Nach einer quälenden Woche des Machtkampfs mit CSU-Chef Markus Söder ist Armin Laschet am Montagabend seinem großen Traum wieder so nah wie seit Tagen nicht mehr. Als der CDU-Chef kurz nach Beginn der Sondersitzung des CDU-Vorstands um 18 Uhr das Wort ergreift, macht er aus seiner Absicht keinen Hehl: „Es geht um die besten Antworten auf die drängenden Zukunftsfragen. Und ich bin bereit, für uns die Kandidatur zu übernehmen.“
Wer aber glaubt, dass Laschet mit diesem Statement in der zweiten Vorstandssitzung binnen acht Tagen unter dem Applaus seiner Zuhörer so gut wie im Ziel ist, der irrt. Aufgewühlt vom Nervenkrieg um die Kanzlerkandidatur melden sich im Verlauf der Sitzung auch viele Unterstützer von Söder offen zu Wort. Auch nach mehr als drei Stunden stehen dem Vernehmen nach noch rund zwei Dutzend Namen auf der Liste der Wortmeldungen.
Zwar sehen auch Söder-Unterstützer die Stimmung zunächst mehrheitlich pro Laschet. Ob das aber reicht, um die in Aufruhr befindliche Basis zu befrieden? Das wird auch davon abhängen, ob der CDU-Vorstand am Ende sein Votum per Abstimmung festzurrt oder ob es wieder nur bei einem unverbindlichen Meinungsbild bleibt. In jedem Fall schien es dem Vernehmen nach in der Sitzung so, als wolle jeder Vorstand schon alleine deshalb was sagen, damit er oder sie am Ende keinen Ärger mit der eigenen Parteibasis riskiert.
Die Sondersitzung des Vorstands reiht sich nahtlos in eine Woche ein, wie sie auch die Machtpolitiker Laschet und Söder noch nie erlebt haben dürften. Keine 24 Stunden zuvor hatte Laschet mit Söder und weiteren engen Vertrauten im Bundestag dreieinhalb Stunden lang um eine einvernehmliche Lösung gerungen. Doch wie in den zahllosen Telefonaten in den Tagen und Nächten zuvor wollten am Ende weder er noch Söder zurückziehen.
In den festgefahrenen Streit kommt am Montag erst neuer Schwung, als die CSU in München beschließt, dass nun doch wieder die CDU das letzte Wort bei der Kandidatenauswahl haben soll. Die CDU entscheide jetzt „souverän“, sagt Söder und verspricht, mehrfach: „Wir als CSU und auch ich respektieren jede Entscheidung.“ Ob das Votum wirklich für einen Schlussstrich ausreicht, bleibt abzuwarten. Schon am Dienstagnachmittag in der Unionsfraktionssitzung könnte sich erneut viel angestauter Frust unkontrolliert entladen. (dpa/um)

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