Yoo macht damit praktisch den Weg frei für die einzige noch verbliebene Kandidatin, Ngozi Okonjo-Iweala aus Nigeria. Yoo habe die Entscheidung nach Diskussionen mit den USA und anderen führenden Ländern getroffen, teilte das Außenministerium in Seoul am Freitag mit. Sie habe verschiedene Punkte berücksichtigt, darunter „die Notwendigkeit, die Funktionen der WTO wiederzubeleben“.
Der bisherige WTO-Generaldirektor Roberto Azevêdo war im August 2020 ein Jahr vor dem regulären Ende seiner zweiten Amtszeit zurückgetreten, aus familiären Gründen, wie es hieß. Okonjo-Iweala (66) setzte sich unter mehreren Kandidaten bei 163 der 164 WTO-Mitgliedsländer als Nachfolgerin durch. Sie ist eine an US-Eliteuniversitäten ausgebildete Ökonomin mit mehr als 30 Jahren Erfahrung in der Weltbank und als Finanzministerin. Als einziges Land blockierten die USA aber eine Konsensentscheidung im Oktober. Die Trump-Regierung beharrte auf Yoo.
Einen Hinweis darauf, ob US-Präsident Joe Biden vom Widerstand gegen Okonjo-Iweala abrückt, könnte Katherine Tai, die als Handelsbeauftragte nominiert ist, bei ihrer Anhörung im Senat geben. Das Datum dafür steht noch nicht fest. Anfang März tagt der Generalrat der WTO-Mitglieder, der die Ernennung beschließen müsste. Möglich ist auch eine frühere Einberufung des Rates.
Die WTO, die die Regeln für den freien Welthandel überwacht, steckt derzeit in der tiefsten Krise seit ihrer Gründung 1995. Sowohl die Differenzen zwischen den großen Handelsblöcken USA, China, EU als auch zwischen Industrie- und Entwicklungsländern wachsen. Die USA blockieren zudem das zentrale Organ der Streitschlichtung bei Handelsdisputen. (dpa/calü)

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