Ihnen wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, mit Filmaufnahmen unter Wasser vorsätzlich gegen den Grabfrieden verstoßen zu haben, der nach dem fatalen Untergang über dem Wrack verhängt worden war. Dabei spielt auch eine Rolle, dass die Dokumentarfilmer von Deutschland aus und mit einem deutschen Schiff an den Unglücksort gelangt sind - und Deutschland als Ostsee-Anrainer ein Abkommen zum Schutz der Grabstätte nicht unterzeichnet hat.
Der „Estonia“-Untergang gilt als Europas größte Schiffskatastrophe der Nachkriegsgeschichte. Die Fähre war in der Nacht zum 28. September 1994 mit 989 Menschen an Bord auf ihrem Weg von Tallinn nach Stockholm in internationalen Gewässern vor der finnischen Südküste gesunken. 852 Menschen starben, nur 137 überlebten. Weil viele der Toten nicht geborgen werden konnten, steht das Wrack als Ruhestätte unter Schutz und darf nicht aufgesucht werden - das legt der Grabfrieden fest.
Warum die „Estonia“ unterging, konnte bis heute nicht zweifelsfrei geklärt werden. Laut dem offiziellen Untersuchungsbericht aus dem Jahr 1997 war das abgerissene Bugvisier der Fähre die Ursache für den Untergang. Überlebende und Hinterbliebene fordern jedoch seit langem, dass die Untersuchungen wieder aufgenommen werden.
Das Filmteam um die beiden 37 und 33 Jahre alten Angeklagten hatte im September 2019 einen Tauchroboter zum Wrack herabgelassen. Was sie fanden und später in einer Dokumentationsserie veröffentlichten, hatte für viel Aufsehen gesorgt: Der Tauchroboter hatte unter anderem ein mehrere Meter langes und bislang unbekanntes Loch im Schiffsrumpf entdeckt. Schweden arbeitet nun daran, gesetzliche Änderungen am Grabfrieden vorzunehmen, damit der staatlichen Havariekommission Unterwasseruntersuchungen ermöglicht werden können.
Das Bezirksgericht in Göteborg soll nicht Stellung zu den Funden oder zur Qualität der Dokumentation beziehen. Vielmehr sollte es bei dem Verfahren am Montag und Dienstag darum gehen, ob das Material gesetzeswidrig beschafft worden ist. Bei dem 33-Jährigen handelt es sich um den Regisseur und Produktionsverantwortlichen der Doku, der 37-Jährige hat die Unterwasserdaten ausgewertet und 3D-Modelle davon erzeugt. Sie streiten ab, sich gesetzeswidrig verhalten zu haben. (dpa)

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren