„Unvergesslich geblieben“: Vor 50 Jahren flog auf dem Bökelberg die Cola-Büchse

<p>Die Cola-Dose, die Boninsegna getroffen haben soll, ist im Vereinsmuseum von Borussia Mönchengladbach zu sehen.</p>
Die Cola-Dose, die Boninsegna getroffen haben soll, ist im Vereinsmuseum von Borussia Mönchengladbach zu sehen. | Federico Gambarini/dpa

Die berühmte Cola-Dose sieht auch nach 50 Jahren noch gut erhalten aus, sie hat einen besonderen Platz im Borussen-Museum und hängt hinter Glas in einem Raum mit dem Namen „Magische Nächte“.

Ein Stück rotes Blech, kaum verrostet, hinter dem sich eine wahrlich unsterbliche Geschichte verbirgt. „Dieser Büchsenwurf gehört zur DNA des Clubs“, sagte der damalige Torhüter und ehemalige Nationalspieler Wolfgang Kleff. Und auch Max Eberl, ein Vertreter der jüngeren Borussen-Generation, weiß um die Bedeutung dieser Geschichte für den Club. „Seit ich in Gladbach bin, umschwirrt uns der Name Boninsegna und das 7:1 gegen Inter 1971“, sagte Borussias Sportdirektor.

Die Geschichte eines Europapokalspiels, von dem es nur wenige TV-Bilder gibt, hat weit über die Grenzen Mönchengladbachs Berühmtheit erlangt, auch weil sie am 20. Oktober 1971 nicht endete. Nachdem der italienische Nationalspieler Roberto Boninsegna in der 28. Minute von einer Cola-Dose angeblich am Kopf getroffen worden sein soll, sackte er zusammen und hatte sich im Tumult vom Platz tragen lassen.

Die grandiose Partie der Gladbacher, vielleicht eine der besten in der Vereinsgeschichte, wurde annulliert, wiederholt, und am Ende schieden die Borussen nach einem 0:0 und 2:4 gegen Inter Mailand aus. „Dass dieses Spiel aus den Statistiken gelöscht wurde, tut weh. Man hat uns diesen fantastischen Abend genommen“, sagte Gladbachs Weltmeister Rainer Bonhof im „Kicker“.

Dose wurde zunächst in Arnheim ausgestellt.

Mit Boninsegna hat sich Borussias heutiger Vize-Präsident ausgesprochen, doch der Italiener bleibt bis heute bei seiner Version von Ohnmacht und Kopftreffer. Wer die Büchse von der Tribüne des Bökelberg-Stadions geworfen hat, konnte nicht ermittelt werden. Ein zunächst Verdächtiger wurde wieder freigelassen. Es gab auch Spekulationen, dass die Büchse gar nicht Boninsegna treffen sollte und möglicherweise aus einer Gruppe italienischer Fans geworfen wurde. „Die Dose hatte mir gegolten, Boninsegna wurde zufällig getroffen“, erzählte Borussia damaliger Abwehrspieler Ludwig Müller.

<p>Mönchengladbachs dänischer Stürmer Ulrik Le Fevre (r) reißt jubelnd die Arme hoch, während der Mailänder-Inter Torhüter Vieri geschlagen in seinem Gehäuse liegt.</p>
Mönchengladbachs dänischer Stürmer Ulrik Le Fevre (r) reißt jubelnd die Arme hoch, während der Mailänder-Inter Torhüter Vieri geschlagen in seinem Gehäuse liegt. | Fotos: dpa

Dass die Cola-Dose heute im Vereinsmuseum zu bewundern ist, hat Borussia zunächst einmal einem Fan aus Tilburg und Mitautor des Online-Magazins „Torfabrik“ zu verdanken. Der Niederländer hatte den damaligen und mittlerweile gestorbenen Schiedsrichter Jef Dorpmans ausgemacht und besucht. Dorpmans hatte die Büchse damals mitgenommen und später seinem Club Vitesse Arnheim für das Vereinsmuseum übergeben.

Im Rahmen einer kleinen Feierstunde erhielten die Gladbacher 2012 dann nach mehr als 40 Jahren die Büchse zurück. „Das ist eine wunderschöne, freundschaftliche Geste von Vitesse“, sagte Gladbachs Geschäftsführer Stephan Schippers bei der Veranstaltung. Borussia hat die ganze Geschichte kultiviert und den Mythos gepflegt. Ein Eventraum im Borussia-Park trägt heute den Namen „Büchsenwurf“, und zum Jubiläum hat die Medienabteilung dem denkwürdigen Ereignis ein Buch mit Namen „Der Büchsenwurf vom Bökelberg - Die ganze Geschichte“ gewidmet. Die Autoren Markus Aretz, Michael Lessenich und Matthias Rech wollen dem damaligen großen Spiel und den Geschehnissen „ein Denkmal setzen“. Das gefiel auch Borussias Mannschaftskapitän Günter Netzer, der in seinem Vorwort schreibt: „Dass man heute noch davon redet, dass man sogar Bücher darüber schreibt, das braucht der Fußball, das hält den Fußball am Leben. Das Spiel, unser Spiel, ist unvergesslich geblieben. Man wird noch von ihm erzählen, wenn wir alle nicht mehr sind.“

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