Showmaster Tamberi hebt ab: Wie auf Federn

<p>Halbseitig rasiert, Mini-Sprungfedern im Ersatzschuh: Italiens Olympiasieger Gianmarco Tamberi springt nicht nur überragend, er liebt auch die großen und kleinen Showeffekte.</p>
Halbseitig rasiert, Mini-Sprungfedern im Ersatzschuh: Italiens Olympiasieger Gianmarco Tamberi springt nicht nur überragend, er liebt auch die großen und kleinen Showeffekte. | Foto: Photo News

Plötzlich humpelte Gianmarco Tamberi, seinen Landsleuten stockte auf den Tribünen des Stadio Olimpico der Atem. Nach seinem Flug über 2,34 m setzte sich der Hochsprungstar auf den Boden, er schien Schmerzen zu haben, hielt seinen Fuß, striff dann den Schuh ab und kramte etwas daraus hervor. Kleine Federn, also Sprungfedern, hatte der Lokalmatador versteckt und jetzt zeigte er sie lächelnd in die Kamera - sein Streich war voll aufgegangen. Tamberi lieferte bei der EM in Rom auf dem Weg zur Goldmedaille die ganz große Show ab und verzauberte nicht nur das italienische Publikum.

„Ich glaube, einige Leute sind drauf reingefallen“, sagte der Olympiasieger später sichtlich stolz. Und Tamberi hatte schon vor seinem Gag mit den Fans gespielt, jeweils zwischen den Sprüngen. Mal bat er um lautstarke Unterstützung, mal um Ruhe. Als er den Titel längst sicher hatte, hob Tamberi etwa den Arm, da kein anderer Wettbewerb lief, herrschte völliges Schweigen im Rund und jeder seiner Schritte war zu hören, ehe er elegant über die Latte ging. Am Ende sprang der Nationalheld 2,37 m, Tamberi siegte letztlich klar vor den beiden Ukrainern Wladyslaw Lawski (2,29) und Oleh Doroschtschuk (2,26).

Danach hatte es zunächst nicht ausgesehen. 2,22 und 2,26 meisterte Tamberi zwar recht locker mit knielanger Schlabberhose (später tauschte er sie gegen ein kürzeres Modell), doch er riss die 2,29 zweimal, lag leidend auf der Matte, verzweifelt. Doch dann machte es Klick. Er schaffte die Höhe im dritten Versuch, lief danach liegend auf der Matte im Kreis, legte die Hände ungläubig auf seine Wangen.

„Bei 2,29 m war ich etwas wacklig, aber dann begann die Show“, sagte Tamberi später. Und das stimmte. Der Star spielte die ganze Klaviatur der Emotionen durch und ging dabei dann doch meist etwas zu weit. Den Italienern gefiel es, sie feierten ihr Idol, das nach dem Wettkampf gar für eine Umarmung zu Italiens Präsident Sergio Mattarella auf die Tribüne stürmte.

Nach der lockeren Qualifikation hatte der Titelverteidiger erst im Finale auf sein Markenzeichen gesetzt: Vollbart auf der linken Gesichtshälfte, glatt rasiert auf der rechten, dazu ein hochgesteckter Zopf. Außerdem springt Tamberi in blauen Socken mit seinem Konterfei, seine Fans tragen es auf T-Shirts.

Und die legte der 32-Jährige aus Civitanova Marche bei seinem ersten Wettkampf des Jahres mit einem Taschenspielertrick rein. Die Federn waren in seinen Ersatzschuhen unter einem Handtuch versteckt. Tamberi lachte in Rom zuletzt, nicht nur sportlich. (sid/leo)

Kommentare

Kommentar verfassen

0 Comment