Hausaufgaben: ProDG und Ministerin bemühen sich um Klarstellung

<p>Rund um das Thema Hausaufgaben war in den letzten Tagen Verwirrung entstanden. Nun haben sich die ProDG-Fraktion und Bildungsministerin Lydia Klinkenberg um eine Klarstellung bemüht.</p>
Rund um das Thema Hausaufgaben war in den letzten Tagen Verwirrung entstanden. Nun haben sich die ProDG-Fraktion und Bildungsministerin Lydia Klinkenberg um eine Klarstellung bemüht. | Illustration: dpa

„Die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft schafft die schulischen Aufgaben nicht ab“, heißt es in einer Mitteilung aus dem Kabinett von Ministerin Lydia Klinkenberg. „Vielmehr reformiert sie die Hausaufgabenpraxis in den Primarschulen, indem sie einen zeitlichen Rahmen für die Aufgaben vorgibt. Das Ziel ist es zu gewährleisten, dass schulische Aufgaben effizient und zielführend eingesetzt werden und dem Alter der Lernenden angepasst sind. In einem zweiten Schritt sollen alle Schüler im Sinne der Bildungsgerechtigkeit Zugang zu einer kostenlosen Aufgabenbetreuung erhalten.“ Die OECD habe in ihrer wissenschaftlichen Analyse des ostbelgischen Bildungssystems im vergangenen Jahr festgestellt, dass das Bildungssystem in der DG im Vergleich zu anderen Systemen eine „sehr ausgeprägte“ Hausaufgabenkultur aufweise.

„Daher ist es wenig überraschend, dass sich viele Eltern mehr Betreuungsangebote wünschen. Schon im Jahr 2019 wurde im Rahmen der Entwicklung einer Vision für das ostbelgische Bildungssystem eine repräsentative Umfrage durchgeführt. Damals sprachen sich 57 % der Umfrageteilnehmer für mehr Aufgabenbetreuungsmöglichkeiten aus. Basierend auf diesen Feststellungen und den Empfehlungen der Schulaufgaben-Forscherin der Pädagogischen Hochschule Bern, Dr. Moroni, haben wir daher einen rechtlichen Rahmen geschaffen. Auch schulintern soll es bereits im Jahr 2024 Aufgabenbetreuungsangebote geben. Mit diesem Ziel vor Augen, möchten wir fortan nicht mehr von Hausaufgaben, sondern von Schulaufgaben sprechen, da die Aufgaben längerfristig im schulischen Kontext erledigt werden sollen“, erläutert die Bildungsministerin.

Der Dekrettext, der am Montag verabschiedet wurde, definiere Schulaufgaben als „Aufgaben, die der Lehrer den Schülern zum Vertiefen der erworbenen Kompetenzen, zur Vorbereitung auf Tests und Prüfungen sowie zum Erlernen des eigenständigen Arbeitens erteilt“. Das Ziel von schulischen Aufgaben sei es also, Erlerntes zu vertiefen und zu üben, und die Schüler zum selbstverantwortlichen Arbeiten zu befähigen. „Wir zweifeln nicht die Sinnhaftigkeit von Schulaufgaben an. Vielmehr möchten wir sicherstellen, dass Umfang und Zielsetzung der Hausaufgaben angemessen sind. Anders als in der Berichterstattung in den sozialen Medien zu lesen war, schaffen wir die Hausaufgaben in den Primarschulen also keineswegs ab. Wir regulieren sie lediglich und folgen dabei den Empfehlungen der Wissenschaft. Und selbstverständlich werden die Eltern weiterhin die Möglichkeit haben, Feedback dazu zu erhalten, wo ihr Kind steht, wo es gegebenenfalls noch Entwicklungsbedarf gibt und wie sie es individuell noch weiter fördern können“, erklärt Lydia Klinkenberg.

Das Hausaufgabendekret lege die maximale Dauer, die zur Bearbeitung der Schulaufgaben aufgebracht wird, fest. Die Dauer erhöht sich, dem Alter der Schüler entsprechend, progressiv von der ersten bis zur letzten Stufe der Primarschule: von 15 Minuten im 1. und 2. Schuljahr, über 20 Minuten im 3. und 4. Schuljahr bis zu 30 Minuten im 5. und 6. Schuljahr pro Tag. Für die Sekundarschule werden keine zeitlichen Vorgaben gemacht. Die Sekundarschüler werden Hausaufgaben auch weiterhin außerhalb der Schule bearbeiten, jedoch werden vermehrt Möglichkeiten geschaffen, Aufgaben außerhalb der Unterrichtszeit in der Schule zu erledigen. Das Dekret sieht vor, dass die Sekundarschulen sicherstellen müssen, dass Absprachen zwischen Lehrern getroffen werden, damit die Anzahl Tests und der Umfang der Hausaufgaben angemessen sind.

In einem zweiten Schritt möchte die Regierung dafür sorgen, dass alle Schüler Zugang zu einer kostenlosen Aufgabenbetreuung erhalten. Die bereits bestehenden schulexternen Betreuungsangebote sollen auch weiterhin strukturell gefördert werden. „Die sogenannten Hausaufgabenschulen leisten wertvolle Arbeit. Sie werden ihre Daseinsberechtigung keinesfalls verlieren und auch künftig eine wichtige Stütze für Schülerinnen und Schüler mit besonderen Bedarfen sein, z.B. für Lernende, deren Eltern die Unterrichtssprache nicht beherrschen und daher z. B. keine Leseförderung gewährleisten können. Künftig wird bei den schulexternen Unterstützungsangeboten weniger die Bearbeitung der Hausaufgaben und mehr die individuelle Förderung im Vordergrund stehen“, so Ministerin Klinkenberg. (red/sc)

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