„Wir wollen den Titel, die Mannschaft würde Geschichte schreiben“, sagte Trainer Hansi Flick, „aber Hertha ist erstmal wichtiger.“ Doch das Bundesliga-Gastspiel des souveränen Tabellenführers bei der „alten Dame“ mit dem Zugang Sami Khedira am Freitag (20.00 Uhr) steht ganz unter dem Eindruck der folgenden großen Aufgabe. Weil die Bayern wegen der strengen Hygienevorschriften noch in der Nacht die 4.400 km nach Doha fliegen werden, wurde sogar der Anstoß um eine halbe Stunde vorverlegt. Doch Liga-Alltag hin, die beschwerliche, sechs Stunden dauernde Anreise her: Der deutsche Rekordmeister ist wild entschlossen, es in Katar der legendären Mannschaft des FC Barcelona gleich zu tun.
„Wir treten bei der Klub-WM mit dem klaren Ziel an, den Weltpokal nach München zu holen“, sagte Vorstandschef Rummenigge: „Sechs Trophäen in einem Jahr – das hat bisher nur Barca 2009 geschafft.“ Und zwar unter dem späteren Bayern-Trainer Pep Guardiola mit Superstars wie Lionel Messi, Xavi, Thierry Henry oder Zlatan Ibrahimovic.
Die historische Komponente sei „natürlich eine zusätzliche Motivation“, betonte Kapitän Manuel Neuer. „Die sind heiß auf Titel“, hat Rummenigge bei der Mannschaft festgestellt. Doch der Trip ins Glück berge „Gefahren“, warnte Flick: „Katar ist von der Belastung sehr hoch. Wir haben den Flug, Montag und Donnerstag die Spiele, kaum Zeit zum Trainieren.“
„Immer alles gewinnen zu wollen, ist schon lange Bestandteil der DNA dieses Klubs.“
Im Halbfinale (Montag, 19 Uhr MEZ) wartet der afrikanische Champions-League-Sieger Al-Ahly SC aus Ägypten. Im Endspiel am Donnerstag (19 Uhr MEZ) dürften es die Bayern mit dem brasilianischen Copa-Libertadores-Gewinner Palmeiras zu tun bekommen.
Zum „Sextuple“ soll sie ihre fast sprichwörtliche Gier tragen. Rummenigge schwärmte vom „imponierenden Erfolgshunger“ der Mannschaft und betonte: „Immer alles gewinnen zu wollen, ist schon lange Bestandteil der DNA dieses Klubs.“ Im ersten Triple-Jahr 2013 wurden immerhin fünf Trophäen inklusive WM-Titel eingeheimst; nur den deutschen Supercup mussten die Bayern damals ihrem „ewigen“ Rivalen Borussia Dortmund überlassen.
Beim zweiten Anlauf muss Flick wohl wie in Berlin auf Leon Goretzka und Javi Martinez verzichten. Allerdings könnte das Duo, das sich in Quarantäne befindet, nach negativen Corona-Tests noch nach Doha nachreisen. „Wir wissen alle, dass es nicht einfach ist“, sagte Flick, aber: „Die Mannschaft ist sehr motiviert.“
Wie sehr, machte Rummenigge mit einer Anekdote deutlich. Als die Klub-WM im vergangenen Herbst wegen der Pandemie kurz vor der endgültigen Absage stand, hätten Flick und einige Führungsspieler bei ihm vorgesprochen. Der Boss sollte mit seinem Freund Gianni Infantino reden, um den FIFA-Präsidenten von einem Festhalten am Weltturnier zu überzeugen. Rummenigge hat das schwer beeindruckt. „Sie haben 2020 alles gewonnen, einen dicht gedrängten Terminkalender zu bewältigen, aber sie wollen immer noch mehr“, sagte er bewundernd. Mehr, das heißt zunächst: ein Sieg in Berlin.
Die Halbfinalpaarungen stehen fest.
Im Halbfinale der Klub WM trifft Bayern am Montag (19.00 Uhr/MEZ) in Katar auf den afrikanischen Champions-League-Sieger Al Ahly SC. Die Ägypter bezwangen im Viertelfinale am Donnerstag den katarischen Meister Al-Duhail SC dank eines Treffers von Hussein El Shahat (30.) mit 1:0 (1:0). Zuvor war CONCACAF-Champions-League-Sieger UANL Tigres ins Halbfinale eingezogen. Der mexikanische Klub, der Nord- und Zentralamerika sowie die Karibik vertritt, setzte sich im ersten Viertelfinale gegen den asiatischen CL-Sieger Ulsan Hyundai aus Südkorea mit 2:1 (2:1) durch. Im Semifinale trifft Tigres auf SE Palmeiras aus Brasilien, das am Samstag zum zweiten Mal die Copa Libertadores gewonnen hatte. (sid/tf)

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