Unter der Jahresbilanz stehen zwei Erkenntnisse - merklich weniger Transaktionen, dafür deutlich höhere Preise zwischen Knokke im Norden und De Panne im Süden. Ausgenommen aus diesen Erhebungen ist der Verkauf von Häusern, der aber an der belgischen Küste seit jeher nur eine untergeordnete Rolle spielt und nur einige wenige wirklich potente Interessenten betrifft.
Zwanzig Prozent über landesweitem Schnitt
Die rückläufige notarielle Tätigkeit in der Provinz Westflandern während der vergangenen zwölf Monate ist deckungsgleich mit dem landesweiten Trend. Konkret: Nach bereits 14,3 Prozent Rückgang in 2022 brachen die Zahlen in den Notarstuben in 2023 nochmals um 19,7 Prozent ein. Eine Flaute, der als Kontrapunkt die teils enorme Preissteigerung gegenübersteht, besonders nach dem leichten Einbruch von 1,6 Prozent im Jahr zuvor.
Jedenfalls mussten Käufer im Vorjahr im Schnitt 318.446 € für den Kauf eines Appartements veranschlagen, wie gesagt stattliche 7 Prozent mehr als in den zwölf Monaten zuvor. Aber vor allem 20,4 Prozent mehr als in den übrigen Provinzen landesweit „etikettiert“. Inflationsbereinigt beträgt die „Hausse“ an der Küste über fünf Jahre, also für den Zeitraum von 2019 bis 2023, stattliche 5,3 Prozent.
Teuerstes „Pflaster“ bleibt erwartungsgemäß Knokke mit 773.582 € (plus 20,9 Prozent) im Schnitt. Ein Preis, der sich für Meerblick („digue“) locker auf 1.436.333 € (plus 49.6 Prozent) „hochschaukelt“. Wohlgemerkt, für eine Zwei-Zimmer-Unterkunft. Übrigens… Direkt an der Promenade stehen erst gar keine Appartements mit drei Zimmern zum Verkauf, wohl aber in rückwärtiger Lage.
Gegenpol (und somit quasi „Armenkind“) ist auch weiterhin Westende, wo im Schnitt lediglich 171.883 € (plus 1,7 Prozent) für ein Zwei-Zimmer-Appartement aufgerufen werden. Ein Betrag, der sich mit dem Bonus „Meerblick“ lediglich auf 235.200 € steigert – und damit in dieser Kategorie die rote Laterne überraschend an Middelkerke weiterreicht.
Hintergrund: Meerblick fast unbezahlbar
Frontaler Meerblick hat in den zehn Küstengemeinden nach wie vor seinen (stattlichen) Preis. Wer die unverstellte Aussicht aufs Wasser genießen möchte, muss weiterhin tief in die Tasche greifen. Hier stieg der Preis im Schnitt in den dreizehn Badeorten gar um 14,0 Prozent auf 397.080 € (stets für zwei Zimmer). Faktisch ein Plus von 25,3 Prozent gegenüber einer „Küsten“wohnung ohne Meerblick. Und das sind nach wie vor die meisten… Ein Problem bleibt auch weiterhin der sehr überschaubare Anteil an neuer Bausubstanz. So betrafen 95,0 Prozent der Transaktionen in Knokke Bestandswohnraum, mancher mit teils vielen Jahren „auf dem Buckel“. Insgesamt standen im Vorjahr in allen Gemeinden lediglich 13 Prozent neue Appartements zum Verkauf. Die Bautätigkeit, die im Nachgang zu Pandemie, Energiekrise, Materialknappheit und Inflationshausse eingebrochen war, hinkt dem Bedarf respektive der Nachfrage weiter stark hinterher. Nicht zuletzt beklagen Bauherren und Promotoren auch in Westflandern die langen bürokratischen Fristen zur Erlangung von Baugenehmigungen.
Zeitpunkt: Zahlreiche Eigentümer an der Küste sehen aufgrund ihrer finanziellen Unabhängigkeit keinen Grund zum Verkauf – „Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen“
Was erklärt letztlich die ungewohnte Diskrepanz zwischen der geschrumpften Anzahl Transaktionen und dem zugleich deutlich gestiegenen Preisgefüge in den Gemeinden De Panne, Koksijde (Oostduinkerke), Nieuwpoort, Middelkerke (Westende), Ostende, Bredene, De Haan (Wenduine) Blankenberge, Zeebrügge und Knokke-Heist - gelistet von Süden nach Norden?
Die deutlich geringere Zahl an notariellen Akten erklärt die Branche durch die unerwartet gestiegene Nachfrage während und im Nachgang zur Pandemie, als zahlreiche Belgier aufgrund besonders der zeitweiligen Reisebeschränkungen etwa ihre Zweitresidenzen am Mittelmeer „über Nacht“ abstießen und an der heimischen Küste kaufen wollten.
Eine Entwicklung, die zwei, drei Jahre später wieder erkennbar ins Stocken geraten ist. Weshalb die Zahl der potenziellen Interessenten und vor allem auch der zahlungskräftigen Käufer von Natur aus rückläufig ist, wie FedNot, die Fédération du Notariat, in ihrer Analyse zu erkennen glaubt.
Hinzu kommt, dass viele (neue) Eigentümer für den Erwerb eines Appartements an der Küste nicht auf Kredite zurückgreifen mussten, sondern aus Eigenmitteln schöpften. So bestehe, dies die Erkenntnis des Notariats, aufgrund der finanziellen Unabhängigkeit kein Bedarf, sein Eigentum zeitnah zu veräußern.

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