Tom Brady schreibt wieder Geschichte

American Football

Tom Brady mit Tochter Vivian und Frau Gisele Bündchen. | Foto: Photo News

Tom Brady hat als erster Footballprofi zum sechsten Mal den Super Bowl gewonnen. Dass er beim Finale wenig Glanz verbreitete und sein Gegenüber Jared Goff enttäuschte, konnte dem Quarterback der New Englands Patriots egal sein.

Am Abend der Rekorde stahl nur seine kleine Vivian dem großen Tom Brady die Show. Auf Papas Arm fischte die Sechsjährige bei der Siegerehrung überglücklich nach Konfetti, dann hielt sie mit dem berühmten Quarterback die Vince Lombardi Trophy in die Höhe. Zum sechsten Mal hat Familienvater Brady mit den New England Patriots den Super Bowl gewonnen, keinem anderen Footballer ist das zuvor gelungen. Ein Glanzstück war der Triumph im Finale der US-Profiliga NFL diesmal aber ganz und gar nicht.

Über 100 Millionen Amerikaner vor den Fernsehern, mehr als 800 Millionen Fans weltweit und die 70.081 Zuschauer im Stadion von Atlanta/Georgia bekamen beim mit Spannung erwarteten Duell schwere Kost geboten. Mit 13:3 setzten sich Brady und seine Patriots in einem von den Defensivreihen geprägten Endspiel gegen die Los Angeles Rams durch und zogen mit Rekordsieger Pittsburgh Steelers (6) gleich. In Erinnerung bleiben wird das Aufeinandertreffen aber wohl nur wegen seiner Zahlen – positiv wie negativ.

Nie zuvor wurden in einem Super Bowl weniger Punkte erzielt. Der bisherige Tiefstwert stammte aus dem Jahr 1973, damals schlugen die Miami Dolphins die Washington Redskins 14:7. Kein Wunder, das in den Sozialen Netzwerken die Bezeichnung „Super Bore“, also Super-Langweiler, die Runde machte. „Ich wünschte, wir hätten in der Offense besser gespielt“, sagte Brady (41) und freute sich dennoch auf die anstehenden Feierlichkeiten. „Es könnte sein, dass wir am Dienstag eine Parade machen.“ Im Vorjahr war sie nach der Finalpleite gegen die Philadelphia Eagles ausgefallen.

Brady schaffte diesmal nicht einen Touchdown-Pass. Von 35 Würfen kamen 21 an, daraus wurden 262 Yards Raumgewinn. Für mehr als die Hälfte sorgte allein Julian Edelman (141), der Wide Receiver wurde folgerichtig als wertvollster Spieler (MVP) ausgezeichnet. „Das war eines der besten Spiele, die er jemals gemacht hat“, lobte Brady den flinken Passempfänger. Der einzige Touchdown gelang Sony Michel sieben Minuten vor Schluss nach einem Run über zwei Yards. Während die Patriots nach ihren Erfolgen von 2002, 2004, 2005, 2015 und 2017 erneut den großen Preis holten, blieben die Rams fast sprachlos zurück. Der hochgelobte Sean McVay, mit 33 Jahren jüngster Cheftrainer in der Geschichte des Super Bowls, wurde nach eigener Aussage von seinem Gegenüber Bill Belichick (66) schlicht „ausgecoacht“, und Quarterback Jared Goff (24) zahlte an einem rabenschwarzen Tag Lehrgeld.

Nervös, unsicher und planlos agierte der Spielmacher, traf immer wieder schlechte Entscheidungen und warf schlimme Pässe, die Offense der Rams kam nie ins Rollen. Der zweite Titelgewinn nach 2000, als die Franchise in Atlanta triumphiert hatte, war ganz weit weg. „Es bringt mich um. Es ist schrecklich“, sagte Goff: „Das ist die schlimmste Niederlage meines Lebens.“

Die Halbzeitshow in der hochmodernen Arena passte zum Spiel. Ziemlich unspektakulär präsentierten sich Maroon 5, Travis Scott und Big Boi bei ihrem Auftritt, am interessantesten war noch die logistische Leistung beim blitzschnellen Auf- und Abbau der riesigen Bühne.

Natürlich wurde Brady gefragt, ob er wirklich weitermachen wolle. Ob denn der sechste Titel, wie immer an der Seite von Belichick gefeiert, keinen Einfluss auf seine Pläne habe, bis 45 spielen zu wollen. „Das ändert nichts“, betonte der erfolgreichste Spieler der NFL-Historie, blickte ins Rund und fragte: „Wie könnte einen das nicht motivieren?“ (sid)

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