Auch im Teamhotel von Kongos Handballern mitten in Kairo ist Gauthier Mvumbi nicht zu übersehen. Wenn der 26-Jährige in rot-schwarzer Trainingskleidung über die Hotelflure spaziert, fällt er allein wegen seiner Körperfülle auf. Mit seinen vom Weltverband angegebenen 110 Kilogramm und den hautengen Trikots sieht der Kreisläufer nicht aus wie ein Top-Athlet. Trotzdem sorgt Mvumbi bei der WM in Ägypten für Begeisterung. Acht Tore erzielte er bislang, obwohl er nach fast jeder Aktion auf dem Spielfeld das über seinen gewaltigen Bauch gerutschte Trikot wieder herunterziehen muss.
Den vorläufigen Höhepunkt bei dieser WM erlebte Mvumbi auf Instagram. Er, der selbst ernannte „El Gigante“, der „Kongo-Koloss“, hatte doch tatsächlich die Aufmerksamkeit von Shaquille O'Neal auf sich gezogen. „Man sagt, dass du der Shaq des Handballs bist. Was geht?“, fragte die Basketball-Legende in einer Videobotschaft. Mvumbi war baff. „Ein Traum wird wahr, ich glaube es nicht. Mein Idol“, schrieb der unübersehbare und eigentlich vollkommen unbekannte Amateur-Handballer der Demokratischen Republik Kongo. „Ich verstehe noch gar nicht, was eigentlich passiert.“
Das war passiert: In nur wenigen Tagen entwickelte sich der bullige Kreisläufer zum heimlichen Star bei der Weltmeisterschaft in Ägypten. Seine wuchtige Erscheinung, gepaart mit seinen durchaus vorhandenen handballerischen Fähigkeiten, beschert ihm minütlich neue Follower in den sozialen Netzwerken und begeistert die Fans an den Fernsehbildschirmen. So wie O'Neal.
Mvumbi und die DR Kongo können sich am Dienstag die Hauptrunde qualifizieren.
110 Kilo soll der 1,92-Meter-Mann nach offiziellen Angaben auf die Waage bringen. Bei genauerer Betrachtung wird aber klar, dass es wohl doch ein paar Pfunde mehr sein dürften. Der Vergleich zu O'Neal ist durchaus angebracht, wog der Basketball-Star zu aktiven Zeiten doch selbst mehr als 150 Kilo. Im Team der DR Kongo, einem der zahlreichen Außenseiter bei der Mega-WM mit 32 Teams, ist Mvumbi ein echter Leistungsträger. Beim Turnierstart gegen Argentinien (20:34) traf der 26-Jährige bei vier Versuchen viermal ins Tor. Und auch gegen Titelverteidiger Dänemark (19:39) bewies die Nummer 15, vom Boulevard als „Kongo-Koloss“ gefeiert, große Effektivität. Wieder kam er auf vier Treffer, diesmal bei fünf Versuchen.
Ein großer Traum, das verriet Mvumbi vor der WM, sei es, das Stirnband von Dänemarks Superstar Mikkel Hansen zu stehlen. Ausgerechnet im direkten Duell wurde dem früheren Welthandballer am Sonntag aber eine Pause verordnet. Mvumbi dürfte es verkraftet haben. Der Blick des Viertliga-Spielers aus Frankreich richtet sich längst auf Dienstag. Im Vorrundenfinale gegen Bahrain kann sich die DR Kongo tatsächlich noch für die Hauptrunde qualifizieren. Jeder Sieg würde dazu reichen - und Mvumbis außergewöhnliche Geschichte bei dieser WM somit fortschreiben. (sid/dpa)

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