Die Unterstadt muss erhalten bleiben

Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte zurückkommen auf den Artikel „Für die Unterstadt ist Eile geboten“ vom 27.7.2021, worin Norbert Ortmann sich zu den Sorgen der Unterstädter bezüglich der Zukunft ihres schönen Viertels äußert. Es ist effektiv Eile geboten: in erster Linie bezüglich der Sicherheit der Talbewohner, denn mit solchen Wolkenbrüchen werden wir in Zukunft regelmäßiger konfrontiert sein. Es wird nicht einfach sein solche Wassermassen zu beherrschen! Beide Talsperren wurden nicht in erster Linie für den Hochwasserschutz errichtet. Man wird sie aber vorerst für den Hochwasserschutz nutzen müssen! Es wird dauern bis konkrete Baumaßnahmen ergriffen sind, um der Wasserlast Herr zu werden. Die Vennbäche und -flüsse werden zu reißenden Bergbächen; hier ist das Fachwissen von Wasserbauingenieuren aus Bergregionen nötig. Die Wassermassen müssen aufgefangen und gebremst werden bevor sie die Unterstadt erreichen: das geht nur mit Auffangzonen und Bauwerken, die bei drohendem Hochwasser nur eine begrenzte Wassermenge durchlassen. Schon in der 2. Hälfte des 19. Jhdt. gab es Pläne, Sperren im oberen Hilltal oder im oberen Wesertal zu errichten; es ging damals immer nur um Trinkwasser (siehe hierzu das Jahrbuch des EGMV von 2009 - Artikel von Hugo Pelzer). Warum diese Ideen nicht aufgreifen, um Hochwasserschutzzonen zu schaffen? Außerdem muss vermieden werden, dass das Wasser durch das Flussbett ungebremst seinen Lauf nehmen kann: neben der Wassermenge ist die ungeheure Kraft, die von der Fließgeschwindigkeit ausgeht mörderisch.

Genauso aber ist Eile geboten für den Erhalt der Unterstadt! Zu Recht sagt Norbert Ortmann „Jedoch sehe ich in dieser traurigen Situation eine Chance einer Neugestaltung, einer Aufwertung der Unterstadt“. Das dürfte den Unterstädtern aus der Seele gesprochen sein! Dabei wird es aber darauf ankommen, die wunderschönen Ecken der Unterstadt nicht wie 1970 das „Scheiblerhaus“ zu opfern. Diese Ecken bilden den Charme des Viertels. Das Bild der Unterstadt wurde schon immer von der Josefskirche und der alten Weserbrücke geprägt. Die „Duyvelscheidter“ ist die älteste und eine von den 4 Weserbrücken bis zur Ourthe, die schon 1746 erwähnt werden. Die Ansicht wurde in vielen Gemälden festgehalten. Bei aller Eile muss gut überlegt werden und alle Aspekte müssen berücksichtigt werden.

Schließlich noch ein Wort zu den Wehren. Norbert Ortmann sagt, dass „die verschiedenen Wehre zur Regularisierung des Wasserablaufs entlang der Weser“ dienen. Das stimmt nicht, denn die meisten sind historische Relikte, die dazu dienten, das Wasser zu stauen und in die Dike (Kanäle) zu leiten, die sich entlang von Hill und Weser durch die ganze Unterstadt ziehen. Sie führten Mühlen aller Art und Textilbetrieben das Wasser zu , um Wasserräder anzutreiben und lieferten auch das erforderliche Brauchwasser. Sie sind zusammen mit ihren Schleusen und Diks schützenwerte Denkmäler. Leider wurde das älteste Wehr am Schorberg, das teilweise noch von dicken Eichenbalken eingerahmt war, vollständig zerstört. Das Bellmerinwehr (Kehrpfuhl) hat auch heute noch eine Funktion, indem es einer Turbine das nötige Wasser zuführt um Elektrizität zu erzeugen.

Quellen: EGMV-Jahrbuch 2009 – Hugo Pelzer und GE-Magazin 12.6.2021 Eupener Gewässerübergänge im Laufe der Zeit – Teil 1

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