Das schier endlose Warten hat ein Ende, nach jahrzehntelangem Schattendasein geht es auf die ganz große Fußballbühne - und dort sollen bestenfalls gleich mehrere Pukki-Partys steigen: Finnland will bei seinem EM-Debüt mehr als nur dabei sein. Die Euphorie im Land des dreimaligen Eishockey-Weltmeisters ist riesig, statt dem Puck rückt plötzlich der Ball in den Mittelpunkt.
Die Hoffnungen einer ganzen Nation lasten auf dem ehemaligen Schalker Teemu Pukki. Der „Weihnachtsmann“ soll seine Landsleute beschenken und für ein EM-Märchen sorgen. „Ich glaube an unsere Chancen, das Hauptziel ist jetzt, die Gruppenphase zu überstehen, und ja, ich denke, das können wir schaffen“, sagte Pukki, dessen Nachname sich auf Deutsch mit „Weihnachtsmann“ übersetzen lässt.
Das geschichtsträchtige Auftaktspiel gegen Dänemark am Samstag (18 Uhr/liv bei La Deux und ZDF) in Kopenhagen können die Finnen kaum noch abwarten. „Für viele wird es ein bewegender Moment sein, wenn unsere Hymne im Parken erklingt und Finnland endlich bei der Europameisterschaft zu sehen ist. Es ist ein lang gehegter Traum, der uns alle verbindet“, schwärmte Keeper Lukas Hradecky.

Das Team habe schon jetzt „einen Platz in den Geschichtsbüchern“, betonte Kapitän Tim Sparv im „11Freunde“-Magazin. Dabei waren er und seine Mitspieler vor dem Siegeszug in der Qualifikation zur EURO eher eine Lachnummer, schon beim Gedanken an eine Turnierteilnahme sei in der finnischen Bevölkerung „schallendes Gelächter“ ausgebrochen.
Doch in der Rolle des Underdogs fühlen sich die finnischen Sensationskicker ganz wohl. Der krasse Außenseiter wird Finnland auch sein, wenn es zum Abschluss der Gruppenphase auf die belgische Nationalmannschaft trifft. „Das ist etwas, was wir gerne sind, es gibt uns Kraft, um zu zeigen, dass wir auch auf diesem Niveau wirklich mithalten können“, sagte Pukki. Nachdem er sich am 1. Mai einen Bänderriss zugezogen hatte, zitterte ganz Finnland um den „Knöchel der Nation“, doch der Mittelstürmer gewann den Wettlauf mit der Zeit.
Bei der 0:1-Blamage im Testspiel gegen Estland feierte der Profi von Norwich City ein 30-minütiges Comeback, pünktlich zum EM-Start steht er vor der Rückkehr in die Startelf. Damit erhält die Offensive ihr Lebenselixier zurück. Der 31-Jährige schoss Suomi quasi im Alleingang zur Endrunde, zehn von 16 Tore gingen in der Qualifikation auf sein Konto.

Ihre Feier danach bezeichneten die Fans kurzerhand als Pukki-Party - der smarte Wuschelbart des Torjägers genießt Kultstatus. Mit 30 Treffern im Nationaltrikot hat er nur sieben Tore weniger als die anderen 25 Spieler im Kader zusammen. „Natürlich spielt Pukki eine große Rolle in unserer Mannschaft“, sagte Trainer Markku Kanerva. Doch hinter dem Erfolg des Teams stecke noch viel mehr.
Das Geheimnis ist „der beste Teamgeist, den ich je erlebt habe“, erklärte Sparv. Und damit wollen die Finnen auf den Spuren Islands wandeln, die bei der Europameisterschaft 2016 in Frankreich das Überraschungsteam schlechthin waren. Sogar den damaligen isländischen Nationaltrainer Lars Lagerbäck ließen die Finnen in der Vorbereitung zur Mannschaft sprechen, um sich vom Wunder inspirieren zu lassen.
Island kam 2016 bis ins Viertelfinale, bis dorthin müsste Suomi schon einige Sensationen schaffen. Doch unabhängig vom Abschneiden, schrieb die Tageszeitung Hufvudstadsbladet, sei schon allein die Teilnahme „ein Fest für Finnland“. Gegen Geschenke vom Weihnachtsmann hätte freilich keiner etwas einzuwenden.
(sid/mn)

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