In „Flanderns Schönste“ hat sich auch Tadej Pogacar längst verguckt. „Die Energie dieses Rennens und die Radsport-Leidenschaft in Belgien sind etwas ganz Besonderes“, schwärmt der zweifache Tour-Sieger vor der legendären Flandern-Rundfahrt am Sonntag. Der Slowene bestreitet den Frühjahrs-Klassiker zum zweiten Mal in seiner Karriere - voller Vorfreude, in bestechender Form und dennoch nicht als Topfavorit.
Denn wenn die bisherige Saison eines gezeigt hat, dann, dass es Pogacar nicht gelingt, seinen ärgsten Konkurrenten zu enteilen. Am belgischen Alleskönner Wout van Aert und an Mathieu van der Poel aus den Niederlanden beißt sich der 24-Jährige vom UAE Team Emirates immer wieder die Zähne aus. Van der Poel siegte im Solo bei Mailand-Sanremo, van Aert war beim E3 Saxo Classic im Sprint zu stark.
Vieles spricht dafür, dass die drei Ausnahmefahrer auch bei der „Ronde“ die Entscheidung unter sich ausmachen werden: „Die machen gerade das, was sie wollen - sie sind einfach extrem stark“, sagte der deutsche Meister Nils Politt der Münchner AZ.
So richtig los geht es nach rund der Hälfte der 273 km. Ab dann nämlich steht ein Großteil der insgesamt über 3.000 Höhenmeter an - verteilt auf stolze 19 kleinere, giftige Anstiege. Zudem muss sich das Fahrerfeld immer wieder über Kopfsteinpflaster-Passagen quälen.
„Einen Tour-de-France-Sieger so fahren zu sehen, ist außergewöhnlich.“
Für Pogacar wird es darum gehen, seine Kontrahenten frühzeitig abzuhängen - im Zielsprint ist er van Aert und dem zweimaligen „Ronde“-Sieger van der Poel unterlegen. Am insgesamt dreimal zu befahrenden Oude Kwaremont wittert er seine Chance: „Es ist der längste Hügel, und ich werde mein Bestes versuchen“. Vergangenes Jahr noch zahlte Pogacar Lehrgeld, musste sich nach taktischen Fehlern im Schlussspurt mit Rang vier zufrieden geben.
Und dennoch ist es äußerst beachtlich, dass Pogacar als Kletterspezialist bei den Klassikern überhaupt ganz vorne mitfährt: „Einen Tour-de-France-Sieger so fahren zu sehen, ist außergewöhnlich. Er ist ein echter Champion“, sagt van Aert. Ob es diesmal sogar zum großen Wurf reicht, bleibt abzuwarten - fest steht aber: „Flanderns Schönste“ wird auch 2023 wieder hart umkämpft sein. (sid/jod)

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