Am 1. Juli 2023, dem 150. Jahrestag der Abschaffung der Sklaverei, hat König Willem-Alexander der Niederlande sich für das Unrecht der Sklaverei entschuldigt. Bereits im vorigen Jahr hatte Premierminister Mark Rutte eine öffentliche Entschuldigung im Namen des Landes ausgesprochen. Dem schloss sich der König nun auch persönlich und förmlich an.
Doch nicht in jedem europäischen Land wird die koloniale Vergangenheit in gleicher Weise aufgearbeitet. Eine formelle und direkte Entschuldigung für die kolonialen Verbrechen im Kongo seitens des belgischen Königshauses lässt bisher noch auf sich warten.
In den großen Städten des Landes stehen noch immer Standbilder Leopolds II. – ein Zeichen dafür wie wenig die belgische Kolonialgeschichte aufgearbeitet wurde. Ein Beispiel dafür ist die Statue in Ostende, die unbekleidete Kongolesen zeigt, die dem König für die vermeintliche Zivilisierung danken. Nach dem Tod von George Floyd, den darauffolgenden Protesten und dem sechzigsten Gedenktag der Unabhängigkeit Kongos, kam die Debatte wieder auf, wie die Belgier*innen mit ihrer Kolonialgeschichte umgehen sollten.
In diesem Zusammenhang wurden unter anderem in Ostende, Brüssel, Gent und Halle die Statuen des ehemaligen Königs beschädigt. Und obwohl Aktivisten im Jahr 2019 den ehemaligen flämischen Kulturminister Sven Gatz im Nationaltheater Gent dazu drängten, eine Entschuldigung für Belgiens koloniale Vergangenheit auszusprechen, beharrten die belgische Föderalregierung und das Königshaus lange Zeit darauf, dies nicht zu tun.
Erst durch den Druck der Zivilgesellschaft und der Öffentlichkeit verfasste König Philippe am 30. Juni 2020, dem Jahrestag der Unabhängigkeit der Ex-Kolonie, dennoch einen Brief an den kongolesischen Staatspräsidenten Felix Tshisekedi, in dem er sein „tiefstes Bedauern“ für das Unrecht, welches während der belgischen Kolonialherrschaft im Kongo begangen wurde, ausspricht. Obwohl dies ein bis dato einzigartig Ereignis war, war die Formulierung der Entschuldigung umstritten. In dem Brief wurden die kolonialen Verbrechen hauptsächlich in Form von Passivkonstruktionen und Subjektivierungen ausgedrückt. Außerdem vermied es der König, direkte historische Verantwortung, z.B. in Form von Reparationszahlungen, zu übernehmen.
Dennoch gab es unter Befürworter*innen die Hoffnung, dass während des Staatsbesuchs des belgischen Königspaars in der ehemaligen Kolonie im vergangenen Jahr, eine formelle und bedeutende Entschuldigung für die koloniale Vergangenheit erfolgen würde. Jedoch wurde auch hier keine direkte Entschuldigung geäußert und wurden mögliche Reparationen abgelehnt. Nichtsdestotrotz kann der formulierte Brief sowie der Staatsbesuch und die Ankündigung, 85.000 Kunstwerke und Reliquien an den Kongo zurückzugeben, als Anfang der Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit gesehen werden.
Ob die Kongolesen in Zukunft doch noch eine konkrete, formelle Entschuldigung erwarten können, angesichts der jüngsten Entschuldigung des Königspaars aus dem Nachbarland für die niederländische Sklaverei, bleibt abzuwarten.
Dieser Beitrag erscheint im Rahmen des Projektes „Media and Me“. Während drei Tagen erhalten Teilnehmer ab 16 Jahren unter anderem Einblicke in die Abläufe der GrenzEcho-Redaktion und erstellen journalistische Texte zu aktuellen gesellschaftlichen Themen.

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