Auf der Suche nach neuen Wählern, die sie endlich in den Élyséepalast bringen könnten, versucht die gewiefte Polit-Veteranin, die radikal rechte Vergangenheit ihrer Partei weit hinter sich zu lassen. Mäßigung scheint das Motto der neuen Le Pen, die am 24. April erneut bei der entscheidenden zweiten Runde der Präsidentschaftswahl auf Emmanuel Macron trifft.
Die studierte Juristin übernahm 2011 die Partei Front National von ihrem Vater Jean-Marie und begann mit deren „Entteufelung“. Das alte rassistische Vokabular verbannte sie, den Vater ließ sie ausschließen, als der die Gaskammern der Nazis erneut als „Detail der Geschichte“ bezeichnet hatte. Mittlerweile gilt die in Rassemblement National umbenannte Partei bis in Teile des bürgerlich rechten Lagers hinein als wählbar – eine Errungenschaft, die viele Le Pen persönlich anrechnen.
Doch für einen Erfolg bei der zweiten Runde der Präsidentschaftswahl am 24. April braucht die scharfzüngige Rednerin noch mehr Rückhalt. Den will sie offenbar auch über Sympathiepunkte gewinnen: Derzeit ist sie vor allem beim Schießen von Selfies mit Anhängern zu sehen, bei Umarmungen auf Marktplätzen oder mit strahlendem Lächeln in TV-Interviews und auf ihrem neuen Wahlplakat.
Im Wahlkampf bekannte sich Le Pen als Katzen-Fan und beschrieb ihr Leben in einer WG mit ihrer Jugendfreundin. Vorbei die Zeiten der permanenten verbalen Frontal-Angriffe auf ihre politischen Gegner und der gezielten Polemik. „Ich habe Lärm und Wut satt“, sagte sie vor Kurzem. „Ich habe Lust auf Effizienz und Ausgeglichenheit.“ Der Soziologe Stéphane Wahnich beschrieb all das jüngst als einen „offensichtlichen Bruch mit der traditionellen Kommunikation dieser Bewegung, die auf dem Bild eines starken Anführers gründet, hinter dem das Volk sich versammeln kann“.
Doch während einige extreme Forderungen mittlerweile aus Le Pens Programm verschwunden sind – wie der Austritt Frankreichs aus EU und Euro – bleiben Le Pens Vorstellungen für Frankreich deutlich rechts und nationalistisch. So will sie eine bevorzugte Behandlung von Franzosen gegenüber Ausländern in der Verfassung festschreiben lassen, etwa bei Sozialleistungen und dem Zugriff auf Wohnraum.
Der Einwanderung soll ein Riegel vorgeschoben werden. Flüchtlinge sollen nur noch in ihren Herkunftsländern Asyl für Frankreich beantragen dürfen. Bürgerreferenden sollen die Politik prägen. Nationales Recht soll über internationalem stehen. Und außenpolitisch geht die Politikerin auf Distanz zur Nato und zu Deutschland.
Marine Le Pen kam 1968 nahe Paris als jüngste Tochter Jean-Marie Le Pens zur Welt. Im Alter von acht Jahren wurde sie von einer Bombenexplosion aus dem Schlaf gerissen – ein Anschlag auf ihren Vater. Le Pen studierte Jura und arbeitete erst als Rechtsanwältin, dann führte sie die Rechtsabteilung der Front National. Sie hat drei Kinder. Ihre zwei Ehen gingen auseinander.
Ob die Wähler näher der Mitte Le Pen ihren aktuellen Glättungskurs abnehmen und sie als seriöse Alternative zum staatsmännisch auftretenden Macron sehen, wird die Stichwahl zeigen. Umfragen bescheinigten ihr zunächst jedenfalls bessere Chancen gegen den Liberalen als noch 2017. (dpa)

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren