Nettorendite des neuen Staatsbons: 2,81 Prozent

<p>Nettorendite des neuen Staatsbons: 2,81 Prozent</p>
Foto: dpa

Finanzminister Vincent Van Peteghem (CD&V) gab am Dienstag die Konditionen des neuen Staatsbons bekannt, der Privatpersonen vorbehalten ist und ab diesen Donnerstag gezeichnet werden kann. Der Bruttozins (Kupon) der einjährigen Staatsanleihe beträgt 3,3 Prozent, was abzüglich der Provision für die Banken dem Marktzins entspricht. Die Nettorendite nach Abzug von 15 Prozent Quellensteuer (statt der üblichen 30 %) beläuft sich auf 2,81 Prozent. Wer demnach 1.000 Euro in diesen Staatsbon investiert, erhält nach einem Jahr 28,1 Euro.

Wie interessant ist diese Geldanlage wirklich und was sollten Sparer sonst noch wissen?

1.

Vorab: Was ist ein Staatsbon?

Ein Staatsbon ist eine Anleihe (Obligation), die vom Föderalstaat ausgegeben wird und sich an Privatpersonen richtet. Es ist das erste Mal, dass ein Staatsbon mit einer kurzen Laufzeit von nur einem Jahr emittiert wird. Bislang lag die Dauer stets zwischen drei und zehn Jahren. Die föderale Schuldagentur gibt seit 1996 viermal im Jahr einen Staatsbon aus. Von Mitte 2019 bis Anfang 2022 kam keine Staatsanleihe auf den Markt, da es aufgrund der niedrigen Zinsen kaum Interesse von privaten Anlegern gab.

2.
Warum gibt die Regierung eine steuerbegünstigte Staatsanleihe aus?

„Um die Banken zu ermutigen, ihre Sparbücher attraktiver zu gestalten und den Bürgern eine interessante Alternative zu bieten, wird die Quellensteuer für einjährige Staatsanleihen, die zwischen dem 1. Juli und dem 31. Dezember 2023 ausgegeben werden, von 30 auf 15 Prozent gesenkt“, heißt es in den Erläuterungen zur Entscheidung der Regierung, die Quellensteuer zu senken. Die Vivaldi-Parteien sind der Ansicht, dass die Banken die Sparzinsen im Vergleich zu der starken Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht ausreichend erhöht haben. „Unsere Familien und Alleinstehenden verdienen eine marktgerechte Verzinsung ihrer Ersparnisse“, so Finanzminister Van Peteghem, als er am Dienstag den Zinssatz für den neuen Staatsbon bekannt gab. „Deshalb fordere ich die Banken abermals auf, ihre Verantwortung zu übernehmen und den Sparzins im Rahmen der derzeitigen finanziellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten weiter steigen zu lassen. Die Kluft zwischen den Zinsen, die die Banken einnehmen, und denen, die sie an die Sparer auszahlen, ist nach wie vor zu groß.“

3.

Wie viel kostet ein Staatsbon?

Der neue Staatsbon kostet 100 Euro und kann mit Vielfachen von 100 Euro gezeichnet werden.

4.

Ist der Staatsbon eine attraktive Anlage?

Kein reguliertes Sparkonto bietet eine Rendite von annähernd 2,81 Prozent. Laut guide-epargne.be bringt das Sparbuch von Santander die höchste Rendite: bis zu 2,50 Prozent netto, wenn man das Geld mindestens ein Jahr lang anlegt. Die Mindesteinlage liegt jedoch bei 125.000 €. Das Sparbuch mit den höchsten Nettozinsen ohne hohen Mindestbetrag bringt das von MeDirect mit 2,30 Prozent netto ein – bei 1.000 Euro ist dies 5 Euro weniger als der Staatsbon. Die Großbanken hinken mit Renditen von nur 1,50 Prozent (BNP Paribas Fortis und ING), 1,25 Prozent (Belfius) und 0,90 Prozent (KBC) weit hinterher. Die höchsten Nettozinsen auf einem einjährigen Terminkonto bot bislang die Deutsche Bank (mindestens 100.000 Euro), doch ging die Antwerpener Bank Argenta am Dienstag mit derselben Nettorendite wie beim Staatsbon (2,81 %) in die Gegenoffensive (siehe auch „Hintergrund“ unten).

Wenn man Erspartes auf seinem Sparkonto auf den einjährigen Staatsbon umschichtet, sollte man allerdings auch berechnen, wie viel Treueprämie verloren geht.

Unter dem Gesichtspunkt der Rendite scheint der Staatsbon also attraktiv zu sein. Vor allem für diejenigen, die ihr Geld ein Jahr lang sicher auf die Seite legen und trotzdem eine gewisse Rendite erzielen wollen. Diejenigen, die darauf spekulieren, dass die EZB die kurzfristigen Zinssätze weiter anheben und die Regierung gegen Ende des Jahres eine weitere einjährige Anleihe ausgeben wird, werden jetzt nicht zugreifen.

5.

Ist die Staatsanleihe eine sichere Anlage?

