Im Rahmen des EU-Bildungsministerrats sagte Lydia Klinkenberg in ihrer Rede: „Die jüngsten PIRLS1- und PISA-Resultate zeigen deutlich, dass die Förderung der Lesekompetenz unsere Kernaufgabe bleiben muss. Die neuen Medien und das Internet haben das Freizeitverhalten unserer Kinder und Jugendlichen verändert. Sie lesen immer seltener Bücher. Die Leseförderung findet oftmals ausschließlich in der Schule statt. Besondere Unterstützung bei der Förderung der Bildungssprache und der Lesekompetenz benötigen zugezogene fremdsprachige Schüler und Schüler aus sozioökonomisch benachteiligten Familien. Die Ergebnisse der IGLU-Studie 2021 zeigen, dass in Belgien Schüler, die zu Hause nicht oder kaum in der Unterrichtssprache kommunizieren, schlechtere Ergebnisse erzielen als jene, die daheim immer oder fast immer die Unterrichtssprache sprechen. Allerdings hat die Lesekompetenz bei jenen Schülern am stärksten abgenommen, die zu Hause die Unterrichtssprache sprechen.“
Zum aktuellen Stand der Dinge sagte sie: „Um die Lesekompetenz zu verbessern, werden den Lehrern in den drei Gemeinschaften Belgiens Bildungsstandards mit klaren Kompetenzerwartungen an die Hand gegeben. In allen drei Gemeinschaften wird zudem die Sprach- und Lesedidaktik in der Lehrerausbildung verstärkt. Die Lehrer werden befähigt, in allen Fächern und Schulstufen durchgehend die sprachlichen Kompetenzen der Schüler in der Bildungssprache zu fördern. Zur durchgängigen Sprachbildung der Schüler werden geeignete Förderinstrumente entwickelt, um alle Schüler vom Kindergarten bis zum Ende der Sekundarstufe zu unterstützen.“
Auch müssten die Lehrer über die Erstausbildung und Weiterbildung noch besser befähigt werden, Leseschwächen frühzeitig zu diagnostizieren und Mittel zur Differenzierung und individuellen Förderung einzusetzen. Gerade in den ersten Jahren der Grundschule müssen mehr zeitliche Freiräume geschaffen werden für den Erwerb der Grundkompetenzen im sprachlichen und mathematischen Bereich. Denn diese seien für den Erfolg des weiteren Bildungs- und Lebenswegs entscheidend, betonte die Ministerin abschließend in ihrer Rede.
Lydia Klinkenberg erklärt: „Unsere Schülerinnen und Schülern sind in den Ergebnissen der IGLU-Studie nicht vertreten, da die Deutschsprachige Gemeinschaft 2021 nicht an der Studie teilgenommen hat. Die Resultate unserer Nachbarregionen und die der anderen europäischen Länder deuten auf einen deutlichen Rückgang der Lesekompetenz hin. Dieser Trend ist Anlass zur Sorge, wenn man weiß, dass insbesondere die Lesekompetenz von immenser Bedeutung für die Bildungschancen und das lebenslange Lernen ist. Aus diesem Grund hat die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft bereits vor einigen Jahren die Förderung der durchgängigen Sprachbildung in das regionale Entwicklungskonzept aufgenommen und somit zu einem der zentralen Ziele der Bildungspolitik erklärt. Um zu gewährleisten, dass in allen Stufen und Fächern sprachsensibler Unterricht erteilt wird und die Bildungssprache durchgängig gefördert wird, haben wir mit einer wissenschaftlichen Begleitung eine Handreichung für die Schulen erstellen lassen, die im nächsten Schuljahr die Lehrpersonen bei der durchgängigen Sprachförderung unterstützen soll. Die Autonome Hochschule Ostbelgien bietet zudem entsprechende Weiterbildungen für Lehrer an.“ (red/sc)

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