Adams ist auch einer der Architekten des Karfreitagsabkommens von 1998, das den jahrzehntelangen blutigen Bürgerkrieg beendete. An diesem Freitag wird er nun 75 Jahre alt.
Am 6. Oktober 1948 als eines von 13 Geschwistern in Belfast geboren, wuchs Gerard Adams in einer stark von der republikanischen Bewegung geprägten Familie auf. Schon sein Großvater hatte sich in der Unabhängigkeitsbewegung engagiert. Doch während der Süden der irischen Insel 1922 seine Unabhängigkeit erhielt, blieb der Norden Teil des Vereinigten Königreichs. Die Erfahrung der systematischen sozialen Benachteiligung katholischer Nordiren in dem von Protestanten dominierten britischen Landesteil prägte seine Kindheit und Jugend.
Nachdem er ohne Abschluss von der Schule abgegangen war, schloss sich Adams der republikanischen Bewegung an, die eine Vereinigung mit der Republik Irland zum Ziel hat. Bald machte er wegen seiner Führungsqualitäten auf sich aufmerksam. Ende der 60er-Jahre begann ein blutiger Konflikt zwischen Befürwortern und Gegnern der irischen Einheit, an dem auch die britische Armee und die Polizei teilnahmen. Die Briten nahmen Adams bereits Anfang der 70er-Jahre in Präventivhaft und sperrten ihn in das berüchtigte Internierungslager Long Kesh, das sich jedoch als Kaderschmiede für die republikanische Bewegung erweisen sollte.
1983 wurde Adams zum Präsidenten der Partei Sinn Fein gewählt, die als politischer Flügel der militanten katholisch-republikanischen Organisation IRA galt. Er sollte die Geschicke der Partei, deren Name soviel bedeutet wie „Wir Selbst“ mehr als 30 Jahre lang lenken. Unter seiner Führung wandte sich Sinn Fein dem Friedensprozess zu, konnte der politischen Isolation entkommen und wurde zu einem ernstzunehmenden politischen Akteur. In beiden Teilen Irlands ging Sinn Fein bei jüngsten Parlamentswahlen als stärkste Kraft hervor. Adams selbst wurde im Laufe der Jahre mehrmals ins britische Parlament gewählt, nahm seinen Sitz aber aus Protest nie ein. Er war zeitweise Abgeordneter im nordirischen Regionalparlament und Mitglied des irischen Parlaments in Dublin.
Bis heute konnte er aber den Ruf nicht abschütteln, auch ein wichtiger Anführer der IRA (Irish Republican Army) gewesen zu sein. Er stritt das stets ab. Doch er sagte auch: „Ich habe mich niemals von der IRAdistanziert.“
Obwohl er mehrmals wegen angeblicher Beteiligung an Gewalttaten angeklagt wurde, kam es nie zu einer Verurteilung. Unumstritten ist aber, dass er enge Verbindungen zu den Bewaffneten der IRA hatte und über großen Einfluss in ihren Reihen verfügte.
Dem „Spiegel“ sagte er vor einigen Jahren: „Ich bin nach wie vor überzeugt davon, dass der bewaffnete Kampf in diesem Fall legitim war.“ Doch die Toten - insgesamt 3.700, von denen 1.700 der IRA angelastet werden - bedauerte er. Natürlich habe „die IRA vieles gemacht, was sie nicht hätte tun sollen. Ich habe das damals verurteilt und bedauere es bis heute“, so Adams im „Spiegel“-Interview. Er selbst wurde mehrmals zum Ziel von Mordanschlägen militanter Protestanten. Einmal wurde er von Schüssen verletzt.
In den 90er-Jahren wurde Adams zu einer entscheidenden Figur im Friedensprozess. Nach Verhandlungen Adams' mit John Hume, dem damaligen Chef der gemäßigten republikanischen Partei SDLP, erklärte die IRA1994 einen bedingungslosen Waffenstillstand und ebnete damit den Weg zu Verhandlungen über einen Friedensschluss. Vier Jahre später kam es zum Karfreitagsabkommen.
Allerdings: Der Frieden ist bis heute wackelig, die Gesellschaft noch immer tief gespalten. Das Regionalparlament ist wegen Streits über die Brexit-Regeln für Nordirland lahmgelegt. Immer wieder kommt es zu Ausbrüchen von Gewalt. An eine Rückkehr zu den Tagen der „Troubles“ glaubt Adams aber nicht. Das Karfreitagsabkommen, so sagte er kürzlich in einem Interview des Senders ITV, sei nicht das Ziel seiner Bemühungen gewesen, sondern ein Mittel, um die Einheit Irlands auf friedlichem Weg herbeizuführen. (dpa/sc)

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