Der SP-Abgeordnete Charles Servaty (SP) hatte das Thema vor Kurzem im Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft (PDG) in einer aktuellen Frage an Bildungsministerin Lydia Klinkenberg (ProDG) thematisiert. Dabei wurde der Willen der Politik unterstrichen, notfalls nach einer Alternative nach dem Auslaufen von Austauschprogrammen zu suchen. Aufgrund der geringen Inanspruchnahme von „Mobilitäten“ nach Großbritannien habe der Brexit für die Mobilität der ostbelgischen Schüler, Auszubildenden und AHS-Studenten allerdings „nur geringe Auswirkungen“, meinte Ministerin Lydia Klinkenberg im PDG-Ausschuss.
Das Projekt Erasmus+ beinhaltet Mobilitäts- und Kooperationsprojekte in allen Bildungsbereichen, unter anderem in der schulischen, in der beruflichen und in der Hochschulbildung. In der Deutschsprachigen Gemeinschaft wird das Ganze vom Jugendbüro koordiniert. Im Zeitraum der Programmlaufzeit zwischen 2014 und 2020 gab es 28 „Mobilitäten“ von ostbelgischen Lernenden nach Großbritannien. 27 „Mobilitäten“ gab es in der beruflichen Bildung (RSI 24 und ZAWM 3) sowie eine Mobilität in der Hochschulbildung (AHS). Teilnehmer, die im Rahmen von Erasmus+- oder ESK-Austauschprogrammen zwischen 2014 und 2020 einen erfolgreichen Antrag gestellt hätten, im Ausland zu studieren, eine Ausbildung zu absolvieren, einen Freiwilligendienst zu leisten oder einen Auslandsaufenthalt zu absolvieren, könnten für die gesamte Dauer ihres Austauschs teilnehmen, betont Nils Hensen vom Jugendbüro auf Anfrage des GrenzEcho: „Dies gilt sowohl für britische Teilnehmer, die ins Ausland gehen, als auch für internationale Teilnehmer, die nach Großbritannien kommen“, sagt er. Großbritannien möchte übrigens als Ersatz für Erasmus+ das sogenannte Turing-Programm einführen, benannt nach dem legendären britischen Entschlüssler des Enigma-Codes, Alan Turing, der den Briten im Zweiten Weltkrieg das Mitlesen verschlüsselter Funk-Codes ermöglichte. Der entscheidende Unterschied des neuen Programms: Turing funktioniert nur in die eine Richtung. Auch wenn also in einer Übergangsphase alles so weiterläuft wie bisher, sollten Teilnehmer von Austauschprogrammen nach dem Brexit auf veränderte Visa-Bedingungen achten, rät das Jugendbüro. Erasmus+-Teilnehmer, die für Arbeits- oder Freiwilligeneinsätze jeglicher Dauer nach Großbritannien reisen, benötigten ein Visum. Für Studienaufenthalte unter sechs Monaten sei dies dagegen nicht erforderlich. Bei der Beantragung des Visums könne ein Zuschlag für die Gesundheitsversorgung anfallen.
Nils Hensen weist außerdem darauf hin, dass auch in Zeiten des Brexit junge Menschen ihre Englischkenntnisse mit den Programmen Erasmus+ und ESK in anderen Ländern verbessern könnten. „Das RSI entsendet beispielsweise Praktikanten nach Finnland und Estland, wo Englisch die offizielle Arbeitssprache ist. Und nicht zuletzt ist Irland ein Mitgliedsland der EU, dessen Muttersprache Englisch ist“, sagt er. Zudem biete das Eurodesk-Netzwerk mit Koordinierungsstellen in 36 Ländern Informationen zu nationalen und europäischen Förderprogrammen. Anfang des Jahres hat das Jugendbüro die Eurodesk-Koordination für die DG übernommen. Die Möglichkeiten reichen von Einzelmobilitäten über strategische Partnerschaften und Jugendaustausch-Maßnahmen bis hin zu Freiwilligenprojekten – alles im europäischen Ausland, mit englischen Muttersprachlern oder Englisch als Arbeitssprache aller Beteiligten. (sc)

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