„Unsere Lehrer sind richtig nett und können Streit gut regeln, ich mag alle“, sagt Ella. Gemeinsam mit Brüderchen Noah (5) und Freundin Ines (9) hat die Achtjährige ihr Demonstrationsbild für die Lichtenbuscher Schule vor ihr Haus im deutschen Teil der Ortschaft gemalt. „Lasst die Schule im Dorf“, heißt es vor den Fahnen Belgiens, Deutschlands und Europas. Die Kinder fühlen sich in ihrer Schulfamilie jedenfalls pudelwohl, zumal sie auch ihren in Deutschland lebenden Freunden und Verwandten zeigen können, dass sie effizienter gelernt haben. „Ich habe schon in der ersten Klasse Schreibschrift gelernt, in Deutschland macht man das in der dritten Klasse“, erzählt Ines stolz.
Ein paar hundert Meter weiter auf Raerener Gebiet malt noch Noah (3) mit Hilfe von Mutter Jennifer Schütt und der Patentante ein Bild auf die Straße. „Schon mein Mann war hier auf der Schule“, erzählt die Mutter. Jetzt ist sie froh, dass sie es mit Sohn Noah nur 400 Meter bis zum Kindergarten hat.
Auch vor der Schule selbst hat man ein schönes Bild gemalt. „Unsere Schule im Herzen von Lichtenbusch“ steht da, und Kinder fassen sich an den Händen. Die pensionierte Lehrerin Gaby Meessen schaut sich das Bild an. „In dieser Schule wird Demokratie gelebt“, erzählt sie. Für die Pensionärin war die Zeit an der Lichtenbuscher Schule spannend. Vor allem aber haben sich die Mentalitäten der deutschen und belgischen Eltern und Schüler ergänzt. „Die Deutschen sind verkopfter, die Belgier spontaner“, sagt sie.
Auch Taavi malt fleißig, was die Schule für ihn ist. Der Fünfjährige besucht das letzte Kindergartenjahr. Bald geht es für ihn in die Schule. Doch das wird kein Stress, denn er kennt ja schon alles.
Für die Mutter Valerie de Vooght ist vor allem die Gemeinschaft im Dorf wichtig, denn müsste Taavi nach Eynatten, würde er kaum Gelegenheit haben, ein Kind von der anderen Seite der Raerener Straße kennenzulernen, das in Oberforstbach in die Schule müsse. Hinzu komme: Im Dorf ist ein Generationswechsel im Gange. Viele ältere Menschen verkaufen ihre Häuser, und junge Familien kommen nach.
„Wo bleibt denn da die Verantwortung für das Klima, wenn wir unsere Kinder mit dem Auto nach Eynatten kutschieren müssen?“
„Die Schule ist für unser Dorf eine Identitätsfrage“, sagt Anja Boffenrath. Hier kenne eben jeder jeden und vor allem kennen die Kindergartenkinder die Schulkinder. Und die können problemlos zu Fuß, per Rad oder Roller in die Schule kommen. „Wo bleibt denn da die Verantwortung für das Klima, wenn wir unsere Kinder mit dem Auto nach Eynatten kutschieren müssen?“, fragt sie sich.
„Bei unseren Kindern war es so, dass die komplette Kindergartengruppe gemeinsam in eine Klasse gekommen ist“, erzählt Anna Koch. Auch für die Lehrer sei die Schule das zweite Wohnzimmer, sagen die beiden Mütter. Während der Coronakrise habe sich die Gemeinschaft im Dorf als tragfähig gezeigt. Auch wenn die Kinder nicht miteinander spielen durften, so haben sie sich über den Zaun sehen oder sich auf der Straße zumindest zuwinken können. Auch das ist der große Vorteil einer kleinen Schule, besonders dann, wenn sie Grenzen öffnet.

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