Hätte die Katastrophe verhindert werden können? Minister Henry reagiert auf Vorwürfe

<p>Hätte die Katastrophe verhindert werden können? Minister Henry reagiert auf Vorwürfe</p>

Laut Henry sei nicht abzusehen gewesen, dass das Unwetter solche Ausmaße annahmen würde. „Die Prognosen des Königlichen Meteorologischen Instituts, die am Montagmorgen vorlagen, haben maximal 150 mm Niederschlag pro Quadratmeter für das gesamte Gebiet der Provinz Lüttich angekündigt, und das für einen Zeitraum von drei Tagen“, so Henry gegenüber der Zeitung „La Meuse“. Die Eupener Talsperre mit einem Fassungsvermögen von 25 Millionen Kubikmetern sei zu diesem Zeitpunkt zur Hälfte gefüllt gewesen. „Der Stausee hätte also die gesamte prognostizierte Niederschlagsmenge aufnehmen können“, so der Minister.

Tatsächlich seien innerhalb von 48 Stunden 13,4 Millionen Kubikmeter Regen gefallen. Auf dem Hohen Venn waren es 200 mm pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden.

Nach Informationen der Zeitung „La Meuse“ hat das Königliche Meteorologische Institut jedoch vor 150 mm Niederschlag pro Quadratmeter an einem einzigen Tag und 200 mm in Jalhay innerhalb von 24 Stunden gewarnt. Der Minister möchte nun, laut seiner eigenen Aussage, prüfen, ob dies stimmt.

Hinzu kommt, dass den Verantwortlichen der Talsperren von Robertville und Bütgenbach exakt die gleichen Niederschlagprognosen vorlagen, dort jedoch vorsorglich 40 Kubikmeter Wasser pro Sekunde abgelassen worden sei. Henry dazu: „Hätte man präventiv 30 oder 40 Kubikmeter pro Sekunde freigesetzt, wäre die Unterstadt überflutet worden.“ Dieses Szenario habe man nicht erzeugen wollen, vor dem Hintergrund, dass die Wesertalsperre die Wassermassen laut Prognosen hätte fassen können.

Gleichzeitig habe man „nach den beispiellosen Regenfällen“ am Mittwochabend keine andere Wahl mehr gehabt, als Wasser abzulassen, da ansonsten die Gefahr bestanden hätte, dass die Staumauer bricht, so Henry: „Wir haben das Krisenzentrum gewarnt, dass der Damm am Mittwochnachmittag seine Kapazitäten erreichen würde. Wir begannen, schrittweise fünf Kubikmeter Wasser pro Sekunde freizugeben. Währenddessen wurden die betroffenen Gebiete evakuiert.“ Anschließend habe man die Menge alle 20 Minuten um fünf Kubikmeter erhöht, bis man um 23 Uhr die 45-Kubikmeter-Marke erreicht habe. Um drei Uhr am Donnerstagmorgen seien Wassermengen von 150 Kubikmeter pro Sekunde abgelassen worden. (red/sue)

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Kommentare

  • Danke, Herr Wahl. Wie ich immer schon aus dem Munde verschiedener Fachleute gehört habe, ist die die Mauer tatsächlich so gebaut, daß sie ein volles Becken über sehr lange Zeiten aushalten kann. Sie steht, also und bleibt auch bei immensem Druck stehen. Da sie auch ständig nach Rissen untersucht wird, auch im Innern, ist das Argument "Die Sperre drohte nachzugeben" völliger Nonsens.

  • Merci, Herr Stoehr. Seit Monaten ist die Wesertalsperre fast voll, ununterbrochen. Selbst im Frühjahr-Sommer 2019 und 2020, als es allgemein trocken und sehr heiß war, was also das Argument "Wir wollten für eine anstehende Dürrezeit vorsorgen" niederschmettert. In den letzten Monaten habe ich mich immer wieder gefragt weshalb kein Wasser abgelassen würde und letzte Woche erst recht!
    Die kolossalen Fehler, die gemacht worden sind müssen Konsequenzen haben. Nicht nur bei den "Technikern" selbst, sondern auch in der Politik, denn diese bestimmt viele Spielregeln und so gut wie nie werden Politiker zu rechenschaft gezogen. Schluß damit.

  • Ich kann die Aussage von Hr. Francois nur bestätigen. Am letzten Sonntag (11.07.21) vor der Überflutung der Unterstadt durch Weser und Hill war die Talsperre "rappelsvoll". Hr. Henry ist also zumindest schlecht unterrichtet. Ich denke, die Betreibergesellschaft der Talsperre sollte mal seriöse Zahlen vorlegen, wieviel Wasser im Verlauf des Sonntags / Montags noch hätte abgelassen werden können. Ob etwas und was dadurch hätte verhindert werden können, wird aber wohl immer Spekulation bleiben.

  • Hüte dich vor Menschen, die ihre eigenen Lügen für die absolute Wahrheit halten.
    Überführst du sie der Lüge, drehen sie dir das Wort noch im Mund um!

  • Wenn in Bütgenbach und Robertville auf einem Tag 3,5 Mio m³ Wasser abgelassen werden können oder anders gesagt 40m³/s, und an der Wesertalsperre nicht, dann hat man gepennt.
    Zitat: Henry dazu: „Hätte man präventiv 30 oder 40 Kubikmeter pro Sekunde freigesetzt, wäre die Unterstadt überflutet worden.“
    Ab wie viel m³ wird die Unterstadt überfl¨utet? Ganz sicher bei 150m³/s, wo viele Existenzen zerstört wurden. Hätte man früher angefangen, dann wäre der Schaden nicht so groß gewesen.

  • Herr Francois, Sie haben Recht. Das Argument, man hätte abgelassen, um einen Staumauerbruch zu verhindern, ist technischer Nonsens. Die Mauer ist für den maximalen Pegel berechnet und gebaut, höher steigt das Wasser nicht!

  • Ich frage mich welche Talsperre denn dafür gesorgt hat, das an der Göhl von Kelmis bis Valkenburg teilweise katastrophale Überschwemmungen waren. Und das Städtchen Gulpen wo nicht die Göhl sondern die Gülp durchläuft beinahe nicht betroffen ist, vielleicht kann mir das jemand erklären

  • Die Göhl hat allerdings das Städtchen Valkenburg fast vernichtet. Dort wurden bis jetzt über 1000 Tonnen Schutt aus den überfluteten Wohnungen entfernt. Insgesamt entstand dort ein Schaden von 400 Millionen Euro.

  • Ich habe Anfang letzter Woche, also am Montag, gesehen, daß die Talsperre nicht halbvoll, sondern fast voll war. Man hätte in Anbetracht der Wetterprognosen Wasser ablassen müssen. Henry lügt.

  • ... der eine nimmt es so auf und der andere eben anders... hoffen wir das beim nächsten Mal, das kommt bestimmt, besser reagiert wird....

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