Schon vor den anstehenden Alpen-Herausforderungen haben sich die Favoriten auf den Sieg bei der 111. Tour de France keine Pause gegönnt. Tadej Pogacar attackierte seinen Kontrahenten Jonas Vingegaard knapp fünf Kilometer vor dem Ziel im Wintersportort Superdévoluy, doch der dänische Titelverteidiger konnte den Angriff zunächst parieren. Dann sprintete der zweimalige Tour-Sieger noch einmal und kam wenige Sekunden früher als Vingegaard an. Es war eine Mini-Machtdemonstration. Beide lieferten einen Vorgeschmack auf die kommenden harten Gebirgstage.
„Ich bin mit einer guten Form in die dritte Woche gegangen. Warum also nicht etwas versuchen? Warum nicht noch ein bisschen mehr Druck auf Jonas machen?“, fragte Pogacar: „Es war insgesamt wieder ein guter Tag.“
Der Ausnahmefahrer liegt weiter mit dem komfortablen Vorsprung von 3:11 Minuten vor Vingegaard. Zeitfahr-Weltmeister Remco Evenepoel kam vor den beiden anderen Favoriten ins Ziel und machte etwas Zeit gut. Auch er lancierte eine Attacke: „Ich hatte das Gefühl, dass Jonas am Limit fahren würde. Als Tadej davon zog, war ich der Einzige, der an seinem Rad bleiben konnte. Vielleicht hätte ich ein bisschen aggressiver attackieren sollen. Aber es ist noch alles neu für mich. Ich traue mich noch nicht, bei einer vier Kilometer langen Steigung alles zu geben“, erklärte Evenepoel, der insgesamt 5:09 Minuten hinter Pogacar auf Rang drei liegt.
Nach den zum Ende hin knackigen 177,8 Kilometern zwischen Saint-Paul-Trois-Chateaux und dem Wintersportort Superdévoluy setzte sich der Ecuadorianer Carapaz auf der 17. Etappe als Solo-Sieger vor dem Briten Simon Yates und dem Spanier Enric Mas durch.

Für den Olympiasieger ist es der erste Tour-Etappensieg der Karriere. Nur beim Giro d'Italia und der spanischen Vuelta waren ihm Etappensiege gelungen. 2019 gewann er sogar den Giro: „Ich bin überglücklich. Es war ein harter Tag mit vielen Attacken, aber wir hatten uns das am Morgen schon so ausgemalt. Ich denke, in ganz Südamerika werden sie froh sein“, sagte Carapaz.
Girmay im Zwischensprint vor Philipsen
Der Kletterspezialist dürfte sich besonders darüber freuen, da der Gewinner der Goldmedaille von Tokio (2021) von seinem Landesverband nicht für die bald in Paris stattfindenden Spiele nominiert worden war. Jhonatan Narvaez wird stattdessen teilnehmen.
Zuletzt durften sich vor allem die Gesamtklassement-Fahrer um Superstar Pogacar und die Sprinter auf den einzelnen Etappen in Szene setzen. Die klassischen Ausreißergruppen hatten es in der Zielnähe bis auf wenige Strecken schwer. Die zum Ende hügelige Etappe mit 2.850 Höhenmetern in den Alpen lud die Ausreißer förmlich ein. Zum Ende standen drei Bergwertungen der Kategorien drei bis eins auf dem Programm.
Dennoch richteten sich die Blicke in der ersten Rennhälfte auf die Sprinter um Jasper Philipsen und den eritreischen Senkrechtstarter Biniam Girmay. Nach dem Sturz von Girmay am Vortag verkürzte Philipsen durch seinen Tagessieg den Abstand auf den Führenden der Sprintwertung im Grünen Trikot auf 32 Punkte.

Beim Zwischensprint knapp 64 Kilometer vor dem Ziel einen Tag später fuhr Girmay aber vor dem dreifachen Etappensieger über die Linie. Bis zur letzten Etappe in Nizza gibt es noch drei verbleibende Zwischensprints für die schnellen Fahrer.
Auch am Donnerstag sind die Ausreißer gefragt. Bei fünf kleineren Anstiegen auf der 18. Etappe zwischen Gap und Barcelonnette müssen die Radprofis 179,5 Kilometer bewältigen. Am Freitag und Samstag stehen harte Alpen-Etappen bevor. Am Sonntag endet die Frankreich-Rundfahrt mit einem Einzelzeitfahren in Nizza. (dpa/sid/tf)

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