Glaube und Religion

Lieber Freddy,

Du hast gut getan, mit deinem Sprachtalent, die Gehässigkeiten des Leserbriefes von Alexander Hezel vom 23. Dezember aufzuzeigen. Ich wusste nicht recht wie reagieren. Es ist wichtig, dass wir solche Äußerungen nicht einfach stillschweigend hinnehmen. Wir dürfen uns nicht aufgrund einer nicht immer gloreichen Vergangenheit von diesen „Aufklärern“ für dumm verschleißen, oder mit Schuldgefühlen beladen lassen. Richtige Atheisten, Schüler von Sartre und Feuerbach wissen, dass auch sie immer Suchende und Fragende bleiben.

Kommentare

  • Herr Calles, können Sie vielleicht benennen, welche denn genau die "Gehässigkeiten" in meinem Leserbrief waren?

  • Worin genau besteht Ihr Suchen und Ihr Fragen, Herr Calles wenn Sie es als gehässig ansehen, wenn jemand den „Wahrheitsgehalt“ des Weihnachtsmärchens infrage stellt? Das Beleidigtsein ist nicht unbedingt ein Zeichen authentischen Glaubens sondern das bekannte Ritual reaktionärer Glaubenshüter.

    Darüber, was bisher das vermeintliche „Großereignis der Weltgeschichte“ war, kann man 300 Jahre nach Beginn der Aufklärung hoffentlich noch geteilter Meinung sein.

    Ein anderes Großereignis kündigt sich zumindest 1,5 Millionen km von der Erde an, wo das James Webb Teleskop seit einem Jahr seine Bahn zieht und uns täglich neue Eindrücke und Erkenntnisse über das Universum und möglicherweise seine Entstehung liefert.
    Ginge es nur um die Frage, ob es eine Inspiration in einem Moment göttlicher Langweile war, die zur Geburt des Universums geführt hat oder das Universum „jungfräulich“ aus dem Nichts entstanden ist, könnten wir uns zurücklehnen und abwarten, was die Wissenschaft in den kommenden Jahren (oder für die nach uns Kommenden, Jahrzehnten) uns dazu zu sagen hat.

    Ihr vertraue ich zumindest mehr als „einer chaotisch zusammengestoppelten Anthologie zusammenhangloser Schriften, die von dutzenden anonymer Autoren, Herausgebern und Kopisten verfasst, umgearbeitet, übersetzt, verfälscht und ‚verbessert‘ wurden, von Personen, die wir nicht kennen, die sich auch meist untereinander nicht kannten und deren Lebenszeiten sich über neun Jahrhunderte erstrecken.“ (R. Dawkins) oder einem arabischen Analphabeten namens Mohamed, dem in der Wüste der Erzengel Gabriel erschien.

    Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch diese letzte Frage, an die sich zumindest die katholische Kirche verzweifelt wie an einen Strohhalm klammert, gelöst ist.
    Alle anderen biblisch/religiösen Märchen musste sie im Zuge wissenschaftlicher Erkenntnisse und nach zum Teil heftigen Verteidigungsschlachten aufgeben.

    Die Errungenschaften der abendländischen, auf Altertum und Renaissance beruhenden Kultur, die die Christen unrechtmäßig für sich beanspruchen, konnte in Wirklichkeit in all ihren ethisch-moralischen Gesichtspunkten (u.a. die Menschenrechte und Rechte von Frauen) und Erkenntnisdisziplinen (Stichwort Galilei) nur gegen den erbitterten Widerstand der Kirchen und Glaubenshüter erstritten werden. Auf eine „Friedensbotschaft“ hat weder Jesus von Nazareth (der wohl eher in Nazareth und nicht in Bethlehem geboren wurde, ups noch eine wissenschaftliche Blasphemie) noch die Christen ein Autorenrecht.

    Eines scheint gewiss: die tausenden Götter, die sich die Menschen in ihrer Evolutionsgeschichte seit ihrer Bewusstseinswerdung geschaffen haben, um u.a. ihre Ängste zu überwinden, wird das JWT in den Tiefen des Alls wohl nicht finden.

    Allenfalls Hinweise darauf, dass die Religion und der Glaube an einen, allmächtigen, allwissenden und allgütigen Gott nichts anderes als die wohl „höchste menschliche Eitelkeit“ ist. (Friedrich Hebbel)

    Jetzt können Sie wieder beleidigt sein oder gehässig finden (die Inquisition gibt es, der Aufklärung sei dank, ja nicht mehr), wenn jemand religiös unhaltbare Märchen zurecht rückt.
    Falls für Zweifel Platz ist: „Warum ich kein Christ sein will - Mein Weg vom christlichen Glauben zu einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung“ von Prof. Dr. Uwe Lehnert.

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