüter brauchen könnte. Ich hatte keine Angst vor schnellen Würfen und Erfahrung im Nahkampf und war durch den Kampfsport schon immer gelenkig. Anscheinend habe ich einen guten Eindruck hinterlassen. Ich erhielt positives Feedback, dass der Weg weiter nach oben möglich wäre.“

4
... seine Erfahrungen mit der Nationalmannschaft.

„Belgien hat sich damals für die Weltmeisterschaft 2023 qualifiziert, weil Russland wegen des Krieges nicht teilnehmen durfte. Deshalb glaube ich, sollte der Verband mal auf dem Boden bleiben und zugeben, dass er noch nicht so weit ist, wie er sich selbst gerne sieht. Denn abgesehen von dem Spiel gegen Frankreich, das wir 2016 nur mit einem Tor Unterschied verloren haben, und der WM-Teilnahme ist noch nicht so viel dabei herumgesprungen. Darüber regen sich auch viele Spieler auf. Es gab unter Nationaltrainer Yérime Sylla immer wieder seltsame Nominierungen ohne richtiges Scouting. Langjährige Leistungsträger sollten sich die Tage während einer Länderspielperiode immer freinehmen, wurden dann aber nicht in den Kader berufen. Nichtsdestotrotz gibt es sehr viele gute Punkte bei der Nationalmannschaft und es ist immer interessant, das mitzumachen. Wenn man die Chance geboten bekommt, soll man sie auch annehmen.“

5
... seine Karriereplanung, und ob er alles noch einmal genau so wiederholen würde.

„Ich glaube, ich würde den Schritt ins Ausland früher machen und schon mit 18 Jahren voll Richtung Profihandball gehen. Aber ich bin ein Lebemann, und die ganzen Partys hätte ich dann verpasst. Ich hätte noch viel mehr aus mir rausholen können, habe mich aber für den Zwischenweg entschieden: unter Leute kommen und trotzdem Handball auf einem guten Niveau spielen. Ich bereue es nicht.“

6
... seine Zeit bei Sporting Pelt.

„Ich hatte sieben wundervolle Jahre in Pelt, habe den Verein mit zurück in die BENE-League geführt. Seine glorreichen Zeiten aus den Achtzigern und Neunzigern lagen damals schon lange hinter ihm. Es war ein sehr harter Weg mit 250 Kilometern Fahrt viermal pro Woche zum Training. Hinzu kamen die Spiele und Auswärtsfahrten. Erstmal haben wir nicht die gewünschten Resultate eingefahren, aber dass es im Juni in letzter Sekunde klappte, war ein Traumszenario – erst recht für mich als Abgang. Da habe ich nur super Erinnerungen dran.“

7
... die Angst des Torwarts vor dem Wurf des Gegners.

„Ich bin tatsächlich immer noch anfällig für Würfe von Außen. Obwohl ich so groß bin und das Tor eigentlich dicht machen müsste, habe ich noch zu wenig Vertrauen, da in den Wurf reinzugehen. Es gibt sicherlich Trainingsmethoden dagegen, aber dann müsste ich mich richtig damit beschäftigen. Und ich kann ja noch klar denken und reden, deswegen ist es bei mir noch nicht so ganz schlimm (lacht). Adrenalin spielt natürlich auch mit, aber es kann auch schmerzhaft sein. Ich bin halt der letzte Mann und muss dafür sorgen, dass der Ball vor der Linie bleibt.“

8
... seine Rückkehr zur KTSV Eupen.

„Ich habe noch nicht vor, meine Karriere zu beenden, nur weil ich jetzt zu meinem Heimatverein zurückkehre. Ich bin nach Eupen gekommen, weil es ein aufstrebendes Projekt ist und ich zusammen mit meinem Bruder und alten Freunden spielen kann. Die Halle ist immer voll, und die Mannschaft hat vergangene Saison im Pokal überragende Resultate erzielt und auch in der Liga gegen große Gegner überrascht. Da steckt Potenzial drin. Meiner Meinung nach haben wir für diese Saison noch zu wenig Transfers getätigt, um langfristig in der Liga zu bleiben. Dafür brauchst du neue Spieler von links und rechts, anders geht es nicht. Das ist natürlich auch eine finanzielle Frage, und Eupen ist erst seit Kurzem in der Super Handball League. Ich bereue es aber auf keinen Fall, zurückgekommen zu sein.“

Das „VHB-Echo“ mit den Vorstellungen aller Volley-, Hand- und Basketballmannschaften erscheint am Samstag, 7. September.

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