Auf seiner historischen Mission fehlt Novak Djokovic nur noch ein Sieg zum bedeutendsten Meilenstein seiner Karriere. Der Weltranglistenerste und Titelverteidiger aus Serbien erreichte zum siebten Mal das Finale in Wimbledon und kann am Sonntag seinen 20. Grand-Slam-Titel gewinnen. Damit stünde er in der ewigen Bestenliste auf einer Stufe mit seinen großen Rivalen Roger Federer und Rafael Nadal - verhindern will dies Matteo Berrettini an einem italienischen Feiertag in London.
Trotz einer nicht gänzlich überzeugenden Vorstellung bezwang Djokovic den ungestümen kanadischen Halbfinal-Debütanten Denis Shapovalov 7:6 (7:3), 7:5, 7:5 und erreichte sein 30. Major-Finale. Für Berrettini, der Federer-Bezwinger Hubert Hurkacz (Polen) 6:3, 6:0, 6:7 (3:7), 6:4 besiegte, ist es hingegen das erste.
Am Sonntag (15 Uhr MESZ) will der Römer dennoch den großen Favoriten stürzen, ehe die Squadra Azzurra am Abend wenige Kilometer entfernt im Wembley-Stadion im Finale der Fußball-EM England herausfordert. Berrettini ist erst der vierte Italiener in einem Grand-Slam-Finale im Herren-Einzel, in Wimbledon sogar der erste überhaupt. „Ich habe davon nie geträumt, weil das zu groß für einen Traum war“, sagte der 25-Jährige überglücklich.
In ganz anderen Dimensionen ist Djokovic unterwegs, der seinen dritten Titel auf dem „heiligen Rasen“ in Serie und den sechsten insgesamt vor Augen hat. Nach den Siegen in Melbourne und Paris kann er am Sonntag auch dem Golden Slam - dem Gewinn aller vier Major-Turniere in einem Jahr sowie der Goldmedaille im Olympia-Einzel - einen Schritt näher kommen. Dies war bislang nur Steffi Graf 1988 gelungen.
Dennoch hatte er mit dem unbekümmerten Shapovalov große Probleme - doch in den entscheidenden Momenten patzte der 22-Jährige. Etwas zu übermütig schenkte Shapovalov im ersten Satz seinen Break-Vorteil wieder her, dann auch mit zu vielen leichtfertigen Fehlern den Tiebreak. Auch in der heißen Phase des zweiten Durchgangs servierte der Kanadier Djokovic das vorentscheidende Break zum 5:6 mit einem Doppelfehler auf dem Silbertablett. Shapovalov kämpfte weiter stark, konnte sich für seinen beherzten Auftritt aber nicht belohnen.
Wesentlich leichter tat sich zuvor Berrettini gegen Hurkacz. Ab Mitte des ersten Satzes gewann er elf Games in Folge und spielte sich in einen wahren Rausch, erst beim 1:1 im dritten Satz wurde er gebremst. Der Italiener war vor allem bei eigenem Aufschlag äußerst souverän (22 Asse) und kann so auch Djokovic gefährlich werden.
Damen-Finale am Samstag um 15 Uhr
Die Weltranglistenerste Ashleigh Barty aus Australien und die Tschechin Karolina Pliskova bestreiten am Samstag (15 Uhr) das Damen-Finale in Wimbledon. Barty will als erste Australierin seit 1980 den Einzel-Titel in London holen. Es wäre für die 25-Jährige der zweite Triumph bei einem Grand-Slam-Turnier nach dem Erfolg bei den French Open 2019. Pliskova möchte ihren ersten Titel bei einem der vier wichtigsten Turniere gewinnen. Auch die 29-Jährige war schon die Nummer eins der Weltrangliste. (sid/jph)

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