Auch das ist Olympia: Da feiert man den größten Moment seiner Karriere, gibt ein feierliches Interview, und dann klingelt das Handy – der König ist dran! Philippe ließ es sich nicht nehmen, dem frischgebackenen Bronzemedaillisten Fabio Van den Bossche nach dessen Triumph persönlich zu gratulieren. „Das war schon sehr besonders“, strahlte der Olympiadritte im Omnium, dem die vier Kinder des Königspaars um Kronprinzessin Elisabeth in der Halle von Saint-Quentin-en-Yvelines live zujubelten.

Bis zur letzten der vier Disziplinen im Omnium lag Van den Bossche sogar noch auf Goldkurs, fiel im Punktefahren jedoch noch zwei Plätze zurück. Gold ging an den Franzosen Benjamin Thomas, Silber an den Portugiesen Iuri Leitao. Trotzdem ein großer und vor allem überraschender Erfolg für den im Vorfeld eher als Außenseiter gehandelten Genter: „Wobei ich schon seit Monaten fühlte, dass ich gute Beine habe. Aber ich wusste, dass heute wirklich alles passen müsste und es schwer werden würde“, strahlte Van den Bossche: „Jetzt habe ich eine Olympische Medaille. Vor den Spielen habe ich das als das Höchste angesehen, das ich in meiner Karriere erreichen kann.“
Die vier Disziplinen absolvierten die Athleten am Donnerstag allesamt binnen vier Stunden. Van den Bossche eröffnete den Wettkampf mit einem dritten Platz im Scratch, der ihm 36 Punkte einbrachte. Im Zeitfahren war er danach einfach nicht zu schlagen – 40 Punkte wanderten auf sein Konto. In der Ausscheidung belegte er den sechsten Rang (30 Zähler), sodass er vor dem Punkterennen insgesamt von Platz eins grüßte.

100 Runden galt es bei der letzten Disziplin zu absolvieren, bis 40 Runden vor Schluss behauptete Van den Bossche seine Spitzenreiterposition. Dann zogen Thomas und Leitao vorbei. Der Belgier holte die letzten 25 Punkte, insgesamt kam er somit auf 131. Thomas gewann mit 164, Leitao folgte mit 153 Punkten. das Führungsduo hatte es im Punkterennen tatsächlich geschafft, das Feld ein zweites Mal zu überholen und sich so noch einmal 20 Extrapunkte geholt. Damit war Van den Bossche geschlagen.

Nach zweimal Gold für Remco Evenepoel (Zweitfahren und Straßenrennen), sowie Bronze für Wout van Aert (Zeitfahren), Lotte Kopecky (Straßenrennen) und Gabriella Willems (Judo) sammelte der Genter die sechste Medaille für Belgien bei den Spielen in Paris. In der Olympia-Geschichte ist es die zweite Omnium-Medaille, nachdem Jolien D´hoore bereits 2016 in Rio Bronze gewonnen hatte. Auf den gesamten Radsport gesehen, holte Van den Bossche die 31. Medaille.

Nicky Degrendele belegte am Donnerstag im Keirin nach Platz fünf im B-Finale in der Gesamtwertung Rang elf. Als Vierte ihres Halbfinales (von sechs Fahrerinnen) hatte Degrendele das A-Finale um die Medaillen nur knapp verpasst: die ersten Drei kamen weiter. Begonnen hatte der Wettbewerb am Mittwoch für die Weltmeisterin von 2018 gut: Degrendele gewann ihren Vorlauf und qualifizierte sich damit direkt und sicher für das Viertelfinale.
Nicht so erfolgreich war Nachwuchstalent Julie Nicolaes unterwegs. Die 20-Jährige belegte nur den fünften Platz und musste damit in den Hoffnungslauf. Hier erreichte Nicolaes zwar Rang drei, doch nur die ersten Beiden zogen in das Viertelfinale ein.

Nicky Degrendele fuhr im Viertelfinale auf den dritten Platz und qualifizierte sich damit für das Halbfinale. Einen kleinen Schock gab es allerdings nach der Zielankunft, als einige Fahrerinnen stürzten, darunter die 27-jährige Belgierin. Degrendele blieb einige Minuten liegen, stand dann aber wieder auf und lächelte ins Publikum, streckte dabei beide Daumen in die Höhe. Sollte heißen: alles okay, kann weitergehen.
Doch im Halbfinale reichte es für die Belgierin nicht ganz zum großen Wurf. Im B-Finale um die Plätze sieben bis zwölf fuhr Degrendele lange Zeit hinter der Konkurrenz her und setzte erst spät auf der letzten der sechs Runden zum Überholen an. Zu spät, die Konkurrenz war zu schnell, so dass ihr nur der vorletzte Platz blieb. Olympiasiegerin wurde die Neuseeländerin Ellesse Andrews vor der Niederländerin Hetty van de Wouw und der Britin Emma Finucane. (tf/leo/belga)

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