Seit September 2023 wurden in der DG neue Regelungen zur Erfassung von Arbeitsuchenden eingeführt. Darüber informiert das Arbeitsamt der DG (ADG) in einem Begleitschreiben zu den am Montag veröffentlichten Beschäftigungszahlen des zweiten Quartals 2024. Diese Änderungen haben zur Folge, dass mehr Menschen als Arbeitsuchende erfasst werden, mit dem Ziel eine realistischere Einschätzung der Arbeitsmarktlage zu erhalten und somit umfassendere Unterstützung und Begleitung anbieten zu können. Vor den neuen Regelungen wurden Arbeitsuchende, die kein Arbeitslosengeld beziehen, nicht automatisch in der Datenbank des ADG erfasst. Mit der neuen Regelung wird nun empfohlen, dass auch diese Arbeitsuchenden sich registrieren. Zudem werden sie nicht mehr nach drei Monaten automatisch aus der Datenbank gelöscht. Diese Änderungen betreffen vor allem Personen, die ein anderes Ersatzeinkommen beziehen oder freiwillig als Arbeitsuchende registriert sind.
Eine weitere wichtige Änderung betrifft Antragsteller bei den Öffentlichen Sozialhilfezentren (ÖSHZ). Diese sind nun, mit wenigen Ausnahmen, verpflichtet, sich als Arbeitsuchende einzutragen. Diese Maßnahme soll sicherstellen, dass auch Personen, die Sozialhilfe empfangen, in die Arbeitsmarktstatistiken aufgenommen und besser unterstützt werden können. Dies hat zu einem Anstieg der Arbeitslosenzahl um 11,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr geführt. Zur Einordnung: Der landesweite Anstieg liegt bei 7,1 Prozent.

Die DG hat zudem begonnen, eingetragene Ukraine-Flüchtlinge, die Unterstützung vom ÖSHZ erhalten, als Arbeitsuchende zu zählen. Derzeit sind etwa 160 Ukraine-Flüchtlinge in dieser Kategorie registriert. Diese Maßnahme ist ein weiterer Faktor für den Anstieg der Arbeitslosenzahlen.
Ein weiteres neues Programm zielt darauf ab, langzeitkranke Personen wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Diese Personen werden nun ebenfalls als Arbeitsuchende gezählt, was den Anstieg der Zahlen weiter beeinflusst. Zurzeit betrifft dieses Programm rund 30 Personen.
Die Arbeitslosenrate variiert stark zwischen dem Norden und Süden der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Im Kanton Eupen bleibt die Arbeitslosenrate mit 8,4 Prozent deutlich höher als im Süden der DG, der nahezu Vollbeschäftigung mit einer Rate von 3,2 Prozent verzeichnet.
Bezüglich der demografischen und sozialen Struktur der Arbeitslosen teilt das ADG mit, dass die Arbeitslosenrate der Frauen mit 6,5 Prozent fast identisch mit jener der Männer von 6,3 Prozent liegt. Rund 34 Prozent der Arbeitslosen sind älter als 50 Jahre, wobei die Hälfte dieser Gruppe sogar älter als 60 Jahre ist. Der Anteil der Über-50-Jährigen zeigt allerdings seit dem Jahr 2020 eine leicht sinkende Tendenz. Der Anteil der jugendlichen Arbeitslosen ist auf zwölf Prozent gesunken, dem geringsten Wert in ganz Belgien. Dieser Anteil dürfte jedoch im Laufe des Sommers wieder ansteigen, wenn sich die Schulabgänger eintragen.

Knapp die Hälfte der Arbeitslosen (49,3 Prozent) ist seit mehr als einem Jahr arbeitslos und zählt damit zu den Langzeitarbeitslosen. Nachdem in dieser Gruppe allmählich ein Rückgang festzustellen war, liegt mittlerweile wieder ein leichter Anstieg vor. Dies dürfte vor allem darauf zurückzuführen sein, dass viele der registrierten Ukraine-Flüchtlinge mittlerweile mehr als ein Jahr arbeitslos sind. Allerdings ist im zweiten Quartal aufgrund der Regeländerungen vor allem die Zahl der neu erfassten Kurzzeitarbeitslosen weiter angestiegen.
Die Qualifikationsstruktur der Arbeitslosen zeigt, dass 42 Prozent der Arbeitslosen niedrig qualifiziert sind, d.h., sie verfügen höchstens über den Abschluss der Unterstufe des Sekundarschulunterrichts. 14 Prozent haben eine Lehre beendet, 26 Prozent das Abitur und 17 Prozent verfügen über einen Hochschulabschluss. Das ADG weist darauf hin, dass in dieser Statistik kein Unterschied zwischen belgischen oder ausländischen Abschlüssen gemacht wird, d.h., auch nicht formal in Belgien anerkannte ausländische Abschlüsse werden wie inländische Abschlüsse gezählt.

