Am Freitag ist Jérôme Franssen (CSL) als neuer Bürgermeister der Gemeinde Raeren vereidigt worden, nachdem „unüberbrückbare Differenzen“ die alte Mehrheit aus „Mit Uns“ und Ecolo entzweit und Ecolo daraufhin in der CSL einen neuen Koalitionspartner gefunden hatte. Wäre es nach dem reinen Wahlresultat gegangen, hätte der Posten einem anderen gebühren müssen: Roland Lentzen, der bei den Gemeinratswahlen im Oktober 2018 als Spitzen- und Bürgermeisterkandidat der Liste „Gemeinsam vorwärts CSL“ ins Rennen gegangen war und schließlich 615 Vorzugsstimmen abräumte – 260 mehr als Fraktionskollege Jérôme Franssen, was durchaus dafür spricht, dass der Wähler dem 55-jährigen Roland Lentzen das Bürgermeisteramt zugetraut hätte.
Dennoch fiel sein Name nicht, als es darum ging, das Gemeindekollegium unter neuer Mehrheit neu aufzustellen und Schöffenämter sowie den Bürgermeisterposten zu vergeben. Von Anfang an schien Jérôme Franssen als künftiges Oberhaupt der Töpfergemeinde gesetzt und Roland Lentzen außen vor – das dürfte den einen oder anderen Bürger verwundert haben, immerhin hatte der selbstständige Malermeister, der in zahlreichen Vereinen im Dorf aktiv ist, im Wahlkampf noch großmächtig und wortwörtlich gesagt: „Ich möchte Bürgermeister werden.“ Und: „Seit jeher engagiere ich mich in meiner Gemeinde, und jetzt ist für mich die Zeit gekommen, politische Verantwortung zu übernehmen.“ Hat er es sich anders überlegt?
Jein. „Der Zeitpunkt war einfach unpassend“, erklärt Roland Lentzen auf GrenzEcho-Nachfrage. Er habe bereits mit dem Gedanken gespielt, sich in einer Stellungnahme dazu zu äußern, weshalb er als einstiger Spitzenkandidat unter der neuen Mehrheit keine wichtigere Rolle spielt. Keinesfalls habe man ihn übergangen, betont der zweifache Familienvater: „Damit kein falscher Eindruck entsteht: Jérôme Franssen hat mich angerufen und mich gefragt, ob ich Bürgermeister werden möchte. Ich musste aus zeitlichen Gründen ablehnen“, bedauert er und ergänzt: „Vor zweieinhalb Jahren war die Situation noch eine ganz andere. Damals habe ich mich auf das Bürgermeisteramt eingestellt. Ich habe meine Selbstständigkeit zurückgefahren, um neuen Aufgaben gerecht werden zu können.“ Inzwischen habe er seine Prioritäten neu geordnet und sich wieder voll und ganz auf sein Handwerk konzentriert, zumal bereits in dreieinhalb Jahren, im Oktober 2024, erneut Wahlen anstehen und er sich dann möglicherweise beruflich wieder neu hätte orientieren müssen. Beides – Bürgermeisteramt und Selbstständigkeit – lasse sich jedenfalls nicht miteinander vereinbaren: „Ich habe dermaßen viel Arbeit, da bleibt keine Zeit für so eine wichtige Aufgabe“, erklärt er. Er habe niemanden enttäuschen wollen, erst recht nicht die Wähler. Dass er der jüngsten Gemeinderatssitzung fern blieb, dürfte die Gerüchteküche zusätzlich angeheizt haben. Allerdings gibt es dafür eine ganz einfache Erklärung: „Ich habe auf einer Baustelle an der Küste gearbeitet, das war seit Monaten geplant und ließ sich nicht verschieben“, so Lentzen.
Zwar sei er nicht der „Mann im Vordergrund“, doch das sei für ihn völlig in Ordnung. Mit Jérôme Franssen als neuer Bürgermeister sei die Wahl auf die richtige Person gefallen, ist er überzeugt: „Er ist ein Top-Mann – ruhig und sachlich. Jérôme Franssen ist der bessere Politiker“, erkennt Roland Lentzen neidlos an. „Ich freue mich für ihn und für die Gemeinde.“ Im Gemeinderat möchte sich Roland Lentzen auch weiterhin für das Wohl der Gemeinde einsetzen, verspricht er – und hofft, dass die Wähler, die ihm ihre Stimme geschenkt haben, ihm die Entscheidung für seine Selbstständigkeit und gegen das Bürgermeisteramt verzeihen.

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