Zahl der „gîtes“ gefährdet Ortsgefüge

<p>In der Zwischenzeit bieten die so genannten „gîtes rurales“ in den Ardennen - vielfach entstanden aus vormaligen landwirtschaftlichen Gehöften - nicht nur reichlich Platz, sondern vor allem auch gestiegenen Komfort.</p>
In der Zwischenzeit bieten die so genannten „gîtes rurales“ in den Ardennen - vielfach entstanden aus vormaligen landwirtschaftlichen Gehöften - nicht nur reichlich Platz, sondern vor allem auch gestiegenen Komfort. | Foto: Ardennes Étape

Nun ist dieses Phänomen nicht zwingend neu, hat sich aber im Zuge und auch noch im Nachgang zur Pandemie offenkundig weiter verschärft. Zumindest in einigen ausgewiesenen Orten. Oder Hotspots, wie es heute gängig heißen könnte. Jedenfalls verzeichnen manche „Ecken“ im Gebiet zwischen Beauraing, Marche, Vielsalm, Florenville und Bouillon einen Zuwachs bis zu fünfzehn Prozent an so genannten „gîtes rurales“.

Erhebliche Risse im sozialen Miteinander

Ein Trend, der vielerorts das soziokulturelle Neben- und mehr noch Miteinander spürbar erschwert. Was in der Zwischenzeit heimischen Bewohnern böse aufstößt. Etwa in der Raute Durbuy/Érezée/Rendeux/Hotton, aber ebenso im Dreieck Vielsalm/Houffalize/La Roche. Die Gründe: Verkehrsaufkommen, Lärmbelästigung, Preistreiberei…

Für den Anstieg der „gîtes“ (auch bereits vor der Pandemie) quer durch die Ardennen macht die Branche vorrangig zwei Ursachen geltend, die freilich zusammenhängen. Der unaufhaltsame Rückgang der Landwirtschaft als primärer Ertragszweig in den Provinzen Lüttich (vornehmlich im Süden), Namur (besonders der Osten) und Luxemburg (zuzüglich der Nähe zum Großherzogtum als Arbeitsmarkt) führt zwangsläufig zur Landflucht. Weshalb immer mehr ältere und größere Anwesen leer stehen respektive ungenutzt sind. Und in der Zwischenzeit sind es halt nicht mehr ausschließlich Ortsansässige, die solche Immobilien zu touristischen Zwecken umfunktionieren. Nein, es sind vielfach ortsfremde Investoren, die hier eine lukrative Einnahmequelle entdeckt haben.

Angesichts des verfügbaren Raumvolumens meist für größere Gruppen oder mehrere Familien als Zielgruppen, oftmals gar mit Spielplatz oder Gartenpool, denn die Ansprüche der Gäste sind auch in den Ardennen in der Zwischenzeit erkennbar gestiegen.

Und wenn dann noch Jugendliche solche „gîtes“ für sommerliche Partys nutzen, kann die Beschaulichkeit und Lebensqualität in einem kleinen, charmanten Ort schon mal Risse kriegen.

Hintergrund: Eigen„bedarf“ nur punktuell

Dem „regulären“ Wohnungsmarkt werden durch die in den Ardennen ach so beliebten „gîtes rurales“ insgesamt 6.300 verfügbare Objekte „entzogen“. So das Ergebnis einer Studie, die Christian Dessouroux im Auftrag der ULB erstellt hat. Bezeichnet werden besagte Objekte im wissenschaftlichen Fachjargon als HNP, als „habitat non permanent“, heißt: Wohnraum, der ausschließlich zeitweiliger (touristischer) Nutzung dient. Hotels, Feriendörfer, Campings u.a.m. ausgenommen. Eine „Umnutzung“, die nicht nur den Zugang zu finanzierbarem Wohnraum versperrt, sondern zudem vielerorts die Preise in ungeahnte Höhen treibt. Denn Käufer respektive Nutzer besagter „gîtes“ sind nicht selten zahlungskräftige „Invasoren“ aus Flandern oder den Niederlanden - die in vielen Fällen ein solches Anwesen nicht mehr nur punktuell „belegen“, sondern irgendwann zur Eigennutzung erwerben. Ohne dass die zeitliche Beanspruchung durch den Kauf aber merklich ansteigen würde. Nein, genutzt werden solche Zweitresidenzen weiterhin vorrangig am Wochenende oder in den Ferien.

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