„Angesichts von Ungewissheit ist es gut, vorsichtig zu sein. Aber in den derzeitigen Umständen mit steigenden Fallzahlen dürfte die Vorsicht es gebieten, schnellstmöglich so viele Menschen wie möglich zu impfen“, sagte der Professor an der Universität Cambridge am Dienstag. Außerdem seien mögliche Schäden durch die Verstärkung von Vorbehalten gegen den Impfstoff zu bedenken. „Das sind schwierige Entscheidungen in ungewöhnlichen Zeiten“, so Spiegelhalter.
In einem Gastbeitrag im „Guardian“ hatte der Wissenschaftler am Montag davor gewarnt, kausale Zusammenhänge zu sehen, wo keine sind. Die klinischen Studien, die zur Zulassung des Astrazeneca-Impfstoffs in Großbritannien führten, und die Erfahrungen aus dem Impfprogramm in dem Land mit rund zehn Millionen verabreichten Dosen des Präparats hätten gezeigt, dass das Vakzin „außerordentlich sicher“ sei.
Neben Dänemark, Norwegen und Irland hatte auch unter anderem Deutschland die Vergabe des Astrazeneca-Impfstoffs vorübergehend angehalten, nachdem es neue Berichte über Fälle von sehr seltenen Thrombosen der Hirnvenen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung gegeben hatte. Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte betont, es handle sich um eine „reine Vorsichtsmaßnahme“.
Der BBC sagte Spiegelhalter zu den Impfstopps: „Wenn das eine Verzögerung in der Verabreichung der Impfstoffe an Menschen bedeutet, die andernfalls eine Impfung bekommen hätten, dann wird das Schaden anrichten.“
In Belgien vertraut die Politik derweil auf den Impfstoff von der Insel. Der föderale Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke (SP.A) verteidigte am Montagabend die Entscheidung, die Covid-19-Impfungen mit Astrazeneca fortzuführen. Der Impfstoff biete einen sicheren und effizienten Schutz gegen das Virus, so der 65-Jährige. Vor dem Hintergrund der steigenden Fallzahlen müssten so viele Menschen wie nur möglich geimpft werden, betonte Vandenbroucke. (dpa/belga/calü)

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