Dass Rochefort im Januar die Tabelle der 3. Division Amateure anführen würde, hätten einem vor der Saison nicht nur die Wahrsager prophezeit. Dass Richelle nach 17 Spielen mit dem Topfavoriten der Serie punktgleich Schritt hält, kommt hingegen eher überraschend. „Wir sind uns bewusst, dass es für uns mittlerweile um etwas geht. Das bedeutet aber nicht, dass wir jetzt die Bodenhaftung verlieren“, versichert Abwehrspieler Corentin Servais, der heute Abend eine Reise in seine Vergangenheit unternimmt. Von 2015 bis 2018 lief der Jugendspieler der AS Eupen für die Union Kelmis auf.
„Wir bleiben ruhig und wissen, dass das Glück diese Saison bisher oft auf unserer Seite stand. Wir spielen nicht schlecht, aber auch nicht wie eine Topmannschaft – und trotzdem gewinnen wir.“ Im Stile einer Spitzenmannschaft also? „Das glaube ich nicht. Wir bleiben in der Außenseiterrolle, in der wir uns sehr gut gefallen. Im Vergleich zu Rochefort haben wir viel geringere Mittel.“
Seine ehemalige Mannschaft, von der an der Stadionstraße nicht mehr viel übrig geblieben ist, belegt in der Tabelle Platz acht, elf Punkte hinter Richelle. Dennoch nimmt der 27-Jährige aus Herve die Gastgeber nicht auf die leichte Schulter: „Es ist und bleibt en Lütticher Derby in dieser Serie. Kelmis ist sehr organisiert, und wir kennen uns untereinander sehr gut. Im Hinspiel haben wir nur durch einen Freistoß den Unterschied ausmachen können.“ Damals gewann Richelle – ohne Servais – mit 1:0.
Dabei ist Servais nicht der einzige Ex-Kelmiser im Kader des Co-Tabellenführers: Torwart Alexandre Rausin, Cédric Lanckohr und Charles Weber betreten heute ebenfalls bekanntes Terrain. „Ich bin mit Kelmis aus der D2 in die D3 Amateure abgestiegen, der Klub hatte damals einen schweren Stand. Es freut mich, ihn wieder in den Nationalklassen zu sehen. Ich weiß, dass die Union gut geführt ist, und das ist für den Fußball in unserer Provinz wichtig.“
Bei den Unionern darf Kevin Volont nach der Ampelkarte vergangene Woche gegen Aywaille (0:0) diesmal nicht mitwirken, Tom Cornet kehrt nach abgesessener Sperre seinerseits zurück – ebenso wie Torhüter Amaury Joiris, der den Platz zwischen den Pfosten wieder einnimmt.
Bei den Nachbarn aus Raeren-Eynatten war bis vor sechs Tagen der Gewinn der zweiten Tranche ein Thema. Die hatten sie vor einem Jahr für sich entschieden und sich damit schon vorzeitig für die Aufstiegsrunde qualifiziert. Nach dem 2:2-Remis gegen Mormont – Raeren verspielte eine 2:0-Führung – ist Rochefort an der Spitze der zweiten Tranche jedoch auf fünf Punkte enteilt. Rechnerisch ist in bei noch neun ausstehenden Punkten alles drin, doch lässt der Erstplatzierte kaum Grund zum Zweifeln an seiner Stärke.
„Auch wenn diese zweite Tranche erfolgreich ist, und wir als Einzige einen Punkt in Rochefort geholt haben, ist diese Mannschaft unglaublich schwer zu stoppen“, befürchtet Trainer Eric Vandebon. Heißt: Raeren-Eynatten wird sich wohl nur über die Gesamttabelle für die Endrunde qualifizieren. Dafür braucht es gegen Herstal aus dem unteren Tabellenmittelfeld den ersten Sieg des Jahres, und damit die Verlängerung der Ungeschlagen-Serie. Walther Collubrys Glückspulli liegt sicherlich schon bereit... (lm/tf)

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