Ja. Unser Land leidet zwar unter einer hohen Staatsverschuldung und einer beträchtlichen Haushaltslücke, doch gilt Belgien als Land mit einer sehr hohen Kreditwürdigkeit. Es hat das dritthöchste Kreditrating (AA) bei der Ratingagentur Standard & Poor's und das vierthöchste bei Moody's (Aa3) und Fitch (AA-). Dieses traditionelle Rating bewertet die langfristigen Schulden. Es gibt auch – weniger bekannte – kurzfristige Ratings, die für den einjährigen Staatsbon relevanter sind. In diesem Bereich erreicht Belgien die allerhöchste Bewertung, auf dem gleichen Niveau wie Deutschland und die Niederlande.

6.
Wo und wann kann man den Staatsbon kaufen?

Von Donnerstag, 24. August, bis Freitag, 1. September, kann der neue Staatsbon bei 14 Banken und Maklerhäusern gezeichnet werden: bei den vier größten Banken des Landes (BNP Paribas Fortis, KBC, Belfius und ING) sowie u.a. bei ABN AMRO, Bank Degroof Petercam, Beobank, BPost Bank, Crelan, Deutsche Bank, Keytrade Bank und Börsenhaus Leleux. Bei Argenta kann man die Anleihe nicht zeichnen. Bei BNP Paribas Fortis, Belfius, ING und Keytrade Bank kann man den Staatsbon online kaufen. Bei der KBC kann man in einer Zweigstelle oder per Telefon zeichnen und bei Crelan und Bpost Bank nur in einer Filiale.

Die Provision, die den Banken für den Vertrieb des Staatsbons gezahlt wird, wurde auf 0,1 bis 0,3 Prozent festgesetzt.

Interessenten können die Anleihe, vom 24. bis 31. August, auch direkt beim sogenannten Hauptbuch der Schuldagentur über die Website www.bonsdetat.be (Anmeldung über itsme oder e-ID) zeichnen.

Eine Zeichnung bei der Schuldagentur hat den Vorteil, dass sie keine Verwahrungsgebühren anrechnet. Kleinere Banken tun dies wohl (0,15 % in der Regel). BNP Paribas Fortis, ING und Belfius haben beschlossen, ausnahmsweise für diesen Staatsbon keine Verwahrungsgebühr zu erheben, während die KBC nie solche Kosten für Staatsanleihen berechnet. Eine Zeichnung über eine Bank oder ein Maklerhaus kann dazu führen, dass vermögende Anleger (mehr) Wertpapiersteuern zahlen müssen, wenn der Wert ihres Depots eine Million Euro übersteigt. Das Hauptbuch gilt nicht als Wertpapierdepot, sodass Anlagen von mehr als einer Million von der Wertpapiersteuer befreit sind.

Die Zeichnungen werden nicht vorzeitig geschlossen, auch nicht im Falle eines großen Erfolgs.

7.

Kann man den Staatsbon vor Fälligkeit verkaufen?

Wenn man das Geld vor Ablauf der einjährigen Frist benötigt, kann man seine Staatsbons über die Bank, das Maklerbüro bzw. die Schuldagentur vorzeitig auf dem sog. Sekundärmarkt verkaufen. In diesem Fall erhält man möglicherweise nicht den gesamten Betrag zurück. Staatsbons werden an der Brüsseler Börse notiert, und ihr Wert kann sich täglich ändern, da das Gesetz von Angebot und Nachfrage den Preis der Anleihe bestimmt. Das nennt man das Marktrisiko: Wenn die Marktzinsen steigen, sinkt der Wert, wenn die Zinsen fallen, steigt er. Bank und Makler erheben beim Verkauf vor Fälligkeit eine Gebühr, die Schuldagentur nicht. Wer über eine Bank verkauft, muss außerdem 0,12 % Börsenumsatzsteuer zahlen.

8.

Wie viel wird der neue Staatsbon einbringen?

Das lässt sich nur schwer vorhersagen. Die Schuldagentur erwartet deutlich mehr Einnahmen als bei früheren Ausgaben. Mit der letzten dreijährigen Staatsanleihe wurden 97 Millionen einkassiert. Die Schuldagentur rechnet mit einer bis drei Milliarden. Die Leterme-Staatsbons brachten Ende 2011 zusammen 5,7 Milliarden ein.

9.
Wie wichtig sind Staatsanleihen als Finanzierungsmittel?

Staatsbons haben bisher nur einen sehr kleinen Teil der Haushaltsdefizite und der Staatsverschuldung finanziert. Die beiden diesjährigen Emissionen erbrachten 390 Millionen Euro. Das sind 0,8 
 % des Gesamtbetrags von 51 Milliarden, den der Staat im Jahr 2023 aufnehmen muss. Der ausstehende Betrag der Staatsanleihen beläuft sich auf 561 Millionen Euro. Das sind etwas mehr als 0,1 
 % der föderalen Schulden von 489 Milliarden. Der erwartete Erfolg des steuerbegünstigten Staatsbons wird die Bedeutung von Staatsanleihen als Finanzierungsquelle erhöhen. Für seine Finanzierung macht sich der Staat dadurch etwas weniger abhängig von professionellen Anlegern im In- und Ausland.

10.
Wird es später noch steuerbegünstigte Staatsbons geben?

Möglicherweise wird es Anfang Dezember eine zweite Emission geben. Das wird im November entschieden.

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