„Unser größtes Problem ist, dass uns die Gemeinde nicht informiert“, sagt Ulla Lutter, die Präsidentin des Elternrates der Gemeindeschule in Lichtenbusch. Eltern und Kinder fühlen sich im Regen stehengelassen, weil noch keine Marschrichtung seitens der Gemeinde festzustehen scheint, wie es mit der Schule weitergeht. Gespräche sowohl mit Bürgermeister Erwin Güsting als auch mit Schulschöffin Marcelle Vanstreels (beide „Mit Uns“) hätten nichts Konkretes ergeben.
Tatsache ist, dass das Schulgebäude zu klein ist. Ein Teil des Unterrichts findet in Containern statt, um den Raumbedarf des Kindergartens zu decken. „Wir alle sind bei den Containern von einer temporären Lösung ausgegangen und haben darauf vertraut, dass die Gemeinde ihre Ankündigung wahrmacht, einen neuen Standort innerhalb des Dorfes zu finden und einen Neubau zu errichten“, so Mona Beumers, Mitglied des Elternrats.
Als ein möglicher Platz für die neue Schule wurde ein Platz am Totleger diskutiert. Am liebsten hätten es die Eltern aber, wenn die Schule am alten Platz ausgebaut und aufgestockt werde. Unter dem alten Bürgermeister Hans-Dieter Laschet seien Architekten beauftragt worden, das auf Machbarkeit zu prüfen. Nachfolger Erwin Güsting habe gemeint, die Pläne seien nicht mehr zeitgemäß. „Wir haben diese Pläne nie gesehen“, beklagt sich Ulla Lutter. Und genau diese fehlende Transparenz ist das Hauptproblem des Elternrates. Man wolle keinen Streit, sondern wissen, was mit der Schule los ist.
Lichtenbusch ist auf beiden Seiten der Grenze eine wachsende Ortschaft. Junge Familien ziehen ins Grüne, und gerade die Schule macht den Standort für diesen Kreis attraktiv. Verschwindet die Schule, werden sich junge Familien einen anderen Wohnort als Lichtenbusch suchen und somit würde das Dorfleben ein Stück ärmer, so die Befürchtung. Denn die Lichtenbuscher Schule ist etwas Besonderes, sie ist europäisch. Schüler sowohl aus dem Aachener und dem Raerener Dorfteil besuchen sie. „Wenn die Schule verschwindet, würde das Dorf zerrissen“, befürchtet Silke Elsen. Denn hier wachsen die grenzüberschreitenden Freundschaften.
„Für unser Dorf ist diese Einrichtung immer eine perfekte Verbindung der belgisch-deutschen Freundschaft gewesen. Wir brauchen diese Schule in Lichtenbusch, um unseren Kindern zu zeigen, was Europa bedeutet“, schreibt Karl-Heinz Laschet als Kommentar zu einer Petition des Elternrates. Besonders deutsche Kommentatoren erinnern dort an das deutsche Dorfschulsterben der 1970er und 1980er Jahre, welches vielen Ortsgemeinschaften massiv geschadet habe.

In Lichtenbusch stehen die Eltern in normalen Zeiten auf dem Schulhof beisammen und knüpfen Kontakte. „Es ist so schade, dass es den neuen Kindergarteneltern im Moment nicht möglich ist, sich richtig kennenzulernen. Vor allem ist es grenzüberschreitend“, so eine Mutter. Sollten zukünftig die deutschen Kinder nach Oberforstbach und die belgischen nach Eynatten ausweichen müssen, würden viele Freundschaften sowohl unter Kindern wie unter Erwachsenen gar nicht erst entstehen. Auch für Vereine ist die Schule ein wichtiger Rekrutierungsplatz, egal ob Musik, Karneval oder Sport.
Jan Buchsteiner vom Fußballverein SC Grün-Weiß von der deutschen Seite bringt es auf den Punkt. Schlössen Kindergarten und Schule auf belgischer Seite, wäre das für den Verein eine echte Katastrophe: „Uns wäre damit die Grundlage unserer jugend- und zukunftsorientierten sowie sozialen und mitmenschlichen Vereinsarbeit genommen!“ Ein großer Teil der Jungfußballer komme von der belgischen Seite und würde so dem Verein künftig fehlen. „Schule und Sport müssen Stützpfeiler der Dorfgemeinschaft bleiben. Die Jugend muss vor Ort zusammenwachsen“, sagt er.
Die Kinder lieben ihre kleine Dorfschule. „Wir sind dort wie eine kleine Familie und können so gut lernen, weil wir nicht so viele Kinder in einer Klasse sind“, schreibt Leyla. Justus möchte weiterhin zu Fuß in die Schule gehen. „Pfoten weg von unserer School!“, hat Simon in sein Bild gemalt. Max und Emily mögen die „Fräuleins“. „Reißt nicht das Herz aus unserem Ort heraus“, fordert Fünftklässlerin Clara. „Ein Dorf ohne Schule ist wie ein Sommer ohne Eis“, schreibt ein weiteres Kind.

Jetzt geht es dem Elternrat darum, sich in die Diskussion einzubringen und Eltern, Kindern und Lehrern eine Stimme zu geben. Daher macht der Elternrat eine Aktionswoche. Am Dienstag sind die Kinder vor dem Protestplakat fotografiert worden, am Mittwoch sind die Eltern im Autokorso von Lichtenbusch nach Raeren gefahren, um gegenüber der Gemeinde Stellung zu beziehen und den politisch Verantwortlichen die Bilder und Stellungnahmen der Kinder zu überreichen.
Am Samstag wollen sich die Schulangehörigen in einer Menschenkette von Lichtenbusch nach Raeren zeigen. Außerdem steht eine Petition online, die rund 1.500 Menschen unterzeichnet haben. (ks)

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