Weil der IS nicht in Syrien militärisch mit Flugzeugen oder Hubschraubern habe reagieren können, habe er Cafés und einen Konzertsaal in Paris angegriffen. Bei der Anschlagsserie vom 13. November 2015 starben mehr als 130 Menschen. Der IS reklamierte die Taten für sich. Das gilt auch für die Anschläge, die am 22. März 2016 in Brüssel verübt worden sind.
Abdeslam soll in Paris einen Sprengstoffgürtel gehabt, ihn aber nicht gezündet, sondern in einem Vorort weggeworfen haben, wo dieser später gefunden wurde. „Ich habe niemanden getötet und niemanden verletzt“, sagte der 32-Jährige. Er habe sich umentschieden. Dennoch betonte Abdeslam im Gericht seine Unterstützung für den IS, der sich einer westlichen Dominanz weltweit entgegenstelle und die Scharia, das islamische Recht, durchsetzen wolle. „Das finde ich legitim.“ Nach den Attentaten floh Abdeslam nach Belgien, wo er im März 2016 aufgespürt und festgenommen wurde. Wie andere berüchtigte Islamisten auch war Abdeslam in der Brüsseler Gemeinde Molenbeek aufgewachsen.
Über Stunden äußerte sich Abdeslam bereitwillig zu den Fragen des Gerichts. Mit Spannung war erwartet worden, ob er sich überhaupt umfassend zu den Anschlägen äußert, die Frankreich ins Mark trafen und viele traumatisierte Überlebende und Angehörige hinterließen. „Glaubten Sie wirklich, dass das die französische Politik verändert“, fragte der Richter, um die Motivation für die Anschläge zu ergründen. Eine klare Antwort blieb Abdeslam schuldig.
Bei der Anschlagserie hatten Extremisten im Pariser Konzertsaal „Bataclan“ sowie in Bars und Restaurants 130 Menschen erschossen. Es gab 350 Verletzte. Am Stade de France sprengten sich zudem während eines Fußball-Länderspiels zwischen Deutschland und Frankreich drei Selbstmordattentäter in die Luft.
Angeklagt sind insgesamt 20 mutmaßliche Islamisten. In einer ersten Einlassung im September vergangenen Jahres hatte Abdeslam das Blutbad bereits verteidigt. „Wir haben Frankreich angegriffen, wir haben die Bevölkerung ins Visier genommen, Zivilisten, aber persönlich haben wir nichts gegen sie“, sagte er. Als der damalige Präsident François Hollande entschieden habe, den IS anzugreifen, habe er gewusst, dass dies Risiken mit sich bringe. Hollande wehrte sich als Zeuge in dem Prozess bereits gegen eine solche Darstellung.
Der Mehrheit der Angeklagten drohen 20 oder mehr Jahre Haft. Gegen sechs von ihnen wird der Prozess in Abwesenheit geführt. Fünf von ihnen kamen vermutlich in der Zwischenzeit in Syrien ums Leben, einer ist wegen Terrorvorwürfen in der Türkei inhaftiert. Abdeslam wurde wegen Schüssen auf die Polizei kurz vor seiner Festnahme bereits in Belgien zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Der Prozess ist bis zum Mai terminiert. (dpa/calü)
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