Das Jugendbüro organisierte diese Weiterbildung, weil viele junge Menschen Erfahrungen mit Tabak, Alkohol, illegalen Drogen wie Cannabis und Designerdrogen sammelten und die Jugendarbeiter festgestellt hätten, dass der Konsum in Zeiten der Pandemie weiterhin angestiegen sei, wie es in einer Mitteilung heißt. Auch die Gefährdungen, eine „nichtstoffgebundene Abhängigkeit“ wie exzessives Computerspielen zu entwickeln, habe zugenommen.
„Auffällig ist aber, dass sich gerade junge Konsumenten in der Regel selbst nicht als suchtgefährdet sehen, solange keine schwerwiegenden Folgeprobleme, zum Beispiel im Bereich Gesundheit, Psyche, Ausbildung oder Führerschein, aufgetreten sind“, teilte das Jugendbüro in diesem Zusammenhang mit.

Wenngleich Kontaktpersonen wie Mitarbeiter aus der offenen und mobilen Jugendarbeit, Erzieher und Lehrer die Inanspruchnahme von Hilfs- und Unterstützungsangeboten für notwendig hielten, suchten junge Konsumenten von sich aus freiwillig nur selten Beratungsangebote auf. „So stellt sich die Frage: Wie kann man angemessen reagieren und effektiv handeln, wenn anvertraute Jugendliche in riskanter Weise Alkohol trinken oder kiffen und sich dabei wenig einsichtig und kaum motiviert zeigen, an ihrem Konsumverhalten etwas verändern zu wollen?“
Das Konzept MOVE basiere auf der Annahme, dass jede Änderung des Verhaltens – also auch die Veränderung eines Suchtmittelkonsums – niemals von einem Tag auf den nächsten stattfinde. „Veränderung ist vielmehr ein Prozess, der sich in unterschiedlichen, aufeinander aufbauenden Phasen beschreiben lässt. Motivation ist ein zentrales Stichwort in der Beratung von suchtmittelkonsumierenden Menschen. Diese gilt es, entsprechend der jeweiligen Veränderungsphasen weiter aufzubauen und zu fördern. Dabei gibt es für jede Phase hilfreiche Handlungsstrategien und Gesprächstechniken.“
Diese Strategien und Techniken hätten Gabi Loslever und Nicole Radis, zwei zertifizierte „MOVE“-Trainerinnen in kurzen Inputreferaten erklärt. Wichtig sei ihnen aber der Transfer in den Arbeitsalltag gewesen, und deshalb hätten die Teilnehmer viele praktische Übungen unter ihrer Anleitung durchgeführt. „Die Jugendarbeiter haben gelernt, die verschiedenen Phasen des Konsumverhaltens zu erkennen. Sie haben ihre Haltung reflektiert und Kommunikationsübungen durchgeführt, damit sie den Jugendlichen empathisch, respektvoll und sachlich gegenübertreten. Und, nicht zuletzt, haben sie geübt, Motivation zur Veränderung bei jungen Menschen zu stärken, konkrete, realistische Ziele mit ihnen zu formulieren und erste Schritte zur konkreten Veränderung zu vereinbaren.“
Zusammenfassend konnten die teilnehmenden Fachkräfte sagen: „Ja, kurze Beratungsgespräche sind sinnvoll, da sie sich der Lebenswelt und den Erwartungen junger Menschen anpassen und zwar da, wo sich die jungen Menschen ohnehin aufhalten, mitten in ihrem Alltag – durch ihre Bezugspersonen.“ Am Ende der drei Tage erhielten Teilnehmer ein Zertifikat von Ginko, der Stiftung für Prävention und Landesfachstelle Prävention der Suchtkooperation NRW.
Nach der Schweiz, Österreich und Kroatien wurde MOVE nun auch erstmals in Belgien durchgeführt. Damit die Weiterbildung auch nachhaltig ist und der Transfer in den Alltag unterstützt wird, werden die Teilnehmer im nächsten halben Jahr an drei Supervisionen teilnehmen. Weiterbildung und Supervision finden mit Unterstützung der DG statt. (red/sc)

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