Beschäftigte des St.Vither Krankenhauses richten offenen Brief an Ingrid Mertes

<p>Das St.Vither Krankenhaus hatte vor Kurzem die Trennung von Ingrid Mertes (Bild) bekannt gegeben. Nun haben Beschäftigte einen offenen Brief an die langjährige Direktorin gerichtet.</p>
Das St.Vither Krankenhaus hatte vor Kurzem die Trennung von Ingrid Mertes (Bild) bekannt gegeben. Nun haben Beschäftigte einen offenen Brief an die langjährige Direktorin gerichtet. | Foto: Paperplane Productions

„Sehr geehrte Frau Mertes, liebe Ingrid (wie wir nun sagen dürfen), Es ist uns eine Herzensangelegenheit, Ihnen auf diesem Weg und in aller Öffentlichkeit ‘Danke’ zu sagen für Ihren unermüdlichen und starken Einsatz während 30 Jahren zum Wohle der Patienten, der Mitarbeiter und der Klinik St. Josef im Ganzen. In dieser Zeit wurde unter Ihrer Führung die Klinik St. Josef in St.Vith zu dem gemacht, was sie heute ist.

Es ist Ihrem Know-how, Ihrer Weitsicht, Ihrem strategischen Gespür, Ihrem Verhandlungsgeschick und Ihrer zupackenden Art zu verdanken, dass die Klinik St. Josef im Süden der DG bisher ihren Standort sichern und festigen konnte. Die Entwicklungen der letzten 30 Jahre führen einmal mehr vor Augen, wie vielseitig die Herausforderungen waren und mit wie viel Schaffenskraft Sie diese angegangen sind: die Einrichtung eines Notarztdienstes, der Ausbau der Psychiatrie und die Ausweitung der ambulant psychiatrischen Versorgung (insgesamt drei Tageskliniken in St.Vith und Eupen sowie das Mobile Team für Kinder und Jugendliche), der Kernspintomograph – eine richtige Errungenschaft in der damaligen Zeit!

Es entstanden verschiedene Neubauten, erst für die medizinisch-technischen Dienste, dann das Bettenhaus und der Umbau des Altbaus, was insgesamt eine Steigerung der Nutzfläche von 4.300 Quadratmeter auf 25.000 Quadratmeter ausmachte.

Diese schönen Räumlichkeiten mussten mit Leben gefüllt werden: es folgte die Eröffnung der Reha-Abteilung, die medizinischen Tageskliniken verstärkten ihre Aktivitäten, um dem Bedarf an ambulant durchgeführten Interventionen gerecht werden zu können, die Einrichtung eines Schlaflabors, die Memoklinik, die Onkologie, die Interkulturelle Mediation ... dies um nur einige Fakten zu nennen.

Unermüdlich arbeiteten Sie an nationalen und internationalen Projekten und trotz all der Investitionen und den Einsparungen im Gesundheitswesen seitens der Politik schrieb die Klinik St.Vith immer positive Bilanzen. Sie scheuten nie den Vergleich mit anderen Kliniken und dies zu Recht, denn die Klinik konnte bei Patientenzufriedenheits-Umfragen so manchen ersten Platz belegen. Sie sahen diese Verdienste nie als die Ihren an, sondern als Errungenschaft einer Gemeinschaft von Mitarbeitern, Ärzten und selbstständig Tätigen in der Klinik. Gerne nahmen Sie als Beispiel ein Schiff mit einem Kapitän, der die Richtung angibt aber nicht vorankommt, wenn nicht viele mit im Boot sitzen und in die gleiche Richtung rudern. Diese Leute mit Ihnen im Boot wurden im Laufe der Jahre immer mehr, und heute sind es rund 520 Mitarbeiter und etwa 100 Ärzte und Selbstständige, die für die Klinik arbeiten. Damit ist die Klinik der größte Arbeitgeber in der Eifel. Ihnen, Frau Mertes, war es neben den wirtschaftlichen Aspekten immer wichtig, die Klinik nach den Werten der Ordensgemeinschaft der Augustinerinnen, der Gründerorganisation unserer Einrichtung, zu führen und deren Erbe weiterzutragen.

Sie waren in der Klinik eine starke Führungsperson, die sich mit Vollblut für die Belange der Eifeler Bevölkerung eingesetzt hat. Durch Ihre wohlüberlegten Argumente und Einschätzungen haben Sie sich über Ostbelgien hinaus Anerkennung und Respekt im Klinikmilieu erarbeitet, wovon einige von uns sich persönlich überzeugen konnten. Ihre Zuhörer fesselten Sie in Ihren Reden mit Inhalten und Argumenten sowie sorgfältig ausgewählten Zitaten, spontanen Wortwitzen und humorvollen Einlagen.

Ihnen war eine konstruktive Zusammenarbeit mit den Gewerkschaftsdelegierten wichtig. Sie waren wie jeder Mensch nicht fehlerfrei, sicher nicht bei allen beliebt und manche Entscheidungen waren verletzend und nicht immer nachvollziehbar. Sie scheuten nicht die Auseinandersetzung und hatten meist ein offenes Ohr für die Belange Ihrer Mitarbeiter.

„Dass sie nun, nach 30 Jahren die Klinik verlassen müssen, schockiert uns.“

Die Klinik St. Josef hat sich stark entwickelt und aufgrund der Größe und der Mitarbeiterzahl wurde es in den letzten Jahren schwieriger, den Kontakt zur Basis zu pflegen, wobei dies nach wie vor Ihr Bestreben war. Sie standen oft in der Kritik, auch wenn es Ihren Aufgabenbereich gar nicht betraf. So manche Krise haben Sie in der Klinik erlebt und mit Ihrer Mannschaft gemeistert. Dass sie nun, nach 30 Jahren die Klinik verlassen müssen, schockiert uns. Wir sind ziemlich fassungslos und verunsichert.

Aber die meisten von uns werden die Ärmel wieder hochkrempeln und sich motiviert, zuverlässig und mit viel Einsatz an die Arbeit geben, um unserer Bevölkerung das zu bieten, was sie verdient: eine kompetente, qualitativ hochwertige medizinische Versorgung in der Eifel. Frau Mertes, wir wünschen Ihnen alles Gute für Ihre Zukunft und sagen ‘Vilmols Märci’!

Im Namen von insgesamt 119 Beschäftigten der Klinik St. Josef (alle Namen liegen der GrenzEcho-Redaktion vor)

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