Ein Indiz für die Entwicklung der Nachfrage nach Arbeitskräften ist die Zahl der beim Arbeitsamt aufgegebenen offenen Stellen. Auch wenn nicht alle Stellenangebote dem Arbeitsamt gemeldet werden, spiegelt diese Zahl die konjunkturelle Entwicklung zumeist recht gut wider. So wurden im ersten Quartal 2024 dem Arbeitsamt nur noch 244 offene Stellen gemeldet (ohne Interim-Stellen), davon 82 Prozent von ostbelgischen Betrieben. Dies ist ein Rückgang um 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Es ist wichtig zu beachten, so das Arbeitsamt, dass die Arbeitslosenzahlen der einzelnen Regionen in Belgien aufgrund unterschiedlicher Erfassungs- und Kategorisierungsmethoden schwer vergleichbar sind. In Flandern beispielsweise werden auch Arbeitsuchende in Ausbildung oder Integrationsprojekten als Arbeitslose gezählt, während sie in den anderen Regionen gemäß den bisherigen Konventionen nicht als Arbeitsuchende gelten. Diese Unterschiede führen dazu, dass die Arbeitslosenzahlen in der DG nicht direkt mit denen anderer belgischer Regionen vergleichbar sind, heißt es in der Mitteilung des ADG abschließend. (red/kupo)
Das Dokument mit weiteren Grafiken steht auf der Website des ADG unter www.adg.be zum Download bereit

HINTERGRUND
Erweiterung der Arbeitsuchenden-Definition in der Deutschsprachigen Gemeinschaft
Seit September 2023 wurden in der Deutschsprachigen Gemeinschaft neue Regelungen zur Erfassung von Arbeitsuchenden eingeführt, die zu einem deutlichen Anstieg der registrierten Arbeitslosenzahlen führten. Diese Änderungen zielen darauf ab, mehr Menschen als Arbeitsuchende zu erfassen, um eine umfassendere Unterstützung und Begleitung anbieten zu können.
Erweiterung der Erfassungsregeln: Vor den neuen Regelungen wurden Arbeitsuchende, die kein Arbeitslosengeld beziehen, nicht automatisch in der Datenbank des Arbeitsamtes erfasst. Mit der neuen Regelung wird nun empfohlen, dass auch diese Arbeitsuchenden sich registrieren. Zudem werden sie nicht mehr nach drei Monaten automatisch aus der Datenbank gelöscht. Dies betrifft vor allem Personen, die ein anderes Ersatzeinkommen beziehen oder freiwillig als Arbeitsuchende registriert sind.
Einbeziehung von Sozialhilfeempfängern: Menschen, die Dienstleistungen der Öffentlichen Sozialhilfezentren (ÖSHZ) in Anspruch nehmen, sind nun, mit wenigen Ausnahmen, verpflichtet, sich als Arbeitsuchende einzutragen. Diese Maßnahme soll sicherstellen, dass auch Personen, die Sozialhilfe empfangen, in die Arbeitsmarktstatistiken aufgenommen und besser unterstützt werden können.
Berücksichtigung von Ukraine-Flüchtlingen: Die Deutschsprachige Gemeinschaft hat auch begonnen, eingetragene Ukraine-Flüchtlinge, die Unterstützung vom ÖSHZ erhalten, als Arbeitsuchende zu zählen. Derzeit sind etwa 160 Ukraine-Flüchtlinge in dieser Kategorie registriert.
Wiedereingliederungsprogramm für Langzeitkranke: Ein weiteres neues Programm zielt darauf ab, langzeitkranke Personen wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Diese Personen werden nun ebenfalls als Arbeitsuchende gezählt, was den Anstieg der Zahlen weiter beeinflusst.
Durch diese Änderungen ist die Arbeitslosenzahl im Vergleich zum Vorjahr um +11,1 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Der landesweite Anstieg liegt bei +7,1 Prozent. Besonders stark ist der Anstieg bei den Personen, die kein Arbeitslosengeld beziehen. Diese Methodikänderungen führen dazu, dass die Arbeitslosenzahlen in der DG nicht direkt mit denen anderer belgischer Regionen vergleichbar sind, da jede Region eigene Zählweisen und Kategorien verwendet.
Kanton Eupen: Mit einer Arbeitslosenrate von 8,4 Prozent bleibt dieser Bereich am stärksten betroffen.
Süden der DG: Im Vergleich dazu zeigt der Süden der DG mit einer Rate von 3,2 Prozent nahezu Vollbeschäftigung.
Diese Anpassungen sollen langfristig dazu beitragen, dass die Arbeitsmarktstatistiken der DG ein realistischeres Bild der sozio-ökonomischen Realität der Region zeichnen und somit eine gezieltere Arbeitsmarktpolitik ermöglichen. (kupo)

Kommentare
Auch wenn das Arbeitsamt der DG seit Jahrzehnten von Arbeitslosenrate spricht, im Deutschen heißt es Arbeitslosenquote. Eine Rate ist eine Häufigkeit oder eine Änderungsgeschwindigkeit, eine Quote ist ein Anteil. Sucht man bei Google nach Arbeitslosenrate, so landet man fast ausschließlich auf ostbelgischen Medien. Ist das gewollt oder notwendig?
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