Beben an den internationalen Börsen

<p>Das Bild zeigt die Börse in Madrid: Russlands Militäroffensive gegen die Ukraine hat den Aktienmärkten am Donnerstag einen schweren Schlag versetzt.</p>
Das Bild zeigt die Börse in Madrid: Russlands Militäroffensive gegen die Ukraine hat den Aktienmärkten am Donnerstag einen schweren Schlag versetzt. | Foto: epa

Deutliche Preissprünge gab es am Donnerstag bereits für Rohstoffe wie Öl. An den Aktienmärkten weltweit rauschten die Kurse nach unten.

Ein Überblick:

Rohstoffe: Russland ist ein großer Gaslieferant für Europa, aber zum Beispiel auch einer der weltgrößten Anbieter von Aluminium, das in vielen Produkten steckt. Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine verteuerten sich etliche Rohstoffe deutlich. Ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Ölsorte Brent kostete erstmals seit 2014 mehr als 100 Dollar. Der Aluminium-Preis kletterte auf ein Rekordhoch von 3.388 US-Dollar. Ein Scheffel Weizen kostete mit knapp 935 US-Cent so viel wie seit 2012 nicht mehr. Und die Strom- und Gaspreise in Europa schnellen erneut in die Höhe. Der Gaspreis für eine Lieferung im März stieg am Donnerstag um 40 Prozent auf 125 Euro pro Megawattstunde, der Strompreis um denselben Prozentsatz auf 300 Euro/MWh. Auch Belgien blieb von diesem Preisanstieg nicht verschont: Auf dem Großhandelsmarkt des Landes müssen am Freitag zwischen 22 und 24 Uhr 378 Euro pro MWh Strom bezahlt werden. Gegen 19 Uhr wird der Preis sogar 463 Euro betragen, ein Rekordbetrag für Belgien, wie die Nachrichtenagentur Belga berichtete.

Verbraucherpreise: Experten und Händler schließen nicht aus, dass Russland auf wirtschaftliche Sanktionen mit einem Gaslieferstopp reagiert und damit die Preisspirale antreibt. Nach Angaben des Energiehändlers Matthias Detremmerie vom Energieversorger Elindus horten Energiehändler in Europa „aus Angst vor dem völligen Versiegen der russischen Gasimporte oder vor möglichen Schäden am Gasnetz nach Europa, sollte sich der Konflikt weiter ausbreiten“, wird er von Belga zitiert.

Aktien: Russlands Militäroffensive gegen die Ukraine hat den Aktienmärkten am Donnerstag einen weiteren schweren Schlag versetzt. Der Dax in Frankfurt ging auf Talfahrt und fiel zwischenzeitlich unter die nächste Tausendermarke von 14.000 Punkten. Am Ende eines von hohen Handelsumsätzen begleiteten Tages büßte der deutsche Leitindex 3,96 Prozent auf 14.052,10 Punkte ein. An den Börsen in Paris (-3,8 %) und London (-3,82 %) kam es zu deutlichen Verlusten. Der Brüsseler Leitindex Bel20 konnte seine Verlust bei Börsenschluss auf 1,88 Prozent noch etwas begrenzen. Den stärksten Rutsch gab es an der Börse in Moskau: Mit einem Einbruch des Leitindex RTS von zeitweise 50 Prozent waren die Verluste hier am größten. Der EuroStoxx 50 verlor 3,63 Prozent auf 3829,06 Zähler. In den USA waren diese zum Handelsschluss in Europa nicht ganz so groß. Als sicher geltende Anlagen wie Gold, Silber, Staatsanleihen oder Währungen wie der Yen oder US-Dollar legten hingegen teils kräftig zu. Die Aktie des in Russland tätigen Stromerzeugers Uniper brachen um 14 Prozent ein. Der Konzerm Uniper ist außerdem Mitfinanzierer der auf Eis gelegten Gaspipeline Nord Stream 2. Zu den wenigen Gewinnern zählten die Aktien von Rüstungsunternehmen.

Devisen: An den Devisen-Märkten sorgte der Krieg in der Ukraine für erhebliche Turbulenzen. Der russische Rubel brach auf ein Rekordtief von rund 90 Dollar ein. Die Zentralbank Russlands kündigte Stützungsmaßnahmen an. Gewinne verzeichneten hingegen der US-Dollar, der japanische Yen und der Schweizer Franken. Diese Währungen würden in unsicheren Zeiten oft nachgefragt, meinten Experten. Der Euro fiel erstmals seit Ende Januar wieder unter 1,12 US-Dollar und kostete am Abend 1,1146 Dollar. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank den Referenzkurs auf 1,1163 Dollar festgesetzt.

Eine Feinunze des Edelmetalls (rund 31,1 Gramm) kostete im frühen Handel am Donnerstag 1.949 US-Dollar, das ist der höchste Stand seit Januar 2021. Der Edelmetallhändler Heraeus schloss nicht aus, dass bald die Marke von 2.000 Dollar überschritten wird: „Der Weg zu neuen Höchstkursen wäre dann nur eine Frage der Zeit.“ (belga/dpa/sc)

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