Große Spannung vor den Grammys

<p>Jon Batiste wird bei der diesjährigen Grammy-Verleihung auftreten.</p>
Jon Batiste wird bei der diesjährigen Grammy-Verleihung auftreten. | Foto: Chris Pizzello/Invision/AP/dpa

Jon wer? So dürften manche Musikfans gerätselt haben, als sich Batistes Favoritenrolle für die wegen Corona auf Anfang April verschobene Gala herauskristallisierte. Sollte der Afroamerikaner mit seinem auch politisch relevanten, bürgerrechtsbewegten Album „We Are“ gegen starke Pop-Konkurrenz siegen, rückt er wohl endgültig in den Kreis der Musik-Superstars auf. Batiste sei „on top of the world“, also Weltspitze, jubelte schon mal der Musiksender Jazz.fm91. Der in New Orleans geborene Sänger, Pianist, Bandleader und Komponist habe seine Karriere aufgebaut, „indem er die Musik dorthin gebracht hat, wo sie herkam - zu den Menschen“. Im Interview sagte Batiste selbst über „We Are“, die Platte sei für ihn „ein Fest“ gewesen, und auch eine Hommage an seine Heimatstadt: „Dieses Album hebt so viele unglaubliche ältere Musiker hervor, und die Geschichten, die sie während der Arbeit mit mir teilten, sind unschätzbar wertvoll.“

Auf dem Albumcover ist Batiste in einer Art Predigergewand zu sehen - ein Hinweis auf die Gospel-Färbung seiner Musik. Tatsächlich klingt „We Are“ wie ein 38-minütiges Hochamt für die schwarze Popkultur. Der Piano-Jazz, von dem Batiste eigentlich herkommt, ist in den 13 Stücken nur noch ein Element unter vielen. Daneben sind Motown-Soul wie bei Stevie Wonder, Funk wie von Prince, Tanzmusik im Stil von Earth Wind & Fire, sogar Hip-Hop zu hören. Der Rap-Slang von „Whachutalkinbout“ erinnert an Barack Obamas berührenden „Amazing Grace“-Gesang für Rassismus-Opfer in Charleston.

Dieser genreübergreifende Sound sei „sehr in meiner Geschichte und der Geschichte dieses Landes verwurzelt“, sagt Batiste. Vor seinem großen Durchbruch mit dem Soundtrack zu dem Pixar-Film „Soul“ und mit „We Are“ im vorigen Jahr war er Gründer und Frontmann der Band Stay Human, mit der er als musikalischer Leiter der „Late Show“ von Stephen Colbert auftrat. Zudem fungierte Batiste als Kreativdirektor des National Jazz Museum in Harlem. Die Liner-Notes zu „We Are“ schrieb übrigens der legendäre Musikproduzent Quincy Jones (89). Er hat dem kommenden US-Star Batiste etliche Grammy-Auszeichnungen voraus: Jones erhielt bisher 28 Trophäen und steht damit neben Beyoncé auf Platz zwei der ewigen Bestenliste (hinter dem Dirigenten Georg Solti mit 31 Erfolgen). Batiste war bisher 14 Mal für Grammys nominiert, konnte aber noch keinen einzigen gewinnen.

Die 64. Grammy-Gala, bei der sich das nun ändern soll, war eigentlich für den 31. Januar geplant, wurde dann aber wegen der rasanten Ausbreitung der hochinfektiösen Omikron-Variante des Coronavirus auf den 3. April verschoben. Moderator der Veranstaltung ist der Comedian Trevor Noah. Hinter Batiste mit elf Nominierungen folgen der kanadische Popsänger Justin Bieber, die Rapperin Doja Cat und die Singer-Songwriterin H.E.R. mit je acht. Billie Eilish und Olivia Rodrigo können sich sieben Mal Hoffnungen machen. (dpa/sc)

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