Tiefstand bei Verkehrstoten in der Wallonie verzeichnet

<p>Die Anzahl Verkehrsunfälle nahm 2021 landesweit zu.</p>
Die Anzahl Verkehrsunfälle nahm 2021 landesweit zu. | Illustrationsfoto: imago/7aktuell

Sowohl die Wallonie als auch Brüssel erreichen mit 187 (minus 36) beziehungsweise sechs Verkehrstoten (minus acht) im letzten Jahr einen historischen Tiefstand, so die guten Nachrichten, mit denen das Verkehrssicherheitsinstitut VIAS am Montag aufwartete. Dennoch blieb die Gesamtzahl der Todesopfer im Verkehr in Belgien stabil: 484 im Jahr 2021 gegenüber 483 im Jahr 2020. Dies ist darauf zurückzuführen, dass in Flandern im vergangenen Jahr ein deutlicher Anstieg um 18 Prozent bei den Todesopfern im Straßenverkehr verzeichnet wird. Das jüngste VIAS-Barometer zur Verkehrssicherheit zeigt, dass im vergangenen Jahr 291 Menschen (+18 Prozent) auf den Straßen im Norden des Landes ums Leben kamen – 45 mehr als noch im Jahr zuvor.

Ein Blick ins Detail verrät, dass VIAS einen Anstieg von Verkehrstoten bei Unfällen mit Kleintransportern feststellt: 63 Menschen starben 2021 in diesem Zusammenhang – 20 mehr als noch im Jahr zuvor. „Der Erfolg des E-Commerce und die vielen Hauslieferungen (...) spielen dabei sicherlich eine Rolle“, so die Analyse des Institutes. Letztes Jahr wurden zudem 92 Menschen bei Unfällen mit Lkw-Beteiligung getötet, 2020 waren es 83. Die Zahl der getöteten Fußgänger stieg von 62 auf 69. Die Anzahl der zu Tode gekommenen Motorradfahrer ist von 77 auf 61 gesunken. Des Weiteren hebt VIAS hervor, dass bei Unfällen mit Elektro-Rollern vier Menschen ums Leben kamen.

Die allgemeine Anzahl der Verkehrsunfälle ist landesweit um circa 14 Prozent gestiegen. Die Zahl der Unfälle mit Verletzten stieg dabei ebenso stark an (von 29.947 auf 34.264), wie auch die der dabei in Mitleidenschaft gezogenen Personen (von 36.774 auf 42.063).

Insgesamt wurden 2021 in ganz Belgien demnach etwa 4.300 Unfälle mehr als noch 2020 verzeichnet. In der Wallonie kam es dem Verkehrssicherheitsbarometer zufolge zu 9.746 Unfällen (+18 Prozent), auf dem Gebiet der Hauptstadtregion Brüssel waren es 3.497 (+10 Prozent) und in Flandern 21.021 (+13 Prozent). Den stärksten Anstieg im Süden des Landes verzeichnet die Provinz Lüttich mit einer Zunahme von fast einem Viertel (+22 Prozent).

Der Anstieg der bloßen Unfallzahlen ist VIAS zufolge bei allen Verkehrsteilnehmern festzustellen. Gleichwohl hebt das Institut die Unfälle unter Beteiligung von Mopedfahrern hervor. Während die diesbezügliche Zahl zwischen 2012 und 2020 um 40 Prozent sank, ist sie letztes Jahr wieder deutlich angestiegen (+29 Prozent im Vergleich zu 2020). „Diese Zahl ist im Zusammenhang mit dem Anstieg der Zulassungen zu sehen“, erläutert VIAS die Hintergründe. Wie das Institut klarstellt, bleiben auch Fußgänger nicht von Unfällen verschont. Auch hier wird ein drastischer Anstieg von etwa 17 Prozent verzeichnet. Des Weiteren gibt VIAS an, dass 2021 insgesamt 1.022 Unfälle mit Elektro-Rollern, also etwa drei pro Tag, gezählt wurden.

Generell geht VIAS davon aus, dass die teilweise strikten Corona-Schutzmaßnahmen zu einem Rückgang des Verkehrs und demnach auch zur Anzahl der Verkehrstoten im Land – verglichen mit der Situation vor der Pandemie – geführt haben. „Während 2021 in der Wallonie und Brüssel weiterhin ein sehr positiver Trend in Bezug auf die Zahl der Verkehrstoten zu verzeichnen ist, gibt der Anstieg der Opferzahlen in Flandern Anlass zur Sorge“, gibt VIAS abschließend zu Protokoll. Bestimmte Phänomene, wie Unfälle mit E-Rollern und Lieferwagen, erforderten gerade im Norden des Landes besondere Aufmerksamkeit.

Die flämische Mobilitätsministerin Lydia Peeters (Open VLD) kündigte ihrerseits an, das Verkehrssicherheitsbarometer „gründlich zu überprüfen“. Wenn es erforderlich sei, werde sie Anpassungen der Straßenverkehrsordnung in Erwägung ziehen, um den zunehmenden Todesfällen auf Straßen im Norden des Landes entgegenzuwirken. Des Weiteren stellte die flämische Liberale kurzfristig konkrete Maßnahmen hinsichtlich der Nutzung von E-Rollern in Aussicht. Gleichwohl sei die Verbesserung der Verkehrssicherheit eine langfristige Aufgabe, die auch an eine funktionstüchtige Straßeninfrastruktur gebunden sei.

Peeters‘ Brüsseler Amtskollegin, Elke Van den Brandt (Groen), fühlt sich angesichts des VIAS-Barometers in ihrem Kurs in der Verkehrspolitik bestätigt. „Das Hauptziel von City 30 ist es, schwere Unfälle zu verhindern. Und das mit Erfolg: Die Zahl der schweren Unfälle ging im ersten Jahr um 25 Prozent zurück, die Zahl der Todesopfer um 58 Prozent. Ich bin allen Fahrern dankbar, dass sie sich an die neuen Regeln halten“, hob die grüne Politikerin die Einführung der 30-Zone in der Brüsseler Innenstadt hervor. (belga/svm)

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