Nach dem zweiten Spieltag gibt die Tabelle der Gruppe E ein spektakuläres und unerwartetes Bild ab: Alle vier Teams haben jeweils einen Sieg eingefahren und drei Punkte auf dem Konto, wegen des besseren Torverhältnisses springt Belgien auf Rang zwei.
Am letzten Spieltag am Mittwoch ist also auch für Belgien vom Gruppensieg bis hin zum direkten Ausscheiden noch alles möglich. Ukraine-Belgien (Stuttgart) und Slowakei-Rumänien (Frankfurt) werden beide um 18 Uhr angepfiffen.
Belgien 2:0 Rumänien
Zigtausend Fans waren den Roten Teufeln am Samstag in die Domstadt gefolgt, zeigten sich schon Stunden vor dem Spiel in Partylaune. Im Kölner Stadion selbst unterstützten rund 10.000 Belgier ihr Team – inklusive König Philippe und Kinder Gabriel, Emmanuel und Eleonore. Zahlenmäßig waren die Rumänen jedoch klar im Vorteil.

Die 0:1-Niederlage gegen die Slowakei vom Montagabend bot einigen Anlass zu Veränderungen, und so tauschte Nationaltrainer Domenico Tedesco ganze vier Spieler aus: Arthur Theate und Jan Vertonghen rückten für Yannick Carrasco und Zeno Debast in die Verteidigung. Statt Orel Mangala lief Youri Tielemans im Mittelfeld auf, und auf Linksaußen stürmte Dodi Lukebakio anstelle des ideenlosen Leandro Trossard.

Und es ging direkt los wie die Feuerwehr! Tielemans holte stark den Ball im Mittelfeld, über Lukaku, Doku und erneut Lukaku gings zurück zu Tielemans – und ins Netz. Keine 75 Sekunden waren auf der Uhr, da führte Belgien durch den 27-Jährigen von Aston Villa, der seinen Startplatz direkt rechtfertigte.

Koen Casteels meldete sich ebenfalls schnell zum Dienst. Denn die Rumänen wirkten weniger geschockt, sondern eher aufgeweckt. Dragusins Kopfball lenkte der Torhüter aber zur Ecke (5.).

„Wir müssen geduldig bleiben“, hatte Tedesco im Interview vor dem Anpfiff gefordert: „Das ist etwas, das die Welt vergessen hat, nicht nur im Fußball. Geduld braucht man, um positiv zu bleiben. Denn auch in der 89. Minute kann ein Tor ein Spiel entscheiden.“
Seine Mannen jedoch wollten keine Zeit verlieren, drückten mit einem Fünfermittelfeld aufs 2:0. Viel ging über die linke Angriffsseite von Castagne und Lukebakio. Lukaku scheiterte aus der Drehung (14.), De Bruyne verpasste den Moment zum Selberschießen (18.), Vertonghen schoss bei der folgenden Ecke drüber (19.).

Lust, Leidenschaft, Kampf, Agilität: In den ersten 20 Minuten zeigte Belgien ein völlig anderes Gesicht als noch über weite Teile (zumindest der ersten Hälfte) gegen die Slowakei. Einzig am berühmten „letzten Pass“ haperte es. Wermutstropfen neben der Chancenverwertung: Lukebakio holte sich wie schon am Montag die Gelbe Karte ab, ist damit gegen die Ukraine zum Zuschauen verdammt (34.).
Mit der ersten gefährlichen Aktion seit der fünften Minute ließ Rumäniens Man Casteels abtauchen. Mittlerweile, auf den letzten Metern vor der Pause, ging es hin und her. Lukebakio vertändelte einen Konter, Verteidiger Faes verschätzte sich bei einem langen Ball auf den Ex-Lütticher Dragus und bedankte sich bei Casteels (39.), De Bruynes Schuss verhungerte (42.) – und erneut musste Casteels im Gegenzug eingreifen.

Um ein Haar wäre auch die zweite Halbzeit mit einem blitzschnellen Tor gestartet, der Schuss von Ratiu – an den blauen Haaren gut zu erkennen – landete aber in Casteels Armen. Bei Mihailas Konter wurde es sogar noch brenzliger (48.). Ganz klar: Rumänien kam frischer aus der Kabine, Belgien taumelte einige Minuten lang, fing sich dann aber. „KDB“ gab die ersten Warnschüsse ab (51./56.).
Tedesco wechselte zum ersten Mal, brachte Trossard für Lukebakio (56.). Doch es blieb dabei: Der Ball wollte einfach nicht nochmal rein. Umso wichtiger, dass Jan Vertonghen in höchster Not gegen Ratiu rettete (59.).

Und als das Netz wieder zappelte... jubelte Belgien nur kurz. Beim Pass von De Bruyne stand Lukaku im Abseits – sein drittes (!) Tor, das bei dieser EM nicht zählt (63.). Statt zum Topschützen des Turniers aufzusteigen, bleibt sein Konto leer. Und statt 2:0 hätte es beinahe 1:1 gestanden: Onana köpfte genau in Mans Laufweg, Casteels stand aber goldrichtig.
Mit Carrasco, Mangala und Debast für Doku, Tielemans und den angeschlagenen Theate auf dem Platz, ging es in die Schlussphase – und e-n-d-l-i-c-h fiel der erlösende Treffer. Casteels langer Abschlag flog an Freund und Feind vorbei in De Bruynes Füße, der eiskalt einschob (80.). Diesmal hatte selbst der VAR nichts zu meckern. Belgien feierte das Tor und den ersten Sieg im Turnier.

